Funklöcher, Deutschlands

Funklöcher: Deutschlands Netzausbau gerät ins Stocken

30.01.2026 - 13:16:12

Der Ausbau von Mobilfunknetzen in ländlichen Regionen hat sich nahezu halbiert. Für die meisten verbleibenden Funklöcher gibt es keine konkreten Pläne, was die digitalen Ziele der Regierung gefährdet.

Der Kampf gegen Funklöcher auf dem Land verliert dramatisch an Tempo. Neue Daten zeigen: Der Netzausbau in ländlichen Regionen hat sich fast halbiert – eine Gefahr für die digitalen Ziele der Bundesregierung.

Ausbau fast halbiert – 85 Prozent der Lücken ohne Plan

Die Bilanz ist ernüchternd. Eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox, basierend auf Daten der Bundesnetzagentur, belegt einen deutlichen Rückschlag. Die Geschwindigkeit, mit der weiße Flecken auf der Mobilfunk-Landkarte geschlossen werden, ist im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert. Noch immer gelten 13,3 Prozent der Fläche Deutschlands als „unterversorgt“. Das bedeutet: Dort gibt es nur veraltetes 2G oder maximal einen 4G/5G-Anbieter.

Besonders alarmierend: Für 85 Prozent dieser verbliebenen Funklöcher – eine Fläche von über 5.800 Quadratkilometern – existieren keine konkreten Ausbaupläne für die nächsten zwölf Monate. Tausende ländliche Gemeinden sitzen damit im digitalen Wartesaal. Die „low-hanging fruits“ des Netzausbaus scheinen gepflückt. Die verbleibenden Lücken liegen in topografisch schwierigen oder wirtschaftlich unattraktiven Gebieten, wo die Infrastrukturkosten explodieren.

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Nord-Süd-Gefälle: Hessen Schlusslicht, Schleswig-Holstein vorbildlich

Die Daten offenbaren ein neues, regionales Gefälle. Anders als vermutet verläuft die digitale Kluft nicht zwischen Ost und West, sondern zwischen Nord und Süd.

Hessen ist das Schlusslicht im Bundesländer-Ranking. Ganze 19,7 Prozent der Landesfläche sind unterversorgt. Das bergige und waldreiche Terrain erschwert den Mobilfunkausbau zwar, doch der Umfang des Defizits stößt bei Verbraucherschützern auf scharfe Kritik.

Musterschüler ist dagegen Schleswig-Holstein. Der Nordstaat kommt auf eine Unterversorgungsquote von nur 3,6 Prozent. Die flache Topographie hilft, doch Experten führen den Erfolg auch auf effiziente Genehmigungsverfahren für neue Masten zurück. Die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen genießen weiterhin nahezu flächendeckenden Empfang.

Netzbetreiber kündigen Offensive an – trotz Flaute

Trotz der düsteren Gesamtbilanz starten die großen Netzbetreiber mit ambitionierten Ankündigungen ins Jahr 2026. Sie wollen das Narrativ der Stagnation durchbrechen.

Vodafone Germany hat am 23. Januar sein „Netzausbauprogramm 2026“ gestartet. Der Düsseldorfer Konzern plant rund 10,600 Infrastrukturprojekte, darunter neue Sendemasten und 5G‑Upgrades. Bis Jahresende will Vodafone 96 Prozent der Bevölkerung mit 5G versorgen. Zwischen 2028 und 2030 soll zudem das alte 2G‑Netz abgeschaltet werden, um Frequenzen für modernere Dienste freizumachen.

Auch O2 Telefónica treibt den ländlichen Ausbau voran. Der Anbieter verweist auf Projekte in Gemeinden wie Grafrath (Bayern) oder Banzkow (Mecklenburg‑Vorpommern). Der vierte Mitbewerber, 1&1, baut derweil sein Open‑RAN‑Netz weiter aus. Nach Erreichen der ersten Ausbauvorgabe von 25 Prozent Haushaltsabdeckung bis Ende 2025 steht nun die Verdichtung des Netzes an – eine Herkulesaufgabe ohne den jahrzehntelangen Vorsprung der etablierten Rivalen.

Politik unter Druck: Streit um Frequenzen und Förderung

Der Ausbaurückschlag kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Bundesnetzagentur unter Präsident Klaus Müller muss entscheiden, wie es mit den Mobilfunkfrequenzen weitergeht. Steht eine Verlängerung der Nutzungsrechte an oder eine neue Versteigerung?

Die etablierten Betreiber plädieren für eine „Dienstleistungsgegenfrequenz“-Lösung: Längere Lizenzen im Tausch gegen verbindliche Zusagen, ländliche Funklöcher zu schließen. Eine teure Auktion, so das Argument, binde Kapital, das besser in Masten investiert wäre.

Doch die neuen Daten schwächen diese Position. Kritiker mahnen: Ohne strenge, sanktionsbewehrte Auflagen wird die „letzte Meile“ auf dem Land nie erreicht. Die Einstufung der meisten Lücken als langfristige „Defizite“ zeigt, dass der Markt allein hier versagt. Oppositionspolitiker und Landverbände fordern deshalb verstärkt staatliche Interventionen oder einen „Gigabit‑Fonds“ für wirtschaftlich unattraktive Standorte.

2G-Abschaltung: Droht ein neuer Funkloch-Kollaps?

Die nahende Abschaltung der 2G‑Netze verleiht der Debatte zusätzliche Dringlichkeit. Millionen Altgeräte – von Alarmanlagen bis zu Industrie‑Modulen – hängen noch am 2G‑Netz. Wird die 4G/5G‑Abdeckung nicht flächendeckend ausgebaut, bevor das 2G‑Sicherheitsnetz fällt, drohen neue, funktionale Funklöcher für kritische Infrastrukturen.

Die Botschaft der Daten ist eindeutig: Die einfachen Aufgaben sind erledigt. Die letzte Etappe des digitalen Marathons wird zur steilsten. Ohne neuen Schwung oder politische Weichenstellungen könnten tausende Bürger auf dem Land noch bis weit in die zweite Hälfte des Jahrzehnts abgehängt bleiben.

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