DGUV-Regel, Psychologen

DGUV-Regel 2: Psychologen und Naturwissenschaftler werden offiziell zu Sicherheitsfachkräften

02.01.2026 - 17:44:12

Seit Januar 2026 können Psychologen und Naturwissenschaftler offiziell zur Fachkraft für Arbeitssicherheit ausgebildet werden. Die Reform bekämpft den Fachkräftemangel und passt die Sicherheit an moderne Risiken an.

Ab sofort können Psychologen und Naturwissenschaftler in Deutschland offiziell zur Sicherheitsfachkraft ausgebildet werden. Die novellierte DGUV Vorschrift 2 ist seit dem 1. Januar 2026 in Kraft und beendet das jahrzehntelange Monopol von Ingenieuren, Technikern und Meistern. Dieser Paradigmenwechsel soll dem Fachkräftemangel begegnen und die betriebliche Sicherheit an die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt anpassen.

Breiter Zugang für neue Berufsgruppen

Die Änderung ist grundlegend. Bisher war der Weg zur Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) strikt auf technische Berufe beschränkt. Künftig öffnet sich das Feld für Absolventen der Psychologie (insbesondere Arbeits- und Organisationspsychologie), Humanmedizin, Sportwissenschaft (Ergonomie) sowie Naturwissenschaften wie Biologie, Chemie und Physik. Voraussetzung bleibt eine mindestens zweijährige Berufserfahrung, deren Definition nun aber modernisiert wurde.

Damit wird eine langjährige Diskussion beendet und vereinzelte Pilotprojekte auf eine klare rechtliche Grundlage gestellt. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) als Trägerin der Regelung reagiert damit auf einen tiefgreifenden Wandel der Risikolandschaft in deutschen Unternehmen.

Antwort auf psychische Belastung und Fachkräftemangel

Die Aufnahme neuer Disziplinen ist keine kosmetische Korrektur, sondern eine strategische Antwort. Die Arbeitswelt hat sich gewandelt: Neben klassischen mechanischen Gefahren dominieren heute psychische Belastungen und komplexe systemische Risiken die Statistiken zu Arbeitsunfähigkeit.

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Gerade die Zulassung von Arbeitspsychologen ist ein klares Signal. In Zeiten von Homeoffice, Digitalisierung und „New Work“ benötigen Unternehmen Expertise für die Bewertung von Stressfaktoren und Organisationskultur. Gleichzeitig adressiert die Öffnung für Naturwissenschaftler die wachsenden Risiken im Umgang mit Gefahrstoffen in Hochtechnologie-Branchen wie Pharmazie oder Biotechnologie.

Parallel bekämpft die Reform den akuten Fachkräftemangel. Viele erfahrene Sicherheitsingenieure der Babyboomer-Generation gehen in Rente. Indem der Berufsweg für einen breiteren akademischen Pool geöffnet wird, soll der Nachwuchs gesichert werden.

„Sifa 3.0“: Kompetenz statt reiner Technik

Die neuen Zugangsregeln harmonieren mit der bereits eingeführten „Sifa 3.0“-Ausbildung. Dieses verpflichtende Curriculum löst den stark technisch geprägten alten Lehrplan ab. Der Fokus liegt jetzt auf kompetenzorientiertem Lernen mit Schwerpunkten auf Beratungskompetenz, Change Management und Kommunikation – Felder, in denen Psychologen und Wissenschaftler oft Stärken haben.

Große Ausbildungsträger haben bereits angekündigt, Bewerbungen der neuen Berufsgruppen für Kurse im ersten Quartal 2026 anzunehmen. Die ersten zertifizierten „Sifas neuen Profils“ könnten somit bereits 2027/2028 in den Markt eintreten.

Kultureller Wandel für die Sicherheitsbranche

Die Reaktionen aus der Sicherheitscommunity sind überwiegend positiv, bedeuten aber einen kulturellen Wandel. Fachverbände wie der Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit (VDSI) befürworten seit langem „multiprofessionelle“ Sicherheitsteams.

Für Unternehmen ergeben sich konkrete Chancen:
* Personalrekrutierung: Die Suche nach Sicherheitsfachkräften kann sich auf neue Fakultäten ausweiten, besonders in Branchen wie Gesundheit, Forschung oder Verwaltung.
* Teamzusammensetzung: Große Konzerne dürften auf „hybride Sicherheitsteams“ setzen, die technisches Know-how mit verhaltenswissenschaftlichen Erkenntnissen kombinieren.
* Sicherheitskultur: Der Shift begünstigt einen Abschied von reiner „Checklisten-Sicherheit“ hin zu einer ganzheitlichen Sicherheitskultur.

Experten betonen jedoch: Die technische Grundausbildung bleibt unverzichtbar. Die „Sifa 3.0“-Weiterbildung soll die Lücke schließen und sicherstellen, dass ein Psychologe die Grundlagen des Maschinenschutzes versteht – genauso wie ein Ingenieur lernt, psychische Gefährdungen zu beurteilen.

Die ersten Monate des Jahres 2026 werden zur Testphase für die Ausbildungsträger. Sie müssen die neuen Berufsgruppen in gemeinsame Lernumgebungen integrieren. Das Profil der „Sifa 2030“ wird sich nachhaltig verändern: weg vom reinen Technikexperten, hin zur interdisziplinären Kompetenz.

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