Kalifornien, KI-Giganten

Kalifornien zwingt KI-Giganten zur Transparenz

29.01.2026 - 02:35:12

Kalifornien verpflichtet Entwickler gefährlicher KI-Systeme zur Offenlegung von Sicherheitsprotokollen und zur Meldung von Vorfällen. Bei Verstößen drohen hohe Geldstrafen.

Ab sofort müssen Entwickler gefährlicher KI-Systeme Sicherheitsprotokolle offenlegen und Vorfälle melden – bei Verstößen drohen Millionenstrafen. Mit dem „Transparency in Frontier AI Act“ beendet Kalifornien die Ära freiwilliger Ethik-Kodizes. Der US-Bundesstaat etabliert damit das weltweit erste verbindliche Transparenz-Regime für Hochrisiko-KI.

Vom Prinzip zur Pflicht: Das neue KI-Gesetz

Seit dem 1. Januar 2026 gilt das Gesetz, das im September 2025 unterzeichnet wurde. Es zielt auf Entwickler von Frontier-Modellen – hochkomplexe KI-Systeme, die mit enormer Rechenleistung trainiert werden. Für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 500 Millionen US-Dollar, die solche Systeme entwickeln, gelten nun konkrete Pflichten. Sie müssen öffentlich darlegen, wie sie katastrophale Risiken bewerten und eindämmen.

Als katastrophales Risiko definiert das Gesetz Ereignisse, die zu mehr als 50 Todesfällen oder Schäden über eine Milliarde US-Dollar führen könnten. Dazu zählt auch die Unterstützung bei der Entwicklung biologischer Waffen oder großangelegter Cyberangriffe. Vor dem Einsatz eines neuen Modells müssen die Firmen einen Transparenzbericht veröffentlichen.

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Meldewege und Whistleblower-Schutz

Ein Kernstück des Gesetzes ist die Meldepflicht für kritische Sicherheitsvorfälle. Entwickler müssen jeden solchen Vorfall innerhalb von 15 Tagen der kalifornischen Behörde für Notdienste (OES) melden. Besteht eine unmittelbare Gefahr für Leben, verkürzt sich die Frist auf 24 Stunden.

Zugleich stärkt das Gesetz die Position von Mitarbeitern. Unternehmen müssen interne, anonyme Meldekanäle einrichten. Wer als Whistleblower berechtigte Sicherheitsbedenken äußert, genießt umfassenden Kündigungsschutz. Damit sollen Warnungen aus den Entwicklungsteams nicht länger unterdrückt werden können.

Kalifornien als globaler Regulierungs-Vorreiter

Mit diesem Schritt festigt Kalifornien seine Rolle als Schrittmacher der Tech-Regulierung. Der Bundesstaat verfolgt einen mehrschichtigen Ansatz, der auch KI in Personalentscheidungen und bei Chatbot-Kennzeichnung regelt. SB 53 konzentriert sich bewusst auf Transparenz statt auf technische Vorgaben wie „Kill-Switches“.

Doch der Weg ist nicht konfliktfrei. Das US-Justizministerium hat eine Taskforce gebildet, die bundesstaatliche KI-Gesetze auf ihre Vereinbarkeit mit Bundesrecht prüfen soll. Ein Kompetenzkonflikt zwischen Washington und Kalifornien zeichnet sich ab. Für deutsche Konzerne wie SAP oder die Telekom, die in Kalifornien forschen, wird die Rechtslage damit noch komplexer.

Die Bewährungsprobe beginnt jetzt

Die Tech-Riesen im Silicon Valley stehen vor einer Bewährungsprobe. Sie müssen nicht mehr nur behaupten, ihre Systeme seien sicher, sondern den Nachweis aktiv führen. Die Staatsanwaltschaft Kaliforniens kann bei Verstößen Geldstrafen von bis zu einer Million US-Dollar pro Vergehen verhängen.

Ein erster echter Stresstest kommt 2027: Dann wird die OES ihren ersten anonymisierten Bericht über gemeldete Sicherheitsvorfälle veröffentlichen. Die Welt wird erstmals einen systematischen Einblick in die reale Fehlerquote und Gefährlichkeit von Spitzen-KI erhalten. Für die Branche heißt es jetzt: Transparenz beweisen – oder teuer bezahlen.

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