Hirnschrittmacher werden intelligent: THS revolutioniert Therapien
01.02.2026 - 13:34:12Die Tiefe Hirnstimulation (THS) hat einen Quantensprung vollzogen. Aus dem statischen Impulsgeber für Parkinson-Patienten ist ein lernfähiges System geworden, das in Echtzeit mit dem Gehirn kommuniziert. Neue Studien zeigen: Die Technologie könnte auch Depressionen und Schlaganfall-Folgen behandeln.
Adaptive Systeme: Der „denkende“ Hirnschrittmacher
Die größte Neuerung ist die adaptive THS (aTHS). Diese „Closed-Loop“-Systeme messen Gehirnströme direkt an der implantierten Elektrode. Sie erkennen pathologische Muster – etwa einen bevorstehenden Parkinson-Tremor – und passen die Stimulationsstärke binnen Millisekunden an.
Konventionelle Geräte gaben dagegen jahrelang ununterbrochene Impulse ab, egal ob der Patient sie benötigte oder nicht. Die Folgen der neuen Präzision:
* Deutlich weniger Nebenwirkungen wie Sprachstörungen
* Eine verlängerte Batterielaufzeit der Implantate
* Weniger operative Eingriffe für Patienten
Die US-Behörde FDA hat fortschrittliche Systeme wie Medtronics BrainSense-Technologie bereits zugelassen. Experten gehen davon aus, dass die adaptive Stimulation in Kürze zur klinischen Routine wird.
Neue Hoffnung bei therapieresistenter Depression
Während THS bei Bewegungsstörungen etabliert ist, galt ihr Einsatz in der Psychiatrie lange als experimentell. Das ändert sich nun durch personalisierte Ansätze.
Große Studien wie TRANSCEND von Abbott untersuchen die Wirksamkeit bei schwerster Depression. Der Schlüssel liegt in der präzisen Platzierung: Statt stets dasselbe Hirnareal zu stimulieren, nutzen Ärzte nun detaillierte Bildgebungsdaten. So identifizieren sie individuelle Faserbahnen für jeden Patienten.
Erste Zwischenergebnisse sind vielversprechend. Die gezielte Stimulation bestimmter Hirnregionen führte bei einer signifikanten Zahl von Patienten zu einer Linderung. Doch Vorsicht ist geboten: Die THS bleibt eine hochspezialisierte Option für die schwersten Verläufe und ist kein Allheilmittel.
Schlaganfall und Alzheimer im Fokus
Abseits der Kerneinsatzgebiete eröffnen sich zwei weitere vielversprechende Felder.
Motorik nach Schlaganfall verbessern
Eine Pilotstudie der Cleveland Clinic zeigt: Die Stimulation des Kleinhirns kann die motorischen Fähigkeiten von Schlaganfall-Patienten verbessern – selbst wenn der Infarkt Jahre zurückliegt. Die elektrischen Impulse „boosten“ die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, sich neu zu vernetzen. Für chronische Patienten, bei denen Physiotherapie oft an Grenzen stößt, könnte dies ein Gamechanger sein.
Den kognitiven Abbau verlangsamen
Auch bei Alzheimer wird geforscht. Studien untersuchten die Stimulation des Fornix, einem Teil des limbischen Systems. Das Ziel ist nicht die Gedächtniswiederherstellung, sondern die Verlangsamung des Abbaus. Erste Ergebnisse deuten an, dass die präzise Platzierung der Elektrode hier entscheidend ist.
Wettlauf der Technologien
Der Markt für Neurostimulation ist hart umkämpft. Etablierte Player wie Boston Scientific setzen auf direktionale Elektroden, die das Stimulationsfeld gezielt lenken und benachbarte Areale schonen.
Gleichzeitig wächst der Druck durch nicht-invasive Verfahren. Die transkranielle Magnetstimulation (TMS) wird immer präziser, erreicht aber nicht die Tiefenwirkung von Implantaten. Und Unternehmen wie Neuralink arbeiten an Brain-Computer-Interfaces mit tausenden Elektroden – diese sind der klinisch zugelassenen THS jedoch technologisch noch weit voraus.
Hohe Hürden und ethische Fragen
Trotz des rasanten Fortschritts bleiben Herausforderungen. Die Therapie ist extrem kostspielig und erfordert spezialisierte Zentren für Operation und Nachsorge. Zudem stellen sich ethische Fragen: Wenn ein Algorithmus die Stimmung eines Depressions-Patienten „glättet“, wo bleibt dann die menschliche Kontrolle?
Der Ausblick für 2026 ist dennoch voller Erwartungen. Langzeitdaten aus großen Studien könnten den Weg für reguläre Zulassungen bei Depression ebnen. Technologisch liegt der Fokus auf Miniaturisierung und drahtlosem Laden. Die Tiefe Hirnstimulation hat ihre Nische verlassen und wird zum zentralen Baustein einer modernen, datengesteuerten Neurologie.
Viele Menschen bemerken erste Konzentrations- oder Gedächtnislücken, ohne zu wissen, welche Übungen helfen könnten. Ein kostenloser Report bündelt 11 alltagstaugliche Gehirn‑Übungen, einfache Routinen und einen Selbsttest, mit dem Sie Ihre Gedächtnisleistung einschätzen können. Praxisnah, ohne Fachchinesisch — ideal für Angehörige und Betroffene, die Vorsorge treffen möchten. Jetzt Gehirntraining-Report sichern


