Indiens, Handy-Sicherheitsvorschriften

Indiens Handy-Sicherheitsvorschriften sorgen für globalen Tech-Sturm

14.01.2026 - 08:03:12

Indiens Regierung plant strengen Sicherheitsrahmen mit Zugriff auf Betriebssystem-Quellcode. Die Tech-Konzerne wehren sich gegen Eingriffe in Geschäftsgeheimnisse und warnen vor Risiken.

Indiens Regierung fordert von Smartphone-Herstellern Zugang zum Betriebssystem-Quellcode – und stößt auf massive Gegenwehr von Apple, Samsung und Google. Die umstrittene Forderung ist Teil eines geplanten Sicherheitsrahmens, der fast 750 Millionen Nutzer vor Betrug und Datenlecks schützen soll. Doch die Tech-Riesen warnen vor einem beispiellosen Eingriff in Geschäftsgeheimnisse und Privatsphäre.

Quellcode-Freigabe als größter Zankapfel

Das Herzstück des Entwurfs namens Indian Telecom Security Assurance Requirements (ITSAR) ist brisant: Hersteller sollen ihren proprietären Quellcode – die geheime Bauanleitung ihrer Betriebssysteme – indischen Prüflaboren zur Analyse vorlegen. Die Regierung argumentiert, nur so ließen sich versteckte Sicherheitslücken aufspüren, bevor Kriminelle sie ausnutzen.

Doch die 83 vorgeschlagenen Maßnahmen gehen weit darüber hinaus. Smartphone-Firmen müssten Behörden vor großen Software-Updates warnen. Nutzer könnten nahezu alle vorinstallierten Apps löschen. Hintergrundzugriffe auf Kamera, Mikrofon und Standort würden blockiert. Selbst regelmäßige Malware-Scans und einjährige Aktivitätsprotokolle sind geplant.

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Geschlossene Front der Tech-Giganten

Die Branche reagiert geschlossen ablehnend. Der Verband MAIT, der Apple, Samsung, Google und Xiaomi vertritt, erklärte die Quellcode-Forderung für undurchführbar. In keinem anderen großen Markt – weder in der EU noch in Nordamerika – existiere eine solche Vorschrift. Kritiker warnen: Statt Sicherheit zu erhöhen, schaffe der staatliche Zugriff zu intellektuellem Eigentum neue Risiken.

Auch digitale Bürgerrechtsgruppen wie die Internet Freedom Foundation lehnen „persistente staatliche Kontrollen in Millionen Geräten“ strikt ab. Praktisch unrealistisch sei zudem die behördliche Prüfung von Sicherheits-Updates. Sie würde lebenswichtige Patches verzögern – und Nutzer unnötig gefährden.

Regierung signalisiert Kompromissbereitschaft

Angesichts des Sturms der Entrüstung rudert die Regierung zurück. Das Elektronikministerium betont, es handele sich lediglich um Consultationen ohne verbindliche Beschlüsse. Ein Ministeriumsbeamter versicherte: „Legitime Bedenken der Industrie werden mit offenem Geist angegangen.“

Die Gespräche sind offenbar im Fluss: Ein für diese Woche geplantes Treffen mit Tech-Managern wurde verschoben. Beobachter deuten dies als Zeichen für laufende Verhandlungen. Im Dezember 2025 hatte die Regierung bereits eine ähnliche Vorschrift – die Installation einer nicht löschbaren Staatssicherheits-App – nach Protesten zurückgezogen.

Globale Signalwirkung für Tech-Regulierung

Der Konflikt spiegelt das grundsätzliche Spannungsfeld wider: Indien will als digitaler Riese mit riesigem Wachstum seine Infrastruktur schützen. Gleichzeitig braucht das Land internationale Investoren und Innovation. Die geplante Regulierung betrifft nicht nur den größten Smartphone-Markt nach China. Sie könnte weltweit Schule machen – und Tech-Konzerne vor ein Dilemma stellen.

Noch ist nichts entschieden. Die Regierung betont, erst nach Konsultationen werde ein endgültiger Rahmen stehen. Doch die Botschaft ist klar: Indien will bei der digitalen Sicherheit eigene Wege gehen. Ob Apple & Co. mitgehen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

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