ICS2, EU-Zoll

ICS2: EU-Zoll startet harten System-Cutoff für alle Transportwege

01.02.2026 - 10:30:11

Der EU-Zoll schaltet das alte V2-Format ab. Für Spediteure und Logistiker bedeutet der Wechsel zum neuen V3-Standard mehr Bürokratie und das Risiko von Grenzverzögerungen.

Ab Dienstag gilt in der EU nur noch ein digitaler Standard für Zollanmeldungen – der Übergang ist vorbei. Das neue Import Control System 2 (ICS2) schaltet die alte Technik endgültig ab. Für Spediteure und Logistiker bedeutet das mehr Bürokratie und das Risiko von Grenzverzögerungen.

V2-Abschaltung: Keine Nachbesserung mehr möglich

Ab dem 3. Februar 2026 akzeptiert die EU-Zollverwaltung nur noch Anmeldungen im neuen V3-Nachrichtenformat. Alle älteren Meldungen im V2-Standard werden technisch obsolet. Das ist mehr als ein Software-Update: Es ist ein fundamentaler Wechsel in der Datenverarbeitung.

Konkret heißt das: Für Sendungen, die noch im alten Format angemeldet wurden, sind nach dem Stichtag keine Änderungen mehr möglich. Muss eine V2-Anmeldung korrigiert werden – etwa bei einer Routenänderung im Last-Minute-Bereich –, muss die gesamte Meldung storniert und komplett neu im V3-Format eingereicht werden. Logistikexperten warnen vor erheblichen operativen Reibungsverlusten, besonders für Unternehmen, die ihre aktiven Versanddaten nicht rechtzeitig migriert haben.

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Straße und Schiene: Der letzte Baustein fällt

Besonders betroffen ist der Landverkehr. Während Luft- und Seefracht sich bereits länger an ICS2 anpassen mussten, trifft die volle Pflicht nun auch Spediteure und Bahnbetreiber. Zwar gab es für sie Übergangsfristen, doch diese laufen mit dem Februartermin aus.

Ab jetzt müssen auch Lkw- und Zugbetreiber, die Waren in die EU bringen oder durch sie hindurch transportieren, detaillierte Sicherheitsdaten vor der Ankunft melden. Die V3-Spezifikationen verlangen präzise Angaben zu Käufer und Verkäufer, zur Route und zur genauen Ladungszusammensetzung. Damit herrscht erstmals ein einheitlicher Sicherheitsstandard für alle Transportwege an den EU-Außengrenzen.

Striktere Datenkontrolle und „Stop-Wörter“

Mit dem V3-Standard verschärft die EU-Kommission auch die Regeln für die Warenbeschreibung. Eine aktualisierte Liste sogenannter „Stop-Wörter“ tritt in Kraft. Generische Beschreibungen wie „Teile“, „Muster“ oder „Sammlungsladung“ werden nicht mehr akzeptiert und lösen eine automatische Ablehnung der Anmeldung aus.

Stattdessen sind präzise handelsübliche Bezeichnungen und oft auch der sechsstellige Harmonisierte System-Code (HS-Code) Pflicht. Das System soll qualitativ schlechte Daten schon vor der Risikoanalyse automatisch aussortieren. Zudem müssen Spediteure nun Daten auf „House-Level“ liefern – also nicht nur die Informationen des Hauptfrachtbriefs, sondern auch die des eigentlichen Empfängers und Versenders.

Herausforderungen für die Logistikbranche

Der verbindliche Wechsel zu V3 schließt den mehrjährigen Reformprozess der EU-Zollabwicklung ab. Das Ziel: Sicherheitslücken schließen, die entstanden, als verschiedene Transportsektoren unter unterschiedlichen Meldesystemen arbeiteten.

Die unmittelbaren Auswirkungen könnten jedoch disruptiv sein. Vor allem kleinere Betriebe im Straßengüterverkehr dürften mit der technischen Komplexität der V3-Meldungen kämpfen. Diese erfordern eine komplexe Hierarchie von Datenelementen und eine Echtzeit-Validierung von EORI-Nummern.

Die größte Sorge gilt der Grenzflüssigkeit. Trifft ein Lkw mit einer V2-Anmeldung ein, die kurzfristig geändert werden muss, drohen Verzögerungen. Die Backoffice-Abteilung muss dann die alte Meldung ungültig machen und eine komplett neue V3-Anmeldung generieren – während der Fahrer wartet.

Was kommt nach dem Stichtag?

Nach dem 3. Februar rückt die Durchsetzung in den Fokus. Die Zollbehörden in Schlüsselländern wie Deutschland, Frankreich und den Niederlanden werden ihre Kontrollen voraussichtlich verstärken, um die versprochenen Verbesserungen der Datenqualität sicherzustellen.

Die EU-Kommission wird die Liste der „Stop-Wörter“ und Validierungsregeln 2026 weiter verfeinern. Die Branche muss sich auf eine Phase der Stabilisierung einstellen, in der technische Fehlermeldungen häufig sein werden. Die Zeit der Übergangsflexibilität ist endgültig vorbei: ICS2 ist nun voll operativ, und V3 ist die einzige Sprache, die der EU-Zoll versteht.

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