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Digital Networks Act: EU will Telekom-Markt revolutionieren

20.01.2026 - 02:33:11

Die EU-Kommission will mit einem neuen Gesetz den Telekommunikationssektor in Europa umkrempeln. Der heute vorgestellte Entwurf für den Digital Networks Act (DNA) zielt darauf ab, den Flickenteppich aus 27 nationalen Märkten zu einem echten Binnenmarkt für Konnektivität zu verschmelzen. Das umfassende Regelwerk soll Investitionen in Glasfaser und 5G ankurbeln und Europas Wettbewerbsfähigkeit im globalen Digitalrennen stärken.

Ein Kernstück des Gesetzes ist eine radikale Änderung im Umgang mit Funkfrequenzen. Statt zeitlich befristeter Lizenzen, die in nationalen Auktionen versteigert werden, sollen Telekomunternehmen künftig unbefristete Nutzungsrechte erhalten. Die Kommission verspricht sich davon mehr Planungssicherheit für milliardenschwere Infrastrukturinvestitionen.

Doch die neue Regelung kommt mit strengen Auflagen: Wer die wertvollen Frequenzen nicht aktiv nutzt oder teilt, riskiert den Verlust der Lizenz. Diese „Use-it-or-share-it“-Klausel soll Spekulation und Hortung verhindern. Die geplante Zentralisierung der Frequenzpolitik dürfte jedoch auf Widerstand in den Hauptstädten stoppen – schließlich sind die Auktionen eine wichtige Einnahmequelle für die nationalen Haushalte.

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Keine Zwangsabgabe für Tech-Giganten

In einer strategischen Kehrtwende verzichtet der Entwurf auf eine direkte Finanzierungsbeteiligung großer Internetkonzerne. Die heiß diskutierte „Fair-Share“-Abgabe für Datenintensive Plattformen wie Netflix oder Google wurde vorerst beerdigt.

Stattdessen setzt die Kommission auf freiwillige Kooperation. Ein neuer Rahmen, moderiert durch die EU-Regulierungsbehörde BEREC, soll den Dialog zwischen Netzbetreibern und Content-Anbietern fördern. Ziel sind technische und kommerzielle Lösungen, ohne einen erbitterten Rechtsstreit mit Big Tech zu riskieren. Für Streitfälle ist ein freiwilliges Schlichtungsverfahren vorgesehen.

Countdown für das Kupferkabel-Ende

Der DNA legt einen verbindlichen Fahrplan für das Aus der alten Kupfernetze fest. Bis Ende 2035 sollen die traditionellen Telefonleitungen abgeschaltet werden – allerdings nur unter einer Bedingung: In der betreffenden Region muss eine Glasfaserabdeckung von mindestens 95% erreicht sein und es müssen bezahlbare Tarife für Verbraucher angeboten werden.

Nach diesem Stichtag wird der Umstieg verpflichtend, außer in wirtschaftlich nicht vertretbaren Ausnahmefällen. Um den Markteintritt zu erleichtern, führt der DNA zudem einen „Single Passport“ ein. Damit können Anbieter ihre Dienste künftig mit einer einzigen Meldung in der gesamten EU anbieten, anstatt 27 nationale Genehmigungen einzuholen. Die Kommission erhofft sich davon eine Halbierung des regulatorischen Aufwands.

Ein Gesetz als diplomatischer Balanceakt

Der vorgelegte Entwurf ist das Ergebnis eines langen Abstimmungsprozesses. Bereits 2024 skizzierte ein Weißbuch die ambitionierten Pläne der Kommission. Die jetzige Version wirkt jedoch abgemildert – eine Reaktion auf den Druck mehrerer Mitgliedstaaten.

Deutschland und Frankreich hatten Ende 2025 gemeinsam mit vier weiteren Ländern eindringlich vor zu viel Brüsseler Einmischung gewarnt und auf nationale Kompetenzen gepocht. Besonders beim sensiblen Thema Frequenzvergabe pochten die Hauptstädte auf ihre Hoheit.

Nun beginnt der eigentliche Verhandlungsmarathon zwischen Europaparlament und Mitgliedstaaten. Sie müssen einen Kompromiss finden zwischen dem Wunsch nach einem harmonisierten Binnenmarkt und dem Beharren der Nationalregierungen auf Kontrolle. Das Ergebnis wird entscheiden, ob Europa die weltklasse Infrastruktur aufbauen kann, die für seine digitale Zukunft nötig ist.

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