Hessen, Baustandards

Hessen lockert Baustandards für mehr Wohnungen

29.01.2026 - 20:24:11

Die hessische Landesregierung will mit einem zweiten Baupaket Vorgaben für Barrierefreiheit und Schallschutz lockern, um den Wohnungsbau zu beleben. Sozialverbände warnen vor den sozialen Folgen.

Die hessische Landesregierung plant mit einem zweiten Baupaket, technische Vorschriften für Schallschutz und Barrierefreiheit zu lockern. Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) nahm heute in Wiesbaden die entsprechenden Eckpunkte einer Expertenkommission entgegen. Ziel ist es, den kriselnden Wohnungsbau durch niedrigere Kosten wieder anzukurbeln.

Bauwirtschaft jubelt, Sozialverbände schlagen Alarm

Das sogenannte „Baupaket II“ soll einen „pragmatischeren Umgang“ mit Vorgaben ermöglichen. Wo hohe Standards mit vertretbarem Aufwand umsetzbar sind, sollen sie gelten. Ansonsten sind „sinnvolle Erleichterungen“ vorgesehen. Die Bau- und Wohnungswirtschaft begrüßt diesen Kurs als längst überfällig.

  • Daniela Matha, Geschäftsführerin der ABG FRANKFURT HOLDING, sieht eine gelungene Verbindung aus sozialen Anforderungen und wirtschaftlichen Realitäten.
  • Auch der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW südwest) fordert eine zügige Umsetzung, um „überzogene“ Standards zu reduzieren.

Doch genau diese Lockerungen sind hoch umstritten. Sozialverbände wie der VdK Hessen-Thüringen warnen seit Monaten vor einem Abbau auf Kosten der Inklusion. Barrierefreiheit sei angesichts des demografischen Wandels keine Nice-to-have-Option, sondern eine Notwendigkeit. Was heute nicht mitgebaut werde, müsse später teuer nachgerüstet werden.

Warum die Regierung jetzt handelt

Der Druck auf dem hessischen Wohnungsmarkt ist enorm. Hohe Baukosten, Zinsen und Fachkräftemangel haben die Bautätigkeit ausgebremst. Dabei werden in Hessen schätzungsweise 26.000 neue Wohnungen pro Jahr benötigt – eine Zahl, die aktuell krachend verfehlt wird.

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Mit der Entschlackung der Bauvorschriften will die Landesregierung gegensteuern. Das erste Baupaket brachte bereits Erleichterungen, etwa bei Stellplatzpflichten. Diese werden von der Branche als vertrauensbildend bewertet. Nun folgt der schwierigere Teil: die Anpassung materieller Standards.

Der schwierige Spagat beginnt

Mit den Eckpunkten startet die politische Debatte. Die Regierung muss nun einen Gesetzentwurf formulieren, der zwei Ziele unter einen Hut bringt: bezahlbaren Wohnraum schaffen und gleichzeitig soziale Verantwortung wahren.

Denn neben der Barrierefreiheit steht auch der Schallschutz zur Disposition. Weniger Lärmprotection könnte die Wohnqualität massiv beeinträchtigen und in verdichteten Städten zu neuen Konflikten führen. Wie will die Politik diesen Balanceakt meistern? Das parlamentarische Verfahren wird es zeigen. Einen konkreten Zeitplan gibt es noch nicht – aber der Ruf nach Tempo ist bereits laut.

@ boerse-global.de