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Google Family Link: Eltern müssen jetzt Teenager-Konten freigeben

14.01.2026 - 22:52:12

Google verlangt nun weltweit die ausdrückliche Zustimmung von Erziehungsberechtigten, bevor Jugendliche ihre überwachten Accounts in unüberwachte Profile umwandeln können.

Google schaltet bei der digitalen Mündigkeit von Teenagern einen Gang zurück. Der Tech-Riese verlangt ab sofort weltweit die ausdrückliche Zustimmung der Eltern, bevor Jugendliche ihre überwachten Konten in standardmäßige, unüberwachte Accounts umwandeln können. Diese Kehrtwende folgt auf massive Kritik von Familien und Kinderschützern, die das alte System als Aushöhlung der elterlichen Aufsicht brandmarkten.

Vom automatischen zum gemeinsamen Übergang

Bisher lud Google Jugendliche per E-Mail zu ihrem 13. Geburtstag ein, die Aufsicht via Family Link eigenständig zu beenden – ganz ohne elterliches Einverständnis. Diese Praxis sorgte für Empörung, nachdem entsprechende E-Mails an Kinder viral gingen. Künftig müssen Heranwachsende, die in ihrem Land das digitale Mindestalter (oft 13 Jahre) erreichen, aktiv die Erlaubnis eines Erziehungsberechtigten einholen. Erst dann fallen die digitalen Leitplanken.

Das ist ein fundamentaler Philosophiewechsel. Statt automatischer Unabhängigkeit zum Stichtag setzt Google nun auf einen bewussten Entscheidungsprozess in der Familie. „Die digitale Reife fällt nicht immer mit einem gesetzlichen Geburtstag zusammen“, kommentiert eine Branchenexpertin. Eltern behalten so länger die Kontrolle über zentrale Sicherheitseinstellungen: Sie können Bildschirmzeiten begrenzen, App-Downloads freigeben oder blockieren und im Notfall den Standort des Kindes abrufen.

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Reaktion auf Sicherheitsbedenken und regulatorischen Druck

Der Schritt ist eine direkte Antwort auf wachsende Cybersicherheits-Sorgen. Ohne Aufsicht erhalten Teenager vollen Zugang zu Diensten wie Google Wallet und Google Pay und sind potenziell größeren Risiken ausgesetzt – von Cybermobbing über unangemessene Inhalte bis hin zu finanziellen Fallstricken. Die bisherige, rein gesetzeskonforme Logik (etwa nach US-COPPA) ignorierte aus Sicht der Kritiker diese Realität.

Google balanciert damit geschickt rechtliche Vorgaben und Familienbedürfnisse aus. Das Unternehmen reagiert auch auf einen klaren Branchentrend: Mehr Plattformen rüsten derzeit ihre Jugend-Schutzmaßnahmen auf. Googles eigene Videoplattform YouTube führte kürzlich verfeinerte Elternkontrollen ein, etwa spezielle Zeitlimits für Kurzvideos. Parallel entwickelt der Konzern KI-gestützte Alterserkennungssysteme, die Schutz-Einstellungen automatisch anwenden, selbst wenn das angegebene Alter falsch ist.

Ein neuer Standard für die Branche?

Diese Policy-Änderung könnte wegweisend sein. Sie verschiebt den Standard von der stillschweigenden Entmachtung der Eltern hin zu einem begleiteten Übergang in die digitale Selbstständigkeit. In einer Zeit wachsenden regulatorischen Drucks und steigender elterlicher Erwartungen setzt Google damit eine Marke. Andere Anbieter dürften nun ihre eigenen „Account-Abschluss“-Prozesse überprüfen müssen. Die Botschaft ist klar: Online-Sicherheit für Jugendliche ist kein einmaliger Meilenstein, sondern ein fortlaufender Dialog.

@ boerse-global.de