Gefahrstoff-Grenzwerte, Betriebe

Gefahrstoff-Grenzwerte: Deutsche Betriebe vor drastischer Verschärfung

09.02.2026 - 06:33:12

Deutsche Industrie muss bis April 2026 Gefährdungsbeurteilungen anpassen, da die EU die Grenzwerte für Blei drastisch senkt und erstmals Obergrenzen für Diisocyanate einführt.

Die Uhr tickt für Deutschlands Industrie: Neue EU-Grenzwerte für Blei und Diisocyanate zwingen zu sofortigen Schutzmaßnahmen. Bis zum 9. April 2026 müssen Betriebe ihre Gefährdungsbeurteilungen grundlegend überarbeiten. Die EU-Richtlinie 2024/869 stellt den größten Schritt im europäischen Arbeitsschutz seit Jahrzehnten dar und betrifft Millionen von Beschäftigten.

Blei-Grenzwerte werden um 80 Prozent gesenkt

Die Neuregelung bringt eine dramatische Verschärfung für Blei und seine Verbindungen. Der Luftgrenzwert am Arbeitsplatz sinkt von 0,15 auf 0,03 Milligramm pro Kubikmeter – eine Reduktion um 80 Prozent. Besonders betroffen sind Branchen wie Batterieherstellung, Recycling oder Denkmalpflege.

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Noch weitreichender ist die Senkung des biologischen Grenzwerts im Blut der Mitarbeiter. Bis Ende 2028 gilt ein Übergangswert von 30 Mikrogramm pro 100 Milliliter Blut. Ab 2029 wird dieser Wert auf 15 Mikrogramm halbiert. Hintergrund sind die schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen: Blei kann die Fruchtbarkeit schädigen und die Entwicklung ungeborener Kinder beeinträchtigen.

Erstmals verbindliche Grenzwerte für Diisocyanate

Während Blei-Grenzwerte verschärft werden, führt die EU erstmals verbindliche Obergrenzen für Diisocyanate ein. Diese Grundchemikalien für Polyurethan-Produkte wie Schäume, Lacke und Kleber sind allgegenwärtig – vom Baugewerbe über die Automobilindustrie bis zur Möbelherstellung.

Schätzungsweise vier Millionen EU-Beschäftigte sind diesen Stoffen ausgesetzt. Die Folgen können schwerwiegend sein: von Asthma bis zu allergischen Hautreaktionen. Die neuen Luftgrenzwerte ergänzen die seit 2023 geltende Schulungspflicht und schaffen eine messbare Sicherheitsebene.

Deutsche Betriebe stehen vor umfangreichen Pflichten

Deutschland muss die EU-Vorgaben bis April 2026 in nationales Recht umsetzen. Konkret bedeutet das Änderungen in der Gefahrstoffverordnung und den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS). Die TRGS 900 für Arbeitsplatzgrenzwerte und TRGS 430 für Isocyanate werden aktualisiert.

Für die betriebliche Praxis entsteht eine Kaskade an Aufgaben:
* Gefährdungsbeurteilungen müssen umgehend überprüft werden
* Bisherige Schutzmaßnahmen reichen oft nicht mehr aus
* Das STOP-Prinzip (Substitution, Technik, Organisation, PSA) ist neu zu bewerten
* Investitionen in Absauganlagen oder bessere Schutzausrüstung werden nötig
* Dokumentation und Mitarbeiterunterweisung sind anzupassen

Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen vor organisatorischen und finanziellen Herausforderungen. Die Umrüstung von Anlagen und der erhöhte Messaufwand erfordern Investitionen und spezifisches Know-how.

Meilenstein mit Hürden: Harmonisierung versus Umsetzbarkeit

Arbeitsschutzexperten begrüßen die Neuregelung als längst überfällige Anpassung an den wissenschaftlichen Stand. Die EU reagiert damit auf unzureichenden Schutz für schätzungsweise 150.000 Blei-exponierte und 4,2 Millionen Diisocyanat-exponierte Arbeitnehmer.

Doch die scharfen Grenzwerte stellen die praktische Umsetzbarkeit auf die Probe. Branchenverbände mahnen: Die Verfügbarkeit von Fachpersonal für Arbeitsplatzmessungen und arbeitsmedizinische Vorsorge muss sichergestellt werden, um Betriebe nicht alleinzulassen.

Proaktives Handeln wird zur Pflicht

Mit dem Stichtag im April 2026 steigt der Druck kontinuierlich. Nachlässigkeit gefährdet nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten, sondern kann zu rechtlichen Konsequenzen führen. Die Überwachung wird verschärft: Ein für 2027 geplantes EU-weites REACH-Durchsetzungsprojekt (REF-15) legt einen Schwerpunkt auf Diisocyanate.

Unternehmen sollten die verbleibende Zeit nutzen, um ihre Prozesse proaktiv anzupassen. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie sie die neuen Anforderungen umsetzen – und ob sie dabei ausreichend Unterstützung erhalten.

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