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DGE setzt neuen Standard: 75 Prozent pflanzliche Ernährung

15.01.2026 - 09:22:15

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine Kost mit mindestens 75 Prozent pflanzlichen Anteilen. Diese Richtlinie soll Gesundheit und Klima schützen und verändert Speisepläne in Kantinen und Haushalten.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) definiert mit einer klaren 75-25-Regel den aktuellen Goldstandard für gesunde und nachhaltige Kost. Diese pflanzenbetonte Ausrichtung prägt die Debatte und verändert Speisepläne in Kantinen und Privathaushalten.

Pflanzenpower statt Fleischlast

Das Fundament der neuen Empfehlungen bildet eine einfache Formel: Mindestens 75 Prozent der Ernährung soll pflanzlich sein, maximal 25 Prozent tierisch. Damit vollzieht die DGE eine deutliche Abkehr von früheren, fleischlastigeren Modellen. Experten sehen in diesem Schritt den Schlüssel, um Volksgesundheit und Klimaziele gleichermaßen zu fördern.

Im Zentrum stehen nun Obst, Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen. Studien zeigen, dass ein hoher pflanzlicher Anteil das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten senken kann. Gleichzeitig schont diese Ernährungsweise Ressourcen und reduziert Treibhausgasemissionen.

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Konkrete Vorgaben für den Einkaufskorb

Für Verbraucher bedeuten die Standards handfeste Änderungen. Die wohl größte Umstellung betrifft den Fleischkonsum.

  • Fleisch und Wurst: Die DGE empfiehlt nur noch maximal 300 Gramm pro Woche für Erwachsene – eine Halbierung gegenüber früheren Spielräumen.
  • Milchprodukte: Statt drei Portionen gelten nun zwei Portionen Milch oder Joghurt pro Tag als Richtwert.
  • Eier: Das mathematische Modell der DGE kommt auf einen rechnerischen Wert von etwa einem Ei pro Woche.
  • Hülsenfrüchte: Linsen, Bohnen & Co. rücken in den Fokus. Ideal sind mindestens 125 Gramm pro Woche.
  • Nüsse: Ein täglicher Verzehr von etwa 25 Gramm wird empfohlen.

Das Modell: Wissenschaft optimiert für Planet und Gesundheit

Hinter den Zahlen steckt eine methodische Neuerung namens “Multicriteria Optimization”. Ein mathematisches Modell der DGE berechnet die ideale Ernährung, die drei Ziele gleichzeitig erreicht:

  1. Die Deckung aller Nährstoffbedarfe.
  2. Die Minimierung von Umweltauswirkungen wie Treibhausgasen.
  3. Die Berücksichtigung üblicher Essgewohnheiten für höhere Akzeptanz.

Fachleute betonen: Eine gesunde Ernährung kann heute nicht mehr isoliert vom Zustand des Planeten gedacht werden. Die Daten zeigen klar, dass die Reduktion tierischer Produkte der effektivste Hebel für beides ist.

Kantinen im Wandel: Mehr Gemüse, weniger Sonntagsbraten

Die größte Lenkungswirkung entfalten die Standards in der Gemeinschaftsverpflegung. In Betriebsrestaurants, Schulmensen und Krankenhausküchen wird das Angebot spürbar pflanzenbetonter.

Der klassische Fleischtag wird zur Ausnahme, kreative vegetarische Gerichte zur Norm. Caterer berichten von ökonomischen Vorteilen, da saisonales Gemüse und Hülsenfrüchte oft günstiger sind als hochwertiges Fleisch. Kritik kommt hingegen von Verbänden der Fleischwirtschaft, die vor radikalen Reduktionen und möglichen Nährstoffengpässen warnen.

Ernährungsmediziner entgegnen, dass die DGE-Empfehlungen explizit auf eine ausreichende Nährstoffversorgung ausgelegt sind. Bei der empfohlenen Mischkost seien Ergänzungsmittel – mit Ausnahme von Vitamin B12 bei strikt veganer Ernährung – in der Regel nicht nötig.

Ein Wendepunkt mit Langzeitwirkung

Die Festigung des 75-Prozent-Ziels markiert einen Wendepunkt, der über das aktuelle Jahr hinausreicht. Beobachter erwarten, dass die Politik die wissenschaftlichen Vorgaben zunehmend in Gesetze gießen könnte – etwa durch Steueranpassungen oder verbindliche Vorgaben für die öffentliche Beschaffung.

Die Akzeptanz in der Bevölkerung wächst langsam, besonders unter jüngeren Generationen. Die große Aufgabe für die DGE bleibt nun, ihre komplexen Modelle in alltagstaugliche Botschaften zu übersetzen. Gelingt das, könnte die “Ernährungswende” nicht nur in Kantinen, sondern auch an heimischen Esstischen ankommen.

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