Indiens, Smartphone-Pläne

Indiens Smartphone-Pläne: Sicherheit oder Überwachung?

19.01.2026 - 01:51:12

Neue Sicherheitsvorschriften der indischen Regierung drohen einen handfesten Konflikt mit Tech-Giganten wie Apple und Samsung auszulösen. Der Vorwurf: Unter dem Deckmantel der Cybersicherheit soll ein Werkzeug für Massenüberwachung geschaffen werden.

Im Zentrum des Streits steht eine Forderung, die weltweit für Aufsehen sorgt: Smartphone-Hersteller sollen ihren proprietären Quellcode an staatlich benannte Labore übergeben. Dieser Code ist das betriebsgeheime Herzstück jedes Geräts. Branchenverbände wie die Manufacturers’ Association for Information Technology (MAIT) warnen vor einem beispiellosen Angriff auf geistiges Eigentum. Die Regierung argumentiert, die Analyse sei nötig, um Sicherheitslücken zu finden. Die Hersteller fürchten dagegen, dass genau diese Geheimnisse so erst recht in falsche Hände geraten könnten.

Kontrolle bis in den letzten Winkel

Die Pläne gehen weit über den Quellcode hinaus. Der Entwurf namens Indian Telecom Security Assurance Requirements (ITSAR) umfasst über 80 Punkte. Einige klingen verbraucherfreundlich: Nutzer könnten endlich lästige Vorinstallierte Apps, das sogenannte “Bloatware”, entfernen. Doch andere Regelungen schlagen Alarmglocken.

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So müssten Hersteller größere Software-Updates und Sicherheits-Patches einer Regierungsbehörde – dem National Centre for Communication Security – zur Prüfung vorlegen. Kritiker befürchten fatale Verzögerungen bei der Schließung kritischer Sicherheitslücken. Zusätzlich sollen Geräte Systemprotokolle ein Jahr lang speichern und regelmäßige Malware-Scans durchführen – auf Kosten von Akkulaufzeit und Performance.

Der schmale Grat zwischen Schutz und Überwachung

Digitale Bürgerrechtsorganisationen wie die Internet Freedom Foundation (IFF) laufen Sturm. Sie sehen in den Vorschlägen den Versuch, die vollständige Kontrolle über private Geräte zu erlangen. Der Staat würde zum Türsteher für Sicherheitsupdates – eine heikle Doppelrolle. Theoretisch könnte er so Schwachstellen entdecken und für eigene Zwecke nutzen, bevor sie für die Öffentlichkeit gepatcht werden.

Die Regierung betont, es gehe um den Schutz der fast 750 Millionen indischen Smartphone-Nutzer vor Cyberkriminalität. Das Elektronikministerium (MeitY) bestreitet sogar, den Quellcode erzwingen zu wollen, was jedoch geleakten Dokumenten widerspricht. Ein geplantes Treffen mit der Industrie Mitte Januar wurde abgesagt. Die Fronten sind verhärtet.

Was bedeutet das für den globalen Tech-Markt?

Indien ist der zweitgrößte Smartphone-Markt der Welt. Der Ausgang dieses Machtkampfes wird Signalwirkung haben. Werden die Regeln in dieser Form durchgesetzt, könnte das den Geschäftsbetrieb globaler Konzerne massiv erschweren. Müssen sie nachgeben, entsteht ein gefährlicher Präzedenzfall für staatlichen Zugriff auf Technologie-Kerngeheimnisse.

Die indische Regierung unter Premier Narendra Modi will ihre digitale Souveränität stärken. Die Tech-Branche fürchtet um ihre Geschäftsmodelle und die Privatsphäre der Nutzer. Ob am Ende ein Kompromiss steht, die Pläne verwässert werden oder ganz fallen, ist völlig offen. Eines ist sicher: In New Delhi wird gerade ein Grundsatzstreit ausgefochten, der die Zukunft der digitalen Freiheit mitbestimmt.

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