Deutsche Börse schluckt Allfunds für 5,3 Milliarden Euro
25.01.2026 - 17:52:12Die Deutsche Börse AG vollzieht die größte Übernahme ihrer Geschichte und kauft die Fondsplattform Allfunds. Damit schafft der Frankfurter Konzern einen europäischen Marktführer und macht sich unabhängiger vom schwankenden Börsenhandel.
Strategischer Coup mit Milliarden-Volumen
Mit einem Volumen von rund 5,3 Milliarden Euro setzt die Deutsche Börse ein klares Zeichen. Der Kauf der spanisch-britischen Plattform Allfunds ist nicht nur der teuerste Zukauf in der Konzerngeschichte. Er ist vor allem ein strategischer Paukenschlag. Das Ziel: Die Abhängigkeit von den volatilen Handelsumsätzen an den eigenen Börsen reduzieren und stattdessen auf stabile Dienstleistungseinnahmen im Fondsgeschäft setzen. Der Deal verdoppelt nahezu den europäischen Marktanteil der Börse in diesem Segment.
So wird der Mega-Deal finanziert
Den Aktionären von Allfunds wird ein Angebot von 8,80 Euro je Aktie unterbreitet. Es setzt sich aus 6,00 Euro in bar, neu ausgegebenen Aktien der Deutschen Börse im Wert von 2,60 Euro und einer Sonderdividende von 0,20 Euro zusammen. Im Vergleich zu den ersten Plänen vom November 2025 wurde der Baranteil erhöht, um die Attraktivität zu steigern. Wichtige Großinvestoren wie Hellman & Friedman und die französische BNP Paribas, die zusammen fast 50 Prozent der Anteile halten, haben bereits zugestimmt. Die Übernahme benötigt eine Annahmequote von mindestens 75 Prozent.
Große M&A‑Deals verändern Bilanzen – und bieten oft versteckte Steuerchancen. Unser 19‑seitiger Gratis‑Report „Abschreibung von A–Z“ zeigt konkret, wie Unternehmen Abschreibungsregeln nutzen können, um Liquidität zu schonen, Investitionen steuerlich optimal zu planen und steuerliche Effekte von Zukäufen zu bewerten. Enthalten sind praxisnahe Beispiele, Checklisten und klare Handlungsempfehlungen für Finanzchefs und Steuerverantwortliche nach einer Übernahme. Jetzt kostenlosen Abschreibungs‑Guide sichern
Auf dem Weg zum europäischen Infrastruktur-Champion
Für Vorstandschef Stephan Leithner ist dies ein Meilenstein. Bisher ist die Börse mit ihrer Tochter Clearstream vor allem in Deutschland und der Schweiz im Fondsdienstleistungsgeschäft präsent. Allfunds hingegen dominiert die Märkte in Südeuropa, insbesondere Spanien, Italien und Frankreich. Die Fusion schafft eine paneuropäische Plattform mit echter Schlagkraft. Allfunds verwaltete Ende 2025 ein Vermögen von etwa 1,7 Billionen Euro und bietet Fondsmanagern Technologie für Handel, Abwicklung und Compliance. Die Börse folgt damit dem Kurs, sich als unverzichtbare Finanzmarktinfrastruktur zu positionieren – ein Erbe von Leithners Vorgänger.
Millionen-Synergien und sofortiger Ergebnisbeitrag
Die Rechnung der Deutschen Börse geht auf mehreren Ebenen auf. Durch den Zusammenschluss erwartet der Konzern jährliche Kosteneinsparungen von rund 60 Millionen Euro vor Steuern. Zusätzlich sollen die Investitionsausgaben um 30 Millionen Euro sinken. Die Hälfte dieser Synergien soll bis 2028 realisiert sein. Analysten gehen davon aus, dass der Deal schon im ersten Jahr nach Abschluss gewinnsteigernd wirkt und den Gewinn je Aktie im hohen einstelligen Prozentbereich erhöht. Der Markt honoriert die Strategie: Nach der Bekanntgabe legte der Börsenkurs spürbar zu.
Branchen-Konsolidierung erreicht nächste Stufe
Der Kauf ist ein weiterer Beleg für den massiven Konzentrationsprozess in der europäischen Finanzinfrastruktur. Allfunds war selbst schon länger ein begehrtes Ziel. Die Schweizer Börse SIX und der Betreiber Euronext hatten bereits Interesse bekundet; Euronext zog 2023 ein Angebot über 5,5 Milliarden Euro zurück. Der jetzige Deal positioniert die Deutsche Börse in einem globalen Wettbewerbsumfeld neu. Experten bewerten den Schritt als sinnvoll, da er das Geschäftsmodell diversifiziert und wiederkehrende Einnahmequellen stärkt. Langfristig könnte eine harmonisierte Plattform auch Privatanlegern den Zugang zu Investmentfonds erleichtern.
Noch winkt die EU-Kartellbehörde
Bis der Deal besiegelt ist, muss noch eine entscheidende Hürde genommen werden: die Zustimmung der Wettbewerbshüter. Die EU-Kommission wird die Fusion zweier führender Anbieter genau unter die Lupe nehmen. Aufgrund dieser Prüfungen rechnet die Deutsche Börse erst im ersten Halbjahr 2027 mit dem endgültigen Abschluss. Gelingt er, übertrifft das Unternehmen seinen bisherigen Rekordkauf: die Übernahme des dänischen Softwareanbieters Simcorp für 3,9 Milliarden Euro im Jahr 2023, deutlich.


