EU-Indien-Handelspakt, Bürokratie-Falle

EU-Indien-Handelspakt: Wirtschaft warnt vor Bürokratie-Falle

04.02.2026 - 22:22:12

Deutsche Wirtschaftsverbände fordern einfachere Ursprungsregeln im neuen EU-Indien-Handelsabkommen, damit Zollvorteile für Unternehmen nicht an Bürokratie scheitern.

Nach dem historischen Verhandlungsdurchbruch zwischen der EU und Indien mahnen deutsche Wirtschaftsverbände dringend zur Vorsicht. Sie fürchten, dass überkomplexe Ursprungsregeln die milliardenschweren Vorteile des Freihandelsabkommens zunichte machen könnten – besonders für den Mittelstand.

Komplexe Regeln drohen Zollvorteile zu ersticken

Während Politiker den Ende Januar erzielten Deal als Meilenstein feiern, schlagen Spitzenverbände Alarm. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) warnt in einer aktuellen Stellungnahme vor praxisfernen Vorschriften. Das Abkommen dürfe nicht an seiner eigenen Bürokratie scheitern.

Die Kritik zielt auf die sogenannten Ursprungsregeln. Sie bestimmen, ob ein Produkt für Zollerleichterungen qualifiziert ist. Sind diese Regeln zu kompliziert, übersteigt der administrative Aufwand schnell die Zolleinsparungen. Unternehmen müssten dann jeden einzelnen Bauteil-Herkunftsnachweis führen – ein Albtraum für kleine und mittlere Betriebe.

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„Der verbesserte Marktzugang darf nicht durch überbürokratische Ursprungsregeln konterkariert werden“, unterstützt auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) diese Position. Die Erfahrung mit anderen Handelsabkommen bestätigt die Bedenken: Oft verzichten Unternehmen lieber auf Präferenzzölle, als den bürokratischen Aufwand zu betreiben.

Milliardenmarkt mit gewaltigem Potenzial

Dabei wäre die Enttäuschung enorm. Das EU-Indien-Abkommen ist das größte seiner Art und würde einen Markt von fast zwei Milliarden Menschen erschließen. Indien plant, Zölle auf 96,6 Prozent der EU-Exporte zu senken oder ganz abzuschaffen.

Für deutsche Schlüsselbranchen wären die Effekte dramatisch:
* Automobilindustrie: Senkung der Importzöllen von bis zu 110 Prozent auf nur noch 10 Prozent
* Maschinenbau: Wegfall von Zöllen bis zu 44 Prozent
* Chemie- und Pharmabranche: Massive Zollreduktionen

Indien ist bereits heute ein bedeutender Partner für Deutschland, doch hohe Markteintrittsbarrieren bremsen das volle Potenzial aus. Ein funktionierendes Abkommen könnte hier den Durchbruch bringen – wenn die Umsetzung stimmt.

Lehren aus vergangenen Handelsabkommen

Die Skepsis der Wirtschaft gründet auf handfesten Erfahrungen. Eine Analyse der EU-Kommission zeigt: 2021 zahlten europäische Exporteure bei fast einem Drittel der berechtigten Waren die vollen WTO-Zölle – obwohl sie Anspruch auf Reduzierungen gehabt hätten.

Der Grund? Die Komplexität der Nachweispflichten. Während „Nullzölle“ in Schlagzeilen gut klingen, entscheidet die kleinteilige Ausgestaltung der Protokolle über den echten Nutzen. Der Teufel steckt im Detail, und dieser Detailaufwand schreckt besonders KMU ab.

Ratifizierung als letzte Chance für Korrekturen

Jetzt beginnt die entscheidende Phase: die Ratifizierung durch Europaparlament und nationale Parlamente. Für Wirtschaftsverbände ist dies die letzte Gelegenheit, auf praktikable Regelungen zu drängen.

Ihre Forderung ist eindeutig: Einfache, verständliche und digital anwendbare Ursprungsregeln. Nur so können die versprochenen Milliarden-Ersparnisse tatsächlich bei den Unternehmen ankommen.

Die Bundesregierung steht nun in der Pflicht. Sie wertet das Abkommen als strategischen Erfolg, muss aber die berechtigten Bedenken der Wirtschaft in Brüssel zur Geltung bringen. Die Balance zwischen missbrauchssicheren und mittelstandsfreundlichen Regeln wird über den wahren Erfolg des Deals entscheiden.

Kann der Bürokratie-Dschungel gelichtet werden? Die Antwort darauf wird zeigen, ob das historische Abkommen sein volles Potenzial als Wachstumsmotor entfalten kann – oder ob es in der Umsetzung stecken bleibt.

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