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Delivery Hero SE: Zwischen Turnaround-Hoffnung und Kursdruck – wie viel Potenzial steckt noch in der Aktie?

27.01.2026 - 21:48:22

Die Aktie von Delivery Hero bleibt ein Spielball der Erwartungen: operative Fortschritte, hoher Schuldenberg und volatile Märkte prallen aufeinander. Ein Blick auf Kursverlauf, Analystenurteile und die strategische Perspektive.

Die Aktie von Delivery Hero SE bleibt ein Gradmesser dafür, wie viel Risiko der Markt im E-Commerce- und Liefersektor derzeit zu tragen bereit ist. Zwischen Hoffnungen auf einen nachhaltigen Turnaround, Sorgen um Profitabilität und Finanzierungskosten sowie hohen Erwartungen an das Management schwankt das Sentiment spürbar. Jüngste Kursbewegungen zeigen: Anleger honorieren zwar operative Fortschritte, bleiben jedoch angesichts struktureller Risiken und der Vergangenheit voll hoher Verluste ausgesprochen vorsichtig.

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Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario

Wer vor rund einem Jahr bei Delivery Hero eingestiegen ist, hat eine ausgesprochen volatile Reise hinter sich. Der damalige Schlusskurs lag nach Daten mehrerer Kursanbieter – darunter große Finanzportale, die historische Schlusskurse für die Aktie mit der ISIN DE000A2E4K43 ausweisen – spürbar unter dem heutigen Niveau. Gegenwärtig notiert das Papier im Bereich um den mittleren 20-Euro-Bereich je Aktie (Xetra), nachdem es im Verlauf des zurückliegenden Jahres zwischen einem deutlich tieferen Jahrestief im unteren zweistelligen Eurobereich und Zwischenhochs im Bereich von knapp über 30 Euro gependelt ist.

Ausgehend von dem Schlusskurs vor rund einem Jahr ergibt sich damit ein prozentualer Zugewinn im deutlich zweistelligen Bereich. Die genaue Rendite hängt je nach Stichtag und Handelsplatz geringfügig ab, liegt aber nach übereinstimmenden Daten zweier großer Kursdatenanbieter klar im Plus. Vereinfacht gesagt: Wer seinerzeit in die Krisenstimmung hinein gekauft hat, kann sich heute über einen satten Aufschlag freuen, selbst wenn die Notierung zuletzt wieder unter Zwischenhochs zurückgefallen ist.

Emotionale Realität für Anleger: Das Investment hat zwar im Zwölf-Monats-Vergleich Rendite gebracht, aber der Weg dorthin war gepflastert mit Kurskapriolen – inklusive starker Einbrüche nach Kapitalmarkt-News, Refinanzierungsschritten und schwankender Risikobereitschaft an den Märkten. Timing war entscheidend: Anleger, die in Kursspitzen hinein gekauft haben, liegen teilweise im Minus, während antizyklische Käufer an Schwächephasen deutlich profitieren.

Im Fünf-Tage-Vergleich zeigt die Aktie ein recht nervöses Bild: Nach Daten von zwei großen Finanzportalen schwankte der Kurs in einer Spanne von mehreren Prozentpunkten, ohne einen klaren Ausbruch nach oben oder unten zu markieren. Auf Sicht von rund drei Monaten dominiert hingegen ein eher seitwärts bis leicht abwärts gerichteter Trend, nachdem frühere Zwischenhochs nicht verteidigt werden konnten. Das 52-Wochen-Hoch liegt spürbar über dem aktuellen Kurs, das 52-Wochen-Tief signifikant darunter. Im Chartbild wirkt die Aktie damit wie in einer Konsolidierungsphase nach einer kräftigen – aber eben nicht durchgehend stabilen – Erholungsbewegung.

Das Sentiment ist entsprechend ambivalent: Weder von einem klassisch bullischen Trend noch von einem klaren Bärenmarkt kann die Rede sein. Vielmehr spiegelt die Kursentwicklung eine Art "skeptischer Optimismus" wider: Der Markt erkennt Fortschritte, will aber dauerhaftes Zahlenmaterial sehen, bevor Bewertungsmultiplikatoren nachhaltig anziehen.

Aktuelle Impulse und Nachrichten

Für frische Bewegung in der Kursdiskussion sorgten zuletzt mehrere Nachrichtenkomplexe, die sich um Profitabilität, Portfolioanpassungen und die Finanzierung drehen. Anfang der Woche griffen internationale Agenturen und Finanzportale Berichte auf, nach denen Delivery Hero seine Bemühungen fortsetzt, defizitäre oder nicht zum Kerngeschäft passende Beteiligungen zu reduzieren. Bereits in den vergangenen Quartalen hatte das Unternehmen Teile seines Portfolios in verschiedenen Regionen veräußert oder strategische Optionen geprüft, um Kapital freizusetzen und die Bilanz zu stärken. Dieser Kurs wird vom Markt grundsätzlich positiv gesehen, weil er auf eine stärkere Fokussierung und eine mögliche Entschuldung perspektivisch hinweist.

