Forstarbeit: Digitale Bürokratie, tödliche Realität
07.02.2026 - 12:52:12Während Verwaltungsvorgänge digital vereinfacht wurden, bleibt die Arbeit mit der Motorsäge eine der gefährlichsten Tätigkeiten in Deutschland. Neue Unfallzahlen unterstreichen die Notwendigkeit strikter Sicherheitsstandards.
Die Forst- und Landschaftsbau-Branche steht vor einem paradoxen Zustand. Seit dem Bürokratieentlastungsgesetz IV (BEG IV) vom 1. Januar 2025 sind digitale Verträge in „Textform“ möglich. Doch für die Sicherheit am Baum gibt es keinen digitalen Shortcut. Experten mahnen eindringlich: Die physischen Gefahren der Motorsägenarbeit verlangen nach wie vor höchste Sorgfalt.
Der Irrtum mit der „Textform“: Sicherheitsunterweisungen bleiben streng
Ein verbreitetes Missverständnis hält sich hartnäckig. Die Erleichterung bei Arbeitsverträgen gilt nicht für Sicherheitsunterweisungen bei Hochrisiko-Tätigkeiten. Vorschläge, die Dokumentationspflichten abzuschwächen oder die Schwelle für die Bestellung von Sicherheitsbeauftragten anzuheben, scheiterten am Widerstand der Fachleute.
Viele Gefährdungsbeurteilungen erfüllen nicht die Anforderungen für Motorsägenarbeiten – und genau das zeigen die aktuellen Unfalldaten. Kostenlose Vorlagen erklären, welche Gefahren vor Ort täglich neu bewertet werden müssen, liefern praxisnahe Checklisten für Fällvorgänge und helfen, die Anforderungen der DGUV Regel 114‑018 rechtskonform umzusetzen. Ideal für Arbeitgeber, Sicherheitsbeauftragte und Sifas, die Bußgelder und Unfälle vermeiden wollen. Jetzt kostenlose Gefährdungsbeurteilung‑Vorlagen & Checklisten herunterladen
Die Gefährdungsbeurteilung für Motorsägenarbeit erfordert mehr als ein digitales Ankreuzfeld. Die praktische Unterweisung – der Nachweis, dass ein Mitarbeiter eine Säge sicher handhaben kann – muss nachweisbar sein. Der „Goldstandard“ bleibt ein dokumentierter, oft unterschriebener Nachweis der praktischen Einweisung.
Unfallstatistik 2024: Eine düstere Mahnung
Die Dringlichkeit strikter Einhaltung der Vorschriften wird durch die aktuellen Unfalldaten der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) unterstrichen. Die Analyse für das Gesamtjahr 2024 zeigt: Die Forstarbeit ist trotz technologischen Fortschritts nicht signifikant sicherer geworden.
Zwar sank die Gesamtzahl der tödlichen Unfälle in allen grünen Berufen auf knapp unter 100. Doch der Forstsektor bleibt ein kritischer Brennpunkt. Die Daten zeigen: Forstarbeiten waren 2024 für 35 tödliche Unfälle verantwortlich. Die Gesamtzahl der meldepflichtigen Unfälle in der Forstwirtschaft stieg sogar um etwa 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Sicherheitsingenieure betonen, dass Schadholz, insbesondere dürregeschädigte Buchen, eine Hauptgefahrenquelle bleibt. Die Unberechenbarkeit von Totholz in den Baumkronen macht die standardmäßige Gefährdungsbeurteilung wertlos, wenn sie nicht täglich vor Ort aktualisiert wird.
Compliance-Checkliste 2026: DGUV- und VSG-Standards
Für Unternehmen mit Motorsägenführern – ob in der gewerblichen Forstwirtschaft, im kommunalen Landschaftsbau oder im Baugewerbe – gelten 2026 bewährte Rahmenwerke, die Deregulierungsversuche überstanden haben.
1. Das Regelwerk: DGUV Regel 114-018
Die DGUV Regel 114-018 der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung bleibt das zentrale Dokument. Sie schreibt vor, dass jeder Fällvorgang von einer spezifischen Gefährdungsbeurteilung begleitet sein muss. Diese muss berücksichtigen:
* Wetterbedingungen: Windgeschwindigkeit und Sichtverhältnisse.
* Baummerkmale: Neigung, Fäulnis und Kronentotholz.
* Gelände: Hanglage und Fluchtwege.
2. Qualifikationsnachweise (Der „Motorsägenschein“)
Bloße Erfahrung ist vor Gericht kein ausreichender Schutz mehr. Versicherer verlangen den Nachweis der Qualifikation gemäß DGUV Information 214-059. Diese umfasst:
* Modul A: Grundlagen der Motorsägenarbeit.
* Modul B: Baumfällung und Gefahrenholz.
Unternehmen sollten die Zertifikate ihrer Belegschaft prüfen, um sicherzustellen, dass sie den Anforderungen für die bearbeitete Holzgröße und -komplexität genügen.
3. PSA und Ausrüstungsstandards
Die Standards für Persönliche Schutzausrüstung (PSA) sind nicht verhandelbar. Schnittschutzhosen müssen den aktuellen EN ISO 11393-Normen entsprechen. Sicherheitsbeauftragte weisen darauf hin, dass PSA ein Verfallsdatum hat: Hosen, die 2024 häufig im Einsatz waren, könnten aufgrund von Wäsche und Harzkontamination Anfang 2026 bereits geschwächte Schutzfasern aufweisen.
Wirtschaftliche Folgen: Angepasste Entschädigungssätze
Neben der Sicherheit gibt es auch finanzielle Aspekte. Seit dem 1. Juli 2025 wurden die Motorsägenentschädigungen für Beschäftigte, die im staatlichen Forst ihre eigene Ausrüstung stellen, erhöht.
Für Unternehmen dienen diese angepassten Sätze als Richtwert für die Kalkulation der Betriebskosten. Sie spiegeln die steigenden Kosten für professionelle Ausrüstung und umweltfreundliche Kraftstoffe (Alkylatbenzin) wider, die in zertifizierten Wäldern vorgeschrieben sind.
Ausblick: Digitale Unterstützung, kein Ersatz
Für das Jahr 2026 erwartet die Branche einen Schub an digitalen Tools, die den Gefährdungsbeurteilungs-Prozess unterstützen, wie Apps zur Dokumentation von Vor-Ort-Checks. Aufsichtsbehörden haben jedoch signalisiert, dass sie diese digitalen Aufzeichnungen genau prüfen werden.
Der Konsens der Sicherheitsexperten ist klar: Die „Bürokratieentlastung“ des vergangenen Jahres war eine administrative Bereinigung, keine Sicherheitsderegulierung. Für den Arbeiter mit der Säge gelten die Gesetze der Physik und die Anforderungen der VSG 4.2 (UVV Forsten) unverändert streng. Arbeitgeber, die die digitale Verwaltung mit einer Lockerung der Sicherheitsprotokolle verwechseln, riskieren nicht nur hohe Geldstrafen, sondern, wie die Statistik tragisch zeigt, Menschenleben.
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