EU-Mercosur-Abkommen, Historischer

EU-Mercosur-Abkommen: Historischer Deal mit Folgen für den Handel

21.01.2026 - 06:12:12

Nach 25 Jahren Verhandlungen hat die EU mit den Mercosur-Staaten ein historisches Freihandelsabkommen unterzeichnet. Es schafft eine der größten Handelszonen der Welt und verändert die Spielregeln für Exporteure. Doch die Umsetzung stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen.

Der symbolträchtige Handschlag in Asunción beendete einen Verhandlungsmarathon, der 1999 begann. Anwesend waren die Spitzen der EU und der Mercosur-Staaten. Sie feierten das Abkommen als starkes Signal für regelbasierten Handel in unsicheren Zeiten. In einer Welt, die von Protektionismus geprägt ist, setzen beide Blöcke auf Kooperation.

Milliarden-Entlastung für Exporteure

Der Kern des Vertrags ist der schrittweise Abbau von über 90 Prozent der Zölle. Die EU-Kommission rechnet mit jährlichen Einsparungen von über vier Milliarden Euro für europäische Unternehmen. Große Gewinner sind exportstarke Branchen wie der Automobil- und Maschinenbau sowie die Chemie- und Pharmaindustrie. Im Gegenzug erhalten die südamerikanischen Staaten besseren Zugang zum EU-Markt für Agrarprodukte wie Rindfleisch und Zucker.

Die neue Hausaufgabe: Warenursprung

Für Unternehmen wird die Umsetzung der neuen Ursprungsregeln zur entscheidenden Aufgabe. Nur wer sie versteht, profitiert von den Zollvorteilen. Das Abkommen modernisiert die Nachweisführung. Künftig reicht eine einfache „Erklärung zum Ursprung“ auf der Rechnung aus. Für Sendungen über 6.000 Euro muss der Ausführer jedoch als „Registrierter Ausführer“ (REX) bei den Zollbehörden gelistet sein. Unternehmen sollten prüfen, ob sie diese Registrierung benötigen.

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Proteste der Landwirte und politische Hürden

Trotz der Unterzeichnung ist der Deal hochumstritten. Besonders Europas Landwirte laufen Sturm. Sie fürchten unfairen Wettbewerb durch Importe, die unter niedrigeren Standards produziert werden. Erst diese Woche protestierten Tausende Bauern in Straßburg. Auch auf politischer Ebene gibt es weiter Vorbehalte. Bevor der Handelsteil in Kraft tritt, muss noch das Europäische Parlament zustimmen. Eine erste wichtige Abstimmung dazu findet bereits an diesem Mittwoch statt.

Ein strategischer Pfeiler für die EU

Warum setzt die EU trotz aller Widerstände auf diesen Deal? Die Antwort liegt in der globalen Strategie. Angesichts der protektionistischen Politik von USA und China will Brüssel seine Handelsbeziehungen diversifizieren. Das Abkommen festigt die europäische Präsenz in Lateinamerika. Es ist ein Versuch, zu verhindern, dass sich die Region noch enger an China bindet. Der Vertrag balanciert die Interessen der Industrie mit denen der Landwirtschaft – eine schwierige Gratwanderung.

Der lange Weg zur vollständigen Ratifizierung

Mit der Unterschrift ist der Prozess noch lange nicht abgeschlossen. Sollte das Parlament grünes Licht geben, könnte der Handelsteil voraussichtlich Mitte bis Ende 2026 vorläufig starten. Das vollständige Partnerschaftsabkommen muss jedoch noch von allen nationalen Parlamenten der EU-Mitgliedstaaten ratifiziert werden. Dieser Prozess könnte sich über Jahre hinziehen. Für Unternehmen heißt das: Die Entwicklungen genau beobachten und die Lieferketten jetzt auf die neuen Regeln vorbereiten.

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