Ganztagsanspruch: Jugendarbeit soll Ferienlücken füllen
29.01.2026 - 09:55:12Ab August haben Grundschulkinder einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung – auch in den Ferien. Der Bundestag sucht nach Lösungen, doch Experten warnen vor großen Hürden.
Berlin – Die Uhr tickt: In nur sechs Monaten tritt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder in Kraft. Ein neues Gesetz soll nun Angebote der offenen Jugendarbeit in Ferienzeiten anerkennen. Doch Kommunen und Verbände sehen massive Probleme bei der Umsetzung.
Ferienbetreuung wird zur Mammutaufgabe
Ab dem 1. August 2026 haben alle Erstklässler einen Anspruch auf acht Stunden Betreuung täglich – an fünf Tagen die Woche und auch in den Schulferien. Bis 2029 wird dieser Anspruch auf alle Grundschuljahrgänge ausgeweitet. Wo aber sollen die Kinder in den langen Sommerferien betreut werden?
Die Antwort der Bundesregierung: Die bestehende offene Kinder- und Jugendarbeit soll einspringen. Ein entsprechender Gesetzentwurf will Feriencamps, Jugendzentren und Freizeitprogramme als erfüllende Angebote anerkennen. So könnten Kommunen auf vorhandene Strukturen zurückgreifen, statt völlig neue Betreuungsorte zu schaffen.
Passend zum Thema für berufstätige Eltern: Die neue Rechtslage erhöht den Bedarf an verlässlicher Betreuung – und belastet zugleich Familie und Job. Ein kostenloses E‑Book „Work‑Life‑Balance: Stressfrei produktiv“ zeigt konkrete Sofortmaßnahmen, wie Sie Arbeit, Betreuung und Freizeit neu organisieren, Prioritäten setzen und trotz vollem Terminkalender mehr Zeit für die Familie gewinnen. Ideal für Eltern, die Planungssicherheit brauchen. Jetzt kostenlosen Work-Life-Guide sichern
Jugendarbeit fürchtet Instrumentalisierung
Doch genau diese Einbindung stößt auf Kritik. „Die offene Jugendarbeit droht instrumentalisiert zu werden“, warnt Volker Rohde vom Bundesverband für offene Kinder- und Jugendarbeit (BAG OKJA). Sein Vorwurf: Die freiwilligen, pädagogischen Angebote würden zu Lückenfüllern für Sechs- bis Elfjährige degradiert. Ressourcen für die eigentlich wichtige Arbeit mit Jugendlichen ab zwölf Jahren könnten so verloren gehen.
Unterstützung kommt dagegen von den Wohlfahrtsverbänden. Judith Adamczyk vom AWO-Bundesverband begrüßt die Initiative grundsätzlich. Sie betont: „Das kann Bildungs- und Teilhabechancen stärken.“ Voraussetzung sei, dass die Angebote inklusiv und an den Bedürfnissen der Kinder orientiert blieben.
Kommunen am Limit
Die drängendsten Warnungen kommen von den Kommunen selbst. Marc Elxnat vom Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) verweist auf den akuten Fachkräftemangel und leere Kassen. „Die zeitgerechte Erfüllung des Rechtsanspruchs ist gefährdet“, sagt er deutlich. Umfragen unter Schulleitungen zeigten, dass ein großer Teil der nötigen Infrastruktur nicht rechtzeitig fertig werde. Manche Kommunen fordern bereits eine Verschiebung des Stichtags.
Ein weiteres Problem: Sportvereine. Diese sind zwar wichtige Anbieter von Feriencamps, gelten aber nicht automatisch als Träger der Jugendhilfe. „Beliebte Sportcamps könnten somit nicht auf den Betreuungsanspruch angerechnet werden“, erklärt Professor Ivo Züchner von der Universität Marburg. Die Länder müssten hierfür eigene bürokratische Lösungen finden.
Wettlauf gegen die Zeit
Das Bundesgesetz bildet nur den Rahmen. Den Ländern obliegt es, konkrete Ausführungsgesetze zu verabschieden und Finanzierungsmodelle zu entwickeln. „Der Erfolg der Ferienbetreuung hängt ganz davon ab, wie die Länder und Kommunen die Kooperation vor Ort gestalten“, mahnt Professorin Sybille Stöbe-Blossey von der Universität Duisburg-Essen.
Die nächsten Wochen werden entscheidend sein. Ein „Gesetz auf dem Papier“ reicht nicht aus – ohne zusätzliche Mittel und klare Verwaltungsvorgaben droht der Rechtsanspruch für viele Familien im ersten Feriensommer ins Leere zu laufen. Die Politik steht unter Druck, nicht nur die Regelung zu beschließen, sondern auch ihre praktische Umsetzung zu ermöglichen.
PS: Die Ferienbetreuung stellt viele Familien plötzlich vor logistische Herausforderungen. Wenn Sie Ihren Alltag neu strukturieren und Ferienzeiten effizient planen müssen, hilft ein praxisnahes Zeitmanagement‑E‑Book mit 7 Methoden (ALPEN, Pomodoro, Eisenhower). Es zeigt, wie Sie Ferienwochen, Arbeitszeiten und Freizeit so koordinieren, dass weniger Stress entsteht und Termine nicht mehr zur Dauerbelastung werden. Jetzt kostenloses Zeitmanagement-Themenheft herunterladen


