Exporteure, Stresstest

Exporteure im Stresstest: Neue Regeln zwingen zum Umdenken

29.01.2026 - 21:51:11

Deutsche Unternehmen stehen vor einer Welle verschärfter Exportkontrollen und geopolitischer Handelsrisiken. Drei aktuelle Entwicklungen erhöhen den Druck fundamental.

Berlin. Die Ära des reibungslosen Welthandels ist vorbei. Geopolitische Spannungen und die Bildung neuer Machtblöcke zwingen exportstarke deutsche Firmen, ihre Strategien komplett zu überdenken. Diese Woche verdichteten sich die Signale: Neue EU-Sanktionen, verschärfte nationale Regeln und Vorstöße zu einem „Europa der zwei Geschwindigkeiten“ markieren einen Wendepunkt. Politische Loyalität wird zum entscheidenden Faktor für wirtschaftlichen Erfolg.

Den Druck auf die deutsche Hightech-Industrie erhöht eine Klarstellung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) vom vergangenen Dienstag. Das Amt erläutert die Folgen einer EU-Verordnungsänderung vom November 2025. Kritische Güter aus den Bereichen Quantencomputing und Halbleiter wurden von der nationalen Liste in die EU-weite Dual-Use-Verordnung überführt.

Die Konsequenz? Nationale Erleichterungen entfallen. Die bisherige Genehmigungsfreiheit für Waren unter 5.000 Euro gilt für diese Schlüsseltechnologien nicht mehr. Unternehmen müssen sich nun auf strengere, EU-harmonisierte Regeln einstellen. Der administrative Aufwand und das rechtliche Risiko steigen deutlich. Ein simpler Export wird so zur komplexen Compliance-Herausforderung.

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Geopolitik formiert Handelsblöcke neu

Parallel zu den bürokratischen Hürden verändert sich die geopolitische Landschaft grundlegend. Deutschland treibt laut einem Bericht vom Dienstag die Idee eines kerneuropäischen Führungszirkels voran. Eine Gruppe aus sechs Staaten, darunter Deutschland, Frankreich und Italien, soll in strategischen Fragen wie Wettbewerb und Resilienz schneller voranschreiten.

Dies signalisiert eine Abkehr vom Einstimmigkeitsprinzip hin zu machtpolitischen Allianzen. Gleichzeitig sucht die EU neue Partner, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Am selben Tag unterzeichnete Brüssel ein Freihandelsabkommen mit Indien. Es wird nicht nur als Wirtschaftschance, sondern auch als strategischer Schulterschluss mit der „größten Demokratie der Welt“ gewertet.

EU verschärft Sanktionsschraube gegen Iran

Die direkte Verknüpfung von Handel und Außenpolitik zeigte sich heute erneut. Die EU-Außenminister verabschiedeten neue Sanktionen gegen den Iran. Sie richten sich gegen rund 30 Organisationen und Personen und sind eine Reaktion auf Menschenrechtsverletzungen und Teherans Unterstützung für Russland.

Für Exporteure bedeutet jede neue Sanktionsrunde mehr Komplexität. Geschäftspartner und Transaktionen müssen kontinuierlich überprüft werden, um Verstöße zu vermeiden. Die Risiken sind konkret: Der Bundestag verschärfte erst Mitte Januar das deutsche Sanktionsstrafrecht. Die Straf- und Bußgeldrisiken für Unternehmen und ihre Manager steigen damit spürbar.

Ifo-Index stagniert – Unsicherheit bremst Konjunktur

Die Summe dieser Belastungen schlägt sich bereits in der Stimmung nieder. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stagnierte überraschend zum Wochenstart. Als Gründe nennt das Institut die Unsicherheit durch drohende US-Zölle und die globale politische Instabilität.

Rechtsexperten warnen bereits vor einer „Erosion der unternehmerischen Freiheit“. Die strenge Auslegung der Exportkontrollgesetze könne zur Existenzbedrohung werden. Die Zeiten, in denen Geschäftsentscheidungen rein nach ökonomischer Logik fielen, sind vorbei.

Anpassung wird zum Wettbewerbsvorteil

Die kommenden Monate werden entscheidend. Die für das zweite Quartal angekündigte Evaluierung der EU-Dual-Use-Verordnung könnte weitere Verschärfungen bringen. Zugleich treten 2026 neue Regeln wie der CO2-Grenzausgleich (CBAM) in Kraft.

Unternehmen müssen jetzt handeln. Investitionen in robuste Compliance-Systeme sind ebenso geboten wie die Diversifizierung von Lieferketten und die Neubewertung von Märkten. Geopolitische Risiken müssen fester Bestandteil der Geschäftsstrategie werden. In einer sich fragmentierenden Weltordnung wird die Fähigkeit zur schnellen Anpassung zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

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