IPPR fordert Nährwertkennzeichnung und Lizenzgebühren für KI-News
30.01.2026 - 09:03:12Eine einflussreiche Denkfabrik fordert radikale Transparenz und faire Bezahlung für die Nutzung journalistischer Inhalte durch Künstliche Intelligenz. Der Vorstoß könnte zum Modell für die EU werden.
London – Der britische Thinktank Institute for Public Policy Research (IPPR) legt heute ein wegweisendes Konzept vor, um die Macht von KI-Plattformen über die Nachrichtenverbreitung zu zügeln. Die Kernforderungen: Eine verpflichtende „Nährwertkennzeichnung“ für KI-generierte News und ein verbindliches Lizenzsystem, das Tech-Konzerne für die Nutzung journalistischer Inhalte zahlen lässt. Hintergrund ist die Sorge, dass KI-Tools wie ChatGPT oder Google Gemini zu neuen, undurchsichtigen Informations-Gatekeepern werden – und dabei die Finanzierungsgrundlage des Qualitätsjournalismus aushöhlen.
Transparenz per „Nährwertkennzeichen“ für KI-Antworten
Analog zu Lebensmittelverpackungen sollen Nutzer auf einen Blick erkennen können, was in einer KI-generierten Nachrichtenzusammenfassung steckt. Das vorgeschlagene Label müsste die konkreten Quellen offenlegen: Wurden Informationen von professionellen Redaktionen wie der BBC, aus wissenschaftlichen Studien oder anderen Datenbanken bezogen?
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„Die derzeitige Intransparenz ist brandgefährlich“, so die IPPR-Forscher. Ihre Analyse aktueller KI-Tools zeigte erhebliche Inkonsistenzen. Einige Plattformen ließen die meistgenutzte Nachrichtenquelle Großbritanniens, die BBC, komplett unerwähnt, während andere überproportional zitiert wurden. Diese unsichtbaren redaktionellen Entscheidungen der Algorithmen verengen das Meinungsspektrum und erschweren die Einschätzung der Glaubwürdigkeit.
Kampf ums Überleben: Lizenzmodell soll Verlage retten
Noch drängender ist für die IPPR die ökonomische Frage. Sie fordert ein obligatorisches Lizenzsystem, das es britischen Verlagen ermöglicht, kollektiv mit Tech-Konzernen über Vergütungen zu verhandeln. Grundlage sind die Trainingsdaten für KI-Modelle und die direkte Nutzung von Inhalten in Suchantworten.
Die Denkfabrik sieht die britische Wettbewerbsbehörde CMA in der Pflicht, dieses System zu überwachen. Der Zeitpunkt ist brisant: Verlage befürchten, dass ihr Traffic durch KI-Zusammenfassungen in den nächsten Jahren um über 40 Prozent einbrechen könnte. Wenn Nutzer ihre Antwort direkt von der KI erhalten, bleiben die Klicks auf Original-Websiten aus – und damit Werbe- und Aboeinnahmen.
Demokratie in Gefahr? KI als neuer Meinungsmacher
„Wenn KI-Konzerne davon profitieren, was die Öffentlichkeit zu sehen bekommt, müssen klare Regeln Pluralität und Vertrauen schützen“, sagt Roa Powell, Co-Autor der Studie. Das Verschwinden vertrauenswürdiger Quellen aus KI-Antworten sei eine klare Warnung.
Die Vorschläge treffen auf eine sich zuspitzende Regulierungsdebatte. Erst diese Woche schlug die CMA vor, Verlagen ein Recht auf Opt-out zu geben, um das „Abschöpfen“ ihrer Inhalte für KI-Features wie „Google Overviews“ zu verhindern. Laut Reuters Institute nutzt bereits ein Viertel der Menschen KI zur Informationsbeschaffung – die Weichenstellungen von heute entscheiden über die Medienvielfalt von morgen.
Die IPPR-Empfehlungen bieten der Politik einen konkreten Fahrplan. Ob Großbritannien mit verbindlichen Nährwertlabels und einem Verlegerfonds zum Vorreiter wird, dürfte sich in den kommenden Konsultationen mit Regierung, Tech-Branche und Medien zeigen. Für Europa wäre es ein beobachtetes Referenzprojekt im Umgang mit der disruptiven Kraft der Künstlichen Intelligenz.
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