Handwerk, Bürokratieabbau

Handwerk fordert radikalen Bürokratieabbau für Fachkräfte-Zuwanderung

30.01.2026 - 09:15:12

Verbände kritisieren die aktuellen politischen Ansätze als unzureichend und fordern schnellere, einfachere Verfahren zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse.

Die Integration ausländischer Arbeitskräfte wird zur Überlebensfrage für das deutsche Handwerk. Während die Politik erste Gesetze zur Vereinfachung plant, fordern die Verbände einen radikalen Kurswechsel: weniger Bürokratie, mehr Tempo.

Die Debatte hat diese Woche an Schärfe gewonnen. Parallel zu Beratungen im Bundestag über einfachere Anerkennungsverfahren für ausländische Berufsabschlüsse legte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) mit seinem Jahreswirtschaftsbericht nach. Die Botschaft ist eindeutig: Die bisherigen politischen Ansätze reichen bei weitem nicht aus, um den akuten Fachkräftemangel zu bekämpfen.

Anerkennung ausländischer Abschlüsse: Zu langsam, zu kompliziert

Ein aktueller Gesetzentwurf, der Verfahren für Heilberufe beschleunigen soll, wird in der Handwerksbranche als wichtiges Signal gewertet. Doch der ZDH und andere Verbände fordern analoge Erleichterungen für alle Gewerke – und das schnell.

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Passend zum Thema Integration: Viele Handwerksbetriebe investieren inzwischen erhebliche Ressourcen in die Rekrutierung ausländischer Fachkräfte – verlieren diese Beschäftigten aber häufig in den ersten Monaten, weil die Einarbeitung fehlt. Studien zeigen, dass bis zu 40% neuer Mitarbeitender innerlich kündigen, wenn Onboarding und Betreuung nicht systematisch organisiert sind. Eine praktische Onboarding-Checkliste mit editierbaren Vorlagen hilft, neue Kolleginnen und Kollegen strukturiert einzubinden und Fluktuation zu reduzieren. Onboarding-Checkliste jetzt kostenlos herunterladen

„Transparente und schnelle Anerkennungsverfahren sind der Schlüssel“, so die einhellige Meinung. Die derzeitige Praxis sei jedoch von „Misstrauensbürokratie“ geprägt. Vom Visumantrag im Ausland bis zur finalen Anerkennung in Deutschland können viele Monate vergehen – Zeit, in der die dringend gesuchten Fachkräfte den Betrieben fehlen.

„Taten statt Worte“: Handwerk erhöht den Druck

Die Führungsspitze des Handwerks lässt keinen Zweifel an der Dringlichkeit. ZDH-Präsident Jörg Dittrich forderte am 28. Januar „spürbar bessere Rahmenbedingungen“. Generalsekretär Holger Schwannecke hatte bereits Tage zuvor die überbordende Bürokratie als „massives Hemmnis“ angeprangert.

Die tägliche Dokumentationsflut kostet nicht nur Zeit und Energie. Sie schreckt auch junge Meister davon ab, einen Betrieb zu übernehmen – und erschwert es existierenden Betrieben, sich um die Integration ausländischer Fachkräfte zu kümmern. „Das Handwerk ist ein Integrationsmotor“, betonen die Verbände, „aber ohne radikalen Bürokratieabbau kann dieses Potenzial nicht genutzt werden.“

Eine Dauerbaustelle: Warum Reformen so schwerfallen

Die Diskussion um Fachkräfte ist untrennbar mit der generellen Bürokratie-Debatte in Deutschland verbunden. Zwar hat die Bundesregierung Initiativen wie ein Meldeportal gestartet. Aus Sicht der Wirtschaft fehlt es aber an der konsequenten Umsetzung von Reformen.

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz der vergangenen Jahre hat zwar rechtliche Hürden gesenkt. In der Verwaltungspraxis hapert es jedoch an allen Ecken. Die Forderungen sind klar: eine digitalisierte Verwaltung, besser ausgestattete Ausländerbehörden und vor allem eine neue Willkommens-Mentalität in den Amtsstuben.

Demografie zwingt zum Handeln

Hinter der hitzigen Debatte steht eine nüchterne demografische Realität. Ohne Zuwanderung kann der Wohlstand in Deutschland nicht gesichert werden. Für Mangelberufe liegt die Gehaltsschwelle für die Blaue Karte EU 2026 bei 45.934,20 Euro – eine Hürde, die viele Handwerksbetriebe als zu hoch kritisieren.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob aus politischen Ankündigungen konkrete Erleichterungen werden. Die Betriebe sind bereit, ihren Teil beizutragen. Sie erwarten aber endlich handlungsfähige Strukturen von der Politik. Die Zukunftsfähigkeit des gesamten Wirtschaftsstandorts hängt maßgeblich davon ab.

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