GTRI, Zollreform

GTRI fordert radikale Zollreform für Indiens Wirtschaft

22.01.2026 - 14:16:12

Eine Analyse des GTRI kritisiert Indiens komplexes Zollsystem als Wettbewerbsnachteil und schlägt niedrige Einheitssätze sowie Nullzölle auf Rohstoffe vor.

Indiens Zolltarifsystem ist ein undurchsichtiges Labyrinth – und bremst die Wirtschaft aus. Das Global Trade Research Initiative (GTRI) fordert in einer aktuellen Studie eine radikale Vereinfachung, um das Land als globalen Produktionsstandort zu stärken.

Hunderte versteckte Zollsätze trotz Reform

Die Analyse des Think Tanks zeigt ein ernüchterndes Bild. Zwar hat die Regierung die Anzahl der offiziellen Zolltarife im letzten Haushalt auf acht reduziert. Doch in der Praxis existieren durch spezifische Abgaben, Mischsätze und Sonderregelungen immer noch Hunderte effektive Tarife.

„Die wahre Struktur bleibt undurchsichtig und zu komplex“, erklärt GTRI-Gründer Ajay Srivastava. Importeure müssen nicht nur den Grundzoll zahlen, sondern auch eine Agrarinfrastrukturabgabe, einen Sozialzuschlag und verschiedene Gesundheitsabgaben. Diese Zersplitterung verteuert Importe und verzögert Lieferungen.

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Wettbewerbsnachteil bei 1,16 Billionen Euro Außenhandel

Die Dringlichkeit der Reform unterstreichen die Handelsvolumina. Indiens Warenhandel übersteigt mittlerweile 1,16 Billionen Euro. Fast 29 Prozent des Bruttoinlandsprodukts durchlaufen den Zoll – bei solchen Summen summieren sich selbst kleine Ineffizienzen zu milliardenschweren Wettbewerbsnachteilen.

Zölle sind heute kaum noch eine relevante Einnahmequelle. Sie tragen nur noch etwa sechs Prozent zu den Steuereinnahmen bei. Das GTRI plädiert daher für einen Paradigmenwechsel: Die Zollpolitik soll nicht mehr der Einnahmenerzielung dienen, sondern Handel und industrielles Wachstum fördern.

Blaupause: Null-Zoll auf Rohstoffe, fünf Prozent auf Fertigwaren

Der konkrete Reformvorschlag ist ambitioniert. Für die meisten industriellen Rohstoffe und Vorprodukte empfiehlt das GTRI schrittweise einen Null-Zoll. Fertigwaren sollen innerhalb von drei Jahren einen einheitlichen Niedrigzoll von etwa fünf Prozent erhalten.

Besonders wichtig ist die Beseitigung sogenannter umgekehrter Zollstrukturen. Dabei sind die Abgaben auf Import-Rohstoffe höher als auf fertige Produkte – ein klarer Nachteil für heimische Hersteller, die dadurch in ihrer Wertschöpfung behindert werden. Diese Korrektur gilt als Voraussetzung für den Erfolg indischer Produktionsanreizprogramme.

Digitalisierung und Abschaffung extrem hoher Sätze

Neben der Struktur fordert das GTRI auch operative Modernisierungen:
* Eine einheitliche, klare Liste aller Zollabgaben
* Verständliche Formulierungen in Zollbescheiden zur Reduzierung von Rechtsstreiten
* Eine durchsuchbare Online-Datenbank mit Zollgerichtsurteilen
* Ein grundlegender Audit aller Vorschriften, um veraltete Regelungen zu streichen

Auch extreme Zollsätze wie die 150 Prozent auf Alkohol sollen fallen. Solche prohibitiv hohen Abgaben förderten nur Schmuggel und brächten kaum Steuereinnahmen, so die Argumentation.

Signal für offene Märkte vor Haushaltsvorlage

Die Vorschläge stoßen in der Wirtschaft auf breite Zustimmung. Eine vereinfachte Struktur erhöhe die Berechenbarkeit und senke die Compliance-Kosten. Der Plan, Fertigwaren mit fünf Prozent zu belegen, wäre ein klares Signal für eine offene Wirtschaftspolitik – und ein Vertrauensbeweis in die Wettbewerbsfähigkeit indischer Unternehmen.

Ob die Empfehlungen im Unionshaushalt 2026 Berücksichtigung finden, wird sich im Februar zeigen. In einer Zeit globaler Handelsumbrüche könnte ein transparenteres und kostengünstigeres Zollregime zum entscheidenden Standortvorteil für Indien werden.

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