EU schafft Zollfreigrenze für Importpakete ab
17.02.2026 - 00:09:12Die EU beendet die 150-Euro-Zollfreigrenze für Pakete aus Drittstaaten. Diese historische Entscheidung wird den internationalen Online-Handel grundlegend verändern und die Kosten für Verbraucher bei Bestellungen von Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress erhöhen. Ab Juli 2026 gilt eine Übergangsregelung, die 2028 in eine vollständige Gleichbehandlung aller Importe mündet. Ziel ist fairerer Wettbewerb für europäische Händler und Entlastung für überforderte Zollbehörden.
Die jahrzehntealte Praxis, Kleinsendungen unter 150 Euro zollfrei zu lassen, hat sich zum Problem entwickelt. In der globalisierten E-Commerce-Welt verzerrt sie den Wettbewerb massiv zuungunsten europäischer Unternehmen. Die EU korrigiert diesen Fehler nun – ein Paradigmenwechsel für den grenzüberschreitenden Handel.
Explodierende Paketflut zwingt zum Handeln
Der Hauptgrund für die Reform sind die dramatisch veränderten Warenströme. Seit 2022 hat sich die Menge der importierten Kleinsendungen in die EU fast jährlich verdoppelt. 2024 erreichte sie ein Volumen von rund 4,6 Milliarden Paketen. Über 90 Prozent davon kamen aus China.
Diese Flut überfordert die Zollverwaltungen der Mitgliedstaaten. Gleichzeitig entsteht ein unfaires Wettbewerbsumfeld: Während europäische Händler Mehrwertsteuer und Zölle zahlen, nutzen Anbieter aus Drittstaaten die Freigrenze für günstigere Preise. Handelsverbände klagen seit Jahren über diesen Druck auf den heimischen Handel.
Hinzu kommt systematischer Missbrauch. Hochwertige Bestellungen wurden oft in mehrere Sendungen unter 150 Euro aufgeteilt oder Warenwerte bewusst zu niedrig deklariert, um Zollzahlungen zu umgehen. Dieses Schlupfloch schließt die EU nun.
Zwei-Stufen-Plan: So läuft der Übergang
Da die vollständige Digitalisierung der Zollprozesse erst 2028 abgeschlossen sein wird, hat die EU eine Übergangslösung beschlossen. Der Zeitplan sieht zwei Phasen vor:
Phase 1 (ab 1. Juli 2026):
Für Pakete unter 150 Euro Wert, die direkt an EU-Verbraucher gehen, wird eine Pauschale von drei Euro fällig. Diese Abgabe kann pro Warenkategorie im Paket anfallen. Ein Paket mit Kleidung und Elektronik könnte also doppelt belastet werden. Diese Regelung gilt bis mindestens Mitte 2028.
Phase 2 (ab 2028):
Mit dem Start des EU Customs Data Hub fällt die Freigrenze ersatzlos. Ab dann gelten für alle Importe reguläre Zollsätze – unabhängig vom Warenwert. Die digitale Plattform soll traditionelle Zollanmeldungen für viele Sendungen überflüssig machen.
Ab Juli 2026 müssen viele Pakete korrekt verzollt werden – Fehler bei der Anmeldung führen zu teuren Verzögerungen. Der kostenlose Praxis-Guide „Zollanmeldung“ erklärt Feld für Feld, wie Sie Zollanmeldungen fehlerfrei ausfüllen, welche Angaben für IOSS oder reguläre Importe nötig sind und wie Sie Verzögerungen beim Zoll vermeiden. Unverzichtbar für Händler, Logistiker und alle, die Waren in die EU importieren. Jetzt kostenlosen Zoll-Anmelde-Guide herunterladen
Online-Handel vor fundamentaler Umstellung
Für Geschäftsmodelle wie Dropshipping bedeutet die Neuregelung eine Zäsur. Der direkte Versand günstiger Waren aus Asien an europäische Kunden verliert seinen entscheidenden Preisvorteil. Online-Händler müssen ihre Kalkulationen und Logistikstrategien komplett überdenken.
Die zusätzlichen Kosten werden in die Endpreise einfließen oder durch neue Strategien kompensiert werden müssen. Eine Möglichkeit: die Verlagerung der Lagerhaltung in die EU. Das könnte regionalen Logistikzentren neuen Aufschwung bringen.
Gleichzeitig wächst die Verantwortung großer Online-Marktplätze. Sie müssen künftig stärker sicherstellen, dass Zollpflichten eingehalten werden. Systeme wie der bereits für die Mehrwertsteuer genutzte Import One-Stop-Shop (IOSS) werden an Bedeutung gewinnen.
Historische Reform für fairen Wettbewerb
Die Abschaffung ist Teil der umfassendsten Reform der EU-Zollunion seit 1968. Das übergeordnete Ziel: ein digitalisierter, sicherer und fairer Binnenmarkt. Es geht nicht primär um zusätzliche Einnahmen, sondern um gleiche Spielregeln für alle Marktteilnehmer.
Wirtschaftsvertreter wie die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) begrüßen den Schritt als längst überfällig. Analysten sehen darin die logische Fortsetzung der Politik, die 2021 mit dem Wegfall der 22-Euro-Einfuhrumsatzsteuergrenze begann. Die Botschaft ist klar: Wer auf dem EU-Markt aktiv ist, unterliegt denselben Regeln.
Die Zukunft: Digitale Zollunion mit KI
Langfristig plant die EU eine vollständig digitalisierte Zollabwicklung. Der EU Customs Data Hub soll Zollbehörden Echtzeit-Einblick in Lieferketten geben und die Risikoanalyse durch künstliche Intelligenz unterstützen.
Besonders vertrauenswürdige Unternehmen („Trust & Check“-Status) profitieren von vereinfachten Verfahren. Ihre Waren könnten unter bestimmten Umständen ohne aktives Zoll-Eingreifen durchkommen.
Die Umstellung bedeutet zunächst Aufwand für viele Unternehmen. Mittel- bis langfristig verspricht sie jedoch effizientere, transparentere und sicherere Handelsprozesse. Die jetzt beschlossene Abschaffung der Zollfreigrenze ist der erste, für alle spürbare Schritt auf diesem Weg.
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