Jeder Siebte junge Arbeitnehmer ist für seinen Job überqualifiziert
27.01.2026 - 08:44:12Das Statistische Bundesamt schlägt Alarm: Gut 15 Prozent der 15- bis 34-Jährigen arbeiten in Positionen, für die sie formal überqualifiziert sind. Diese Fehlallokation von Humankapital gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.
Die neuen Daten der Arbeitskräfteerhebung 2024 offenbaren ein strukturelles Problem. Während 78 Prozent der jungen Erwerbstätigen eine passende Stelle haben, zeigt sich bei den anderen ein deutliches Ungleichgewicht. Neben den 15 Prozent Überqualifizierten gelten 7 Prozent als unterqualifiziert. Millionen junger Menschen starten damit unter Wert in ihre Karriere – ein volkswirtschaftlicher Schaden.
Frauen und Zugewanderte besonders betroffen
Die Analyse zeigt gravierende Unterschiede zwischen den Gruppen. Junge Frauen (16 %) sind häufiger überqualifiziert als Männer (13 %). Umgekehrt arbeiten mehr Männer (9 %) in Jobs, für die sie formal unterqualifiziert sind.
Noch dramatischer ist die Lage für Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Hier liegt die Überqualifizierungsquote bei 18 Prozent, bei selbst Zugewanderten sogar bei 19 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil der Unterqualifizierten mit 11 Prozent höher. Das spricht für massive Hürden bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse und beim Berufseinstieg.
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Das Paradox des deutschen Arbeitsmarktes
Wieso arbeiten so viele gut Ausgebildete unter ihren Möglichkeiten, während gleichzeitig ein akuter Fachkräftemangel herrscht? Experten sehen die Wurzel des Problems im Bildungssystem, das oft am Bedarf der Wirtschaft vorbei ausbildet.
Die Folge: Hochschulabsolventen nehmen notgedrungen Jobs an, für die sie überqualifiziert sind. Gleichzeitig bleiben Ausbildungsplätze in systemrelevanten Berufen wie dem Handwerk oder der Pflege unbesetzt. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung hatte diesen Missstand bereits 2025 aufgezeigt.
Generation Z verunsichert, KI verändert Anforderungen
Die Zahlen spiegeln die Verunsicherung einer ganzen Generation wider. Eine aktuelle LinkedIn-Umfrage ergab, dass sich über 90 Prozent der Generation Z nicht ausreichend auf die Jobsuche vorbereitet fühlen.
Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen der Arbeitgeber fundamental. Laut einer Randstad-ifo-Umfrage zählen bei Berufseinsteigern heute Soft Skills wie Zuverlässigkeit oft mehr als reine Fachkenntnisse. Und durch den Einzug Künstlicher Intelligenz in den Arbeitsalltag werden grundlegende Jobprofile neu definiert. KI-Kenntnisse entwickeln sich zum entscheidenden Karrierebooster.
Mehr Passgenauigkeit als Zukunftsfrage
Langfristig muss es darum gehen, die Qualifikationen junger Menschen besser mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes in Einklang zu bringen. Das erfordert eine engere Verzahnung von Bildung und Wirtschaft, eine frühere und bessere Berufsorientierung sowie flexible Weiterbildungsangebote.
Nur so lässt sich das volle Potenzial der jungen Generation heben. Denn Überqualifikation führt zu Frustration und Fluktuation, Unterqualifikation zu Stress und Produktivitätsverlusten. Für den Standort Deutschland ist die Lösung dieses Problems eine zentrale Zukunftsaufgabe.
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