ePA nach einem Jahr: Digitaler Fortschritt oder praxisfernes Projekt?
08.02.2026 - 17:41:12Die elektronische Patientenakte ist für alle gesetzlich Versicherten Pflicht – doch Ärzte und Patienten kritisieren mangelnden Nutzen und Sicherheitsbedenken. Ein Jahr nach dem verpflichtenden Start zeigt sich ein gespaltenes Bild zwischen politischer Ambition und Alltagstauglichkeit.
Technische Hürden bremsen Akzeptanz in Praxen
Im medizinischen Alltag stößt die ePA weiterhin auf massive praktische Probleme. Jüngste Berichte aus Hessen belegen weit verbreitete Unzufriedenheit. Ärzte und Apotheker klagen über technische Ausfälle, umständliche Bedienung und eine nur schleppend vorankommende Befüllung der Akten.
Die Kritik gipfelt in einem fundamentalen Zweifel: Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen sieht in der aktuellen Form kaum einen erkennbaren Nutzen für die Patientenversorgung. Ein echter Mehrwert entstehe erst durch vollständige Daten – doch genau daran mangele es. Diese Praxis-Stimmen stehen im Kontrast zu den offiziellen Nutzungszahlen der Betreibergesellschaft gematik. Die Diskrepanz zeigt: Verfügbare Daten garantieren noch keine bessere Versorgung, solange die Handhabung als ineffizient wahrgenommen wird.
Viele Praxen und Patienten sorgen sich um die Sicherheit der ePA – IT‑Experten und der CCC haben bereits auf Schwachstellen hingewiesen. Damit sensible Gesundheitsdaten nicht zur Gefahr werden, sind praxisnahe Schutzmaßnahmen nötig. Ein kostenloses E‑Book erklärt aktuelle Cyber-Bedrohungen, liefert sofort umsetzbare Checklisten für Arztpraxen und Apotheken und zeigt kosteneffiziente Maßnahmen zur Absicherung von Systemen und Zugängen. Jetzt kostenlosen Cyber‑Security‑Guide herunterladen
Datenschutz bleibt größte Hürde für Patienten
Auf Seiten der Versicherten sind Sicherheitsbedenken das Haupthemmnis. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Bundesbeauftragten für den Datenschutz (BfDI) zeigt: Obwohl 95 Prozent der Gesetzlich Versicherten die ePA kennen, lehnen sieben Prozent ihre Einrichtung aktiv ab – primär aus Datenschutzgründen.
Bundesdatenschutzbeauftragte Prof. Dr. Louisa Specht-Riemenschneider betont: Nur das Schließen von Sicherheitslücken schaffe tiefes Vertrauen. Die Studie offenbarte zudem gravierende Wissenslücken. Vielen Patienten ist nicht bewusst, dass sie selbst Dokumente entfernen oder Arztzugriffe fein steuern können. Das Kernversprechen der informationellen Selbstbestimmung bleibt für viele abstrakt – hier besteht dringender Aufklärungsbedarf.
Sicherheitsarchitektur unter Dauerbeobachtung
Die technischen Grundlagen der ePA stehen unter ständiger Beobachtung von IT-Sicherheitsexperten. Der Chaos Computer Club (CCC) hatte wiederholt auf potenzielle Schwachstellen hingewiesen, die unberechtigte Zugriffe ermöglichen könnten.
Die gematik verweist dagegen auf umfassende Schutzmaßnahmen der Telematikinfrastruktur. Daten werden während des Transfers und im System durch komplexe Schlüssel verschlüsselt, auf die selbst Krankenkassen keinen Zugriff haben. Zugelassene Dateiformate sollen zudem die Übertragung von Schadsoftware verhindern. Doch reichen diese Maßnahmen, um das Vertrauen von Millionen Versicherten zu gewinnen?
Geplante Funktionen sollen 2026 Mehrwert bringen
Kann die ePA noch zur Erfolgsgeschichte werden? Für 2026 sind konkrete Verbesserungen geplant, die den praktischen Nutzen steigern sollen. Eine der wichtigsten Neuerungen ist die Volltextsuche, die Ärzten helfen soll, in umfangreichen Akten schneller relevante Informationen zu finden.
Ab Herbst 2026 sollen Versicherte zudem per Push-Benachrichtigung informiert werden, wenn neue Dokumente in ihrer Akte landen. Diese Funktion zielt auf mehr Transparenz und Patienten-Einbindung. Ob diese Updates die aktuelle Kritik entkräften können, wird sich zeigen müssen. Klar ist: Die Beseitigung technischer Hürden und ein kompromissloser Fokus auf Datensicherheit bleiben die Schlüsselaufgaben für eine akzeptierte digitale Gesundheitsakte.
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