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Digitaler Produktpass: Ab 2027 wird Daten-Compliance zur Verkaufsvoraussetzung

06.01.2026 - 00:24:12

Die neuen EU-Textilvorschriften setzen den Handel unter Druck: Wer seine Produktdaten nicht digital vorweisen kann, fliegt schon jetzt aus den Onlineshops.

BRUSSELS. Mit der Veröffentlichung des lang erwarteten Delegierten Rechtsakts für Textilien hat die EU-Kommission diese Woche die Startrampe für den Digitalen Produktpass (DPP) gezündet. Ab Juli 2027 müssen alle Textilien in der EU mit diesem digitalen Steckbrief ausgestattet sein. Doch für viele Marken droht die Gefahr viel früher: Große Handelsplattformen wie Zalando und Amazon machen die Daten-Compliance bereits jetzt zur Bedingung für eine Listung. Aus dem rechtlichen Risiko wird so ein unmittelbares „Listing-Risiko“.

Bislang betrachteten Hersteller die Ökodesign-Verordnung vor allem als bürokratische Hürde. Das hat sich mit den nun veröffentlichten technischen Standards grundlegend geändert. „Die Diskussion hat sich von der Vermeidung von Strafen auf die Sicherung von Umsätzen verlagert“, erklärt ein Supply-Chain-Analyst für den EU-Markt.

Die großen Plattformen warten nicht auf den Stichtag 2027. Sie integrieren die geforderten Datenfelder bereits jetzt in ihre Systeme. Kann ein Hersteller die erforderlichen Angaben – etwa zur Materialherkunft oder Recyclingfähigkeit – nicht über die vorgeschriebene Schnittstelle liefern, wird sein Produkt erst gar nicht ins Sortiment aufgenommen. Der Handel übernimmt so die Rolle des Türstehers und schiebt die Verantwortung für die Compliance auf die Marken ab.

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Textilien als erster Großtest: Was im Pass stehen muss

Die Textilbranche steht als erste mit hohem Umweltimpact im Fokus. Jedes Kleidungsstück muss künftig einen digital zugänglichen Datensatz besitzen, typischerweise abrufbar über einen QR-Code. Die neuen Vorgaben verlangen:

  • Detaillierte Materialzusammensetzung mit exakten Faseranteilen.
  • Lieferkettentransparenz bis hin zu den direkten Zulieferern (Tier 1 und 2).
  • Standardisierte Werte zur Haltbarkeit und Recyclingfähigkeit.
  • Erklärungen zu besonders besorgniserregenden Chemikalien (SVHC).

Für die global vernetzte Modeindustrie ist die Beschaffung dieser Daten eine Herkulesaufgabe. Vor allem mittelständische Marken mit komplexen, nicht digitalisierten Lieferketten stehen vor einer gewaltigen Lücke.

Plattformen als heimliche Regulierer: Der Gatekeeper-Effekt

Der Druck wird durch die Marktmacht der Online-Marktplätze verstärkt. Bereits Ende 2025 deuteten Aktualisierungen der Händlerrichtlinien – wie Zalandos V10-Update – die neuen Anforderungen an. Jetzt, mit dem offiziellen Rechtsakt in der Hand, können die Plattformen strikte Datenvorgaben durchsetzen.

Erste Berichte aus 2026 zeigen, dass einige Marktplätze bereits „DPP-ready“-Filter testen. Produkte mit vollständigem digitalem Steckbrief werden in den Suchergebnissen bevorzugt, datenarme Artikel rutschen ab oder werden blockiert. „Der Algorithmus interessiert sich nicht für Übergangsfristen“, so ein Digitalberater. „Ist das Feld für den Recyclinganteil pflichtig und bleibt leer, schlägt der Upload fehl. Das ist die neue Realität.“

Die technische Herausforderung: Vom Spreadsheet zum „Digitalen Zwilling“

Die größte Hürde für Unternehmen ist nicht das Sammeln, sondern das standardisierte Aufbereiten der Daten. Der DPP muss offenen Standards entsprechen, damit Verbraucher, Recycler und Behörden ihn gleichermaßen lesen können.

Das löst einen Run auf „DPP-as-a-Service“-Anbieter aus. Die Integration eindeutiger Produkt-IDs in bestehende ERP- und PLM-Systeme wird zur kritischen IT-Aufgabe im ersten Quartal 2026. Einfache Excel-Listen reichen für die geforderte Datenmenge und -komplexität nicht mehr aus.

Was kommt als Nächstes? Stahl und Batterien im Visier

Während der Fokus auf Textilien liegt, rollt die regulatorische Welle weiter. Für Eisen und Stahl wird der entsprechende Rechtsakt im April 2026 erwartet. Die Anforderungen für den Batteriepass treten bereits Anfang 2027 in Kraft.

Die Botschaft aus Brüssel an die Wirtschaft ist eindeutig: Eine solide Daten-Compliance ist kein optionales Nachhaltigkeits-Feature mehr, sondern eine betriebliche Grundvoraussetzung. Unternehmen, die ihre Produktpässe nicht digitalisieren, riskieren ihre Sichtbarkeit auf dem europäischen Markt. Nicht, weil der Staat sie verbietet, sondern weil die digitale Infrastruktur des Handels sie aussperrt.

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