Großbritannien lockert KI-Regeln für Wirtschaft
05.02.2026 - 00:30:12Das Vereinigte Königreich beschreitet einen eigenen Weg in der KI-Regulierung. Ab heute gelten neue, deutlich liberalere Regeln für automatisierte Entscheidungen. Sie sollen Innovation und Wachstum ankurbeln – und setzen sich bewusst vom restriktiveren EU-Kurs ab.
Neuer Rechtsrahmen: Mehr Freiheit, neue Pflichten
Die Reformen sind Teil des Data (Use and Access) Act 2025 (DUAA). Kern der Neuerung: Die pauschale Verbotsregel für rein automatisierte Entscheidungen mit erheblichen Folgen für Personen fällt. Unternehmen können solche Systeme nun breiter einsetzen, etwa in der Personalauswahl, bei Kreditwürdigkeitsprüfungen oder im Finanzbereich.
Doch die größere Freiheit kommt mit strengen Auflagen. Organisationen müssen Betroffene klar über die automatisierten Entscheidungen informieren. Diese haben zudem ein explizites Recht, die Entscheidung anzufechten und einen menschlichen Eingriff zu verlangen. „Die Rechenschaftspflicht bleibt gewahrt, auch wenn die Technologie mehr Raum erhält“, erklärt eine Londoner Anwältin für Technologierecht. Unternehmen, die KI-Drittanbieter nutzen, müssen vertraglich sicherstellen, dass sie die Funktionsweise der Systeme im Zweifel erklären können.
Seit August 2024 gelten in der EU neue Pflichten für KI‑Systeme – von Risikoklassifizierung über Kennzeichnung bis zur umfassenden Dokumentation. Auch wenn Großbritannien jetzt einen anderen Weg geht, betrifft das viele Unternehmen mit EU‑Geschäft: Wer KI in Personalentscheidungen, Kreditprüfungen oder im Finanzbereich einsetzt, muss Risiken bewerten und Nachweise liefern. Der kostenlose Umsetzungsleitfaden erklärt kurz und praxisnah, welche Pflichten gelten und welche ersten Schritte sofort umzusetzen sind. KI‑Umsetzungsleitfaden jetzt herunterladen
Brexit-Effekt: Großbritannien setzt auf wirtschaftsfreundliche KI
Die Lockerung ist ein strategischer Schachzug. Die Regierung will das Land als globalen KI-Vorreiter positionieren und die heimische Wirtschaft stärken. Dazu passt sich der nationale Datenstandard, der UK GDPR, gezielt an. Der Fokus liegt auf der Förderung von Forschung und verantwortungsvoller Datennutzung.
Damit entfernt sich Großbritannien deutlich von der Europäischen Union. Während die EU mit ihrem KI-Gesetz auf ein risikobasiertes, strenges Regelwerk setzt, schafft London ein permissiveres Umfeld. Für Unternehmen mit Geschäften auf beiden Seiten des Kanals wird das zur Herausforderung. Sie müssen nun zwei unterschiedliche Regime parallel managen – eine komplexe Aufgabe für Compliance-Abteilungen und Rechtsberater.
Die Aufsicht: ICO muss Balance finden
In der Pflicht ist nun die Datenschutzbehörde Information Commissioner’s Office (ICO). Sie muss die neuen Regeln durchsetzen und wird in Kürze ausführliche Leitlinien veröffentlichen. Die Behörde hat bereits signalisiert, besonders auf Anwendungen mit hohem Schadenspotenzial zu achten, etwa in der Personalrekrutierung oder Strafverfolgung.
Rechtsexperten rechnen mit einer Zunahme von Klagen, vor allem im Arbeits- und Finanzrecht. Betroffene werden ihre neuen Rechte wahrscheinlich testen. Die ICO wird ihre Governance-Struktur reformieren, um schlagkräftiger zu werden. Bis Juni 2026 sollen alle Teile des neuen Gesetzes vollständig umgesetzt sein.
Für britische Unternehmen beginnt nun eine Phase der Anpassung. Sie müssen ihre Datenverarbeitung, Datenschutzerklärungen und internen Richtlinien überprüfen und Systeme für die neuen Betroffenenrechte einrichten. Der Erfolg dieses liberaleren Modells wird international genau beobachtet. Kann mehr Freiheit tatsächlich zu verantwortungsvoller Innovation führen? Die Praxis wird es zeigen.
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