Home-Office: Neuer Gesundheitsalarm für Arbeitgeber
31.01.2026 - 11:25:11Die Gefahr im Home-Office lauert nicht am Schreibtisch, sondern in der Bewegungslosigkeit. Neue Daten des Bundesamts für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zeigen einen drastischen Aktivitätsverlust bei Heimarbeitskräften. Experten fordern eine sofortige Anpassung der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung.
Die Schrittzahl-Lücke: Ein alarmierender Vergleich
Der Kern der Warnung ist eine simple Zahl: Wer von zu Hause arbeitet, bewegt sich nur halb so viel. Während ein durchschnittlicher Bürotag etwa 3.000 Schritte umfasst – gesammelt auf dem Weg zum Drucker, in die Kaffeeküche oder zum Meeting – kommen Beschäftigte im Home-Office im Schnitt nur auf rund 1.300 Schritte. Diese „Schrittzahl-Lücke“ von über 50 Prozent wird durch eine zusätzliche Sitzzeit von 40 bis 50 Minuten pro Tag verschärft.
Gesundheitsexperten sehen darin ein kombiniertes Risiko, das viele aktuelle Sicherheitskonzepte ignorieren. Die Diskussion verlagert sich vom richtigen Bürostuhl zur völligen Abwesenheit von Bewegung im Arbeitsalltag.
Viele Arbeitgeber übersehen zentrale Lücken in ihren Gefährdungsbeurteilungen – gerade beim Thema Home-Office. Die neuen BAuA-Daten zeigen: Körperliche Inaktivität ist kein Randthema mehr und kann rechtliche Folgen haben. Holen Sie sich jetzt kostenlose, rechtssichere Vorlagen und Checklisten, die speziell Telearbeitsplätze und aktive Pausen berücksichtigen. Gefährdungsbeurteilungen jetzt kostenlos herunterladen
Die Gefährdungsbeurteilung muss neu gedacht werden
Für deutsche Unternehmen haben die Erkenntnisse direkte rechtliche Konsequenzen. Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet sie zur Gefährdungsbeurteilung auch für Telearbeitsplätze. Bislang standen dabei technische Ergonomie und psychische Belastung im Vordergrund.
Die BAuA-Daten legen nun nahe, „körperliche Inaktivität“ als eigene Gefahrenkategorie zu behandeln. Eine moderne Beurteilung muss 2026 nicht nur den statischen Arbeitsplatz, sondern auch den organisatorischen Rahmen bewerten. Entscheidend sind Fragen wie: Erlaubt der Arbeitsplan aktive Pausen? Gibt es digitale Erinnerungen zum Aufstehen? Verhindert die Arbeitsstruktur langanhaltendes, ununterbrochenes Sitzen?
Unternehmen, die diese Faktoren ignorieren, riskieren, ihrer Fürsorgepflicht für die langfristige Gesundheit ihrer Belegschaft nicht nachzukommen.
Winter verschärft das Problem der Bewegungslosigkeit
Die aktuelle Debatte fällt in eine besonders kritische Jahreszeit. Im tiefsten Winter zeigt sich ein paradoxer Effekt: Das Home-Office schützt zwar vor Risiken des winterlichen Arbeitswegs – wie Glätteunfällen –, beraubt die Beschäftigten aber gleichzeitig jedes Anlasses, das Haus zu verlassen.
Experten wie Nils Backhaus von der BAuA warnen vor diesem „Komfort-Falle“-Effekt. Bei kurzen Tagen und schlechtem Wetter verlassen viele ihren Wohnraum tageweise nicht mehr. Dieser „Winterschlaf-Modus“ bedroht nicht nur die Herz-Kreislauf-Gesundheit, sondern auch den Muskel-Skelett-Apparat durch anhaltende Starre.
Vom Stuhl zur Kultur: Strategien für gesünderes Home-Office
Um den Risiken zu begegnen, empfehlen Berufsgenossenschaften und Krankenkassen einen Wechsel von der „Hardware“ zur „Software“ – also von der Ausstattung hin zu Verhalten und Unternehmenskultur.
Konkrete Maßnahmen für Arbeitgeber sind:
* Aktive Meeting-Formate: „Walk-and-Talk“-Besprechungen, bei denen Teilnehmer nur per Audio telefonieren und dabei spazieren gehen.
* Strukturierte Pausen: Richtlinien, die Bildschirmpausen zur Normalität machen.
* Digitale Gesundheitsangebote: Apps oder Wearables, die Bewegung tracken und an Dehnübungen erinnern.
* Aktiver Hybrid-Pendelweg: Anreize für aktive Fortbewegung an Tagen mit Büropräsenz.
Die BAuA-Erkenntnisse machen deutlich: Ein sicherer Arbeitsplatz im Jahr 2026 ist nicht nur einer, der Unfälle verhindert, sondern der die körperliche Gesundheit der Belegschaft aktiv erhält. Die Zeit für aktualisierte Gefährdungsbeurteilungen ist jetzt.
PS: Sie planen jetzt Ihre GBU für 2026 anzupassen? Praxisnahe Checklisten zeigen Schritt für Schritt, wie Sie körperliche Inaktivität erfassen, aktive Pausen organisatorisch verankern und digitale Erinnerungen rechtssicher integrieren. Sparen Sie Zeit mit fertig nutzbaren Mustern, die Aufsichtsbehörden überzeugen. Jetzt GBU‑Vorlagen & Checklisten gratis anfordern


