IAB, Verlängerung

IAB warnt vor Verlängerung des Kurzarbeitergelds

29.01.2026 - 19:51:12

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung warnt vor einer Verlängerung des Kurzarbeitergelds bis 2026. Es sieht eine Strukturkrise und fordert stattdessen eine aktive Qualifizierungsoffensive.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung fordert ein Ende der pauschalen Verlängerung des Kurzarbeitergelds. Stattdessen soll die Bundesregierung auf aktive Qualifizierung setzen, um die strukturelle Wirtschaftskrise zu bewältigen.

Die Kritik der Nürnberger Forscher zielt direkt auf Pläne in Berlin, die maximale Bezugsdauer bis Ende 2026 beizubehalten. Das IAB argumentiert in seiner aktuellen Stellungnahme, dass Deutschland nicht in einer vorübergegenden Konjunkturdelle, sondern in einer tiefgreifenden Strukturkrise stecke. Getrieben wird sie durch Dekarbonisierung, Digitalisierung und demografischen Wandel. Eine weitere Verlängerung der Kurzarbeit könne notwendige Anpassungsprozesse nur verschleppen.

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Warum Kurzarbeit an ihre Grenzen stößt

Das Instrument ist ideal, um temporäre Auftragsflauten zu überbrücken. Doch es stößt an seine Grenzen, wenn ganze Geschäftsmodelle infrage stehen – genau das ist laut IAB jetzt der Fall. Die jüngst nach unten korrigierte Wachstumsprognose der Bundesregierung für 2026 unterstreicht diese Einschätzung.

Die Analyse zeigt: Eine verlängerte Bezugsdauer brachte in der Vergangenheit keine signifikant positiven Beschäftigungseffekte. Stattdessen droht ein gefährlicher „Lock-in-Effekt“. Unternehmen und Beschäftigte verharren in alten Strukturen, anstatt den Wandel aktiv anzugehen. Die Reallokation von Arbeitskräften in Zukunftssektoren wird so blockiert.

Qualifizierung als Königsweg

Als klare Alternative fordert das IAB eine massive Stärkung von Qualifizierung. Phasen der Unterauslastung in Betrieben müssten konsequent für Fortbildung genutzt werden. Nur so lassen sich die Fähigkeiten der Beschäftigten an die Anforderungen von Digitalisierung und ökologischer Transformation anpassen.

Bisherige Instrumente wie die Förderung nach § 106a SGB III wurden nur zögerlich genutzt. Hier sieht das Institut einen entscheidenden Hebel: Die Anreize für Unternehmen und Beschäftigte müssten deutlich verstärkt werden. Denkbar wäre eine stärkere Kopplung des Kurzarbeitergelds an die Teilnahme an zertifizierten Weiterbildungen. Aus der passiven Lohnersatzleistung würde so ein aktives Instrument des Wandels.

Vom Kurzarbeitergeld zum Transformationsgeld?

Über die reine Weiterbildung hinaus braucht es laut den Arbeitsmarktforschern einen breiteren Werkzeugkasten. Eine Idee: ein neues, „Transformations-Kurzarbeitergeld“. Dieses wäre speziell für Betriebe gedacht, die sich in einem nachweislichen, geplanten Umstrukturierungsprozess befinden. Die Förderung wäre dann an klare Konzepte und Qualifizierungspläne geknüpft.

Diese Neuausrichtung spiegelt eine grundsätzlichere Debatte wider. Angesichts des Fachkräftemangels kann sich Deutschland kaum leisten, Arbeitskräftepotenzial brachliegen zu lassen. Auch Gewerkschaften fordern Strukturreformen, um Sicherheit im Wandel zu gewährleisten.

Die Stellungnahme liefert scharfe Munition für den politischen Diskurs. Die Bundesregierung steht vor der kniffligen Aufgabe, kurzfristigen Arbeitsplatzerhalt mit langfristiger Modernisierung in Einklang zu bringen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Berlin bereit ist, die Weichen neu zu stellen – und von bewährten Rezepten der Vergangenheit abzurücken.

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