Indiens, Regierung

Indiens Regierung stoppt Maschinen-Zertifizierung auf unbestimmte Zeit

01.01.2026 - 08:30:12

Die indische Regierung setzt wichtige Importvorschriften für Maschinen und Stahl aus – eine Atempause für deutsche Exporteure. Das Ministerium für Schwerindustrie bestätigte am Dienstag die auf unbestimmte Zeit ausgesetzte BIS-Zertifizierungspflicht für Maschinen und Elektrogeräte. Diese Entscheidung ist Teil einer breiteren Deregulierungswelle in Neu-Delhi, die auch die Chemie- und Stahlindustrie betrifft.

Die als Omnibus Machinery Order bekannte Verordnung von 2024 wird nicht wie geplant umgesetzt. Ursprünglich sollte die Pflicht zur Zertifizierung durch das Bureau of Indian Standards (BIS) ab dem 1. September 2026 gelten. Ein Update auf der Website des Ministeriums vom 30. Dezember 2025 macht nun jedoch klar: Der Stichtag ist gestrichen. Ein neues Datum werde „von der Zentralregierung bekannt gegeben“ – de facto eine unbegrenzte Aussetzung.

Für internationale Maschinenbauer, darunter viele deutsche Mittelständler, bedeutet das Planungssicherheit. Die strengen Test- und Audit-Anforderungen der Norm Scheme X für Investitionsgüter müssen vorerst nicht erfüllt werden. „Die Industrie erhält eine offene Frist zur Anpassung, ohne die unmittelbare Gefahr eines Marktzugangsverlusts“, kommentiert ein Branchenanalyst.

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Stahl und Chemikalien: Deregulierungswelle rollt

Die Maschinenverordnung ist kein Einzelfall. In den letzten Tagen des Jahres 2025 zog die indische Regierung gleich mehrere Quality Control Orders (QCOs) zurück:

  • Chemieindustrie: Das zuständige Ministerium strich am 29. Dezember 2025 die Zertifizierungspflicht für mehrere Chemikalien. Grund sei die Sicherung ununterbrochener Rohstofflieferungen für die heimische Industrie.
  • Stahlsektor: Wie Medien am 31. Dezember berichteten, setzte das Stahlministerium die BIS-Pflicht für rund 55 Stahlgattungen aus. Die bis zu dreijährige Aussetzung soll Engpässe bei Spezialstählen für Auto- und Elektroindustrie beheben.

Experten deuten dies als strategische Wende. „Die Regierung priorisiert klar das Geschäftsklima und industrielles Wachstum vor der sofortigen Durchsetzung neuer Handelshemmnisse“, so ein Beobachter. Besonders dort, wo die heimische Testinfrastruktur noch nicht ausreiche, werde Druck genommen.

Was bedeutet das für deutsche Exporteure?

Die aktuelle Lage bietet deutschen Unternehmen erhebliche Erleichterung. Sie können Maschinen weiterhin ohne BIS-Lizenz nach Indien exporten. Auch Lagerbestände ohne Zertifizierung müssen nicht mehr unter Zeitdruck abverkauft werden.

Doch Vorsicht ist geboten. „Unbestimmte Aussetzung heißt nicht Abschaffung“, warnt eine auf Indien spezialisierte Compliance-Beraterin. Der regulatorische Rahmen bleibe bestehen. Das Ministerium behalte sich das Recht vor, die Frist jederzeit per offizieller Bekanntmachung wieder in Kraft zu setzen.

Hinter der Verzögerung vermuten Kenner auch ein Eingeständnis: Indiens Laborkapazitäten sind für den umfangreichen und komplexen Testbedarf schwerer Industriegüter schlicht noch nicht gerüstet.

Ausblick 2026: Konsolidierung statt neuer Schocks

Was kommt nach der Atempause? Der langfristige Trend zu standardisierten Sicherheitsvorschriften bleibt. Für 2026 erwarten Beobachter diese Entwicklungen:

  1. Freiwillige Standards: Die Regierung könnte die freiwillige Einhaltung indischer Normen fördern, um Kapazitäten aufzubauen, bevor sie verbindliche Termine neu setzt.
  2. Stufenweise Wiedereinführung: Sollte die Pflicht zurückkehren, geschieht dies voraussichtlich gestaffelt – mit Priorität für Hochrisiko-Anlagen.
  3. Lange Vorlaufzeiten: Industrieverbände setzen sich für eine Ankündigungsfrist von 12 bis 18 Monaten ein, sollte ein neuer Stichtag benannt werden.

Die Botschaft aus Neu-Delhi für das neue Jahr ist eindeutig: 2026 soll ein Jahr der Konsolidierung und des Dialogs mit der Industrie werden, nicht der disruptiven neuen Regulierung. Für deutsche Exporteure bleibt es dennoch ratsam, die Entwicklungen im Auge zu behalten und sich auf eine mögliche spätere Zertifizierung vorzubereiten.

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