Vor wenigen Tagen standen zudem Spekulationen über weitere Schritte zur Verbesserung des Free Cashflow im Fokus. Analystenkommentare, die von verschiedenen Medien und Finanzinformationsdiensten aufgegriffen wurden, hoben hervor, dass Delivery Hero zwar deutliche Fortschritte bei der operativen Marge gemacht hat, das Unternehmen aber noch immer mit einem beachtlichen Schuldenberg und empfindlichen Zinslasten zu kämpfen hat. In Zeiten höherer Zinsen ist dies ein zentrales Bewertungsrisiko. Die Börse reagierte auf entsprechende Kommentare und Kurszielanpassungen mit merklichen, teils intraday starken Ausschlägen – ein Hinweis darauf, wie sensibel der Markt auf jede neue Information zum Thema Finanzierung reagiert.

Auch auf der operativen Seite gab es zuletzt Impulse: In mehreren Berichten wird darauf verwiesen, dass das Plattformgeschäft in Kernregionen stabil läuft, wobei sich Bestellvolumina und durchschnittliche Warenkörbe zwar nicht mehr im Pandemie-Tempo, aber solide entwickeln. Ein Fokus des Managements liegt darauf, weniger profitable Regionen zu straffen und gleichzeitig die Effizienz in Logistik und Marketing weiter zu steigern. Kürzungen bei Marketingausgaben und ein strenger Blick auf Kundenakquisitionskosten treiben die Ergebnistrends in die richtige Richtung, begrenzen jedoch kurzfristig das Wachstumstempo.

Da in den vergangenen Tagen keine gänzlich neuen, kursrelevanten Ad-hoc-Mitteilungen veröffentlicht wurden, betrachten Charttechniker die aktuelle Phase zunehmend als Konsolidierung. Mehrere Marktkommentare sprechen davon, dass sich die Aktie in einer breiten Handelsspanne eingependelt hat, in der kurzfristige Trader das Spiel bestimmen, während langfristige Investoren auf den nächsten großen fundamentalen Katalysator warten – etwa in Form des nächsten Quartalsberichts oder konkreter Ankündigungen zu Portfoliotransaktionen.

Das Urteil der Analysten & Kursziele

Auf der Seite der Analysten dominiert weiterhin ein überwiegend positives Grundrauschen – allerdings mit klaren Vorbehalten. Recherchen in den vergangenen Tagen zeigen, dass mehrere große Häuser Delivery Hero weiterhin mit einer Kaufempfehlung oder einer Einstufung "Übergewichten" versehen, zugleich aber ihre Kursziele teils nachjustieren. Die Spanne der Zielkurse reicht dabei – je nach Institut und Annahmen zu Wachstum, Profitabilität und Kapitalkosten – vom oberen 20-Euro-Bereich bis deutlich jenseits von 30 Euro je Aktie.

Internationale Investmentbanken wie Goldman Sachs und JPMorgan sehen in der Aktie nach wie vor ein strukturelles Aufholpotenzial gegenüber dem aktuellen Kurs, verweisen in ihren jüngsten Kommentaren aber auch klar auf die Unsicherheiten im Zinsumfeld und den hohen Kapitalbedarf der Plattformwirtschaft. Ihre Kursziele liegen merklich über dem letzten Schlusskurs, was rechnerisch einen zweistelligen prozentualen Aufschlag impliziert. Entsprechend bleibt das Votum dort bei "Kaufen" beziehungsweise "Overweight".

Deutsche Institute wie die Deutsche Bank sowie weitere europäische Häuser zeigen sich differenzierter. Während auch hier in mehreren Fällen positive Einstufungen dominieren, finden sich zunehmend neutralere Einschätzungen mit der Empfehlung "Halten". Begründet wird dies mit der starken Kursperformance auf Zwölf-Monats-Sicht und der Ansicht, dass ein Teil des mittelfristigen Verbesserungsszenarios im Kurs bereits eingepreist sei. Einige Analysten haben in den vergangenen Wochen ihre Kursziele leicht reduziert oder nur moderat angehoben, obwohl die operative Entwicklung sich verbessert hat – ein Indiz dafür, dass Bewertungsmodelle inzwischen konservativere Annahmen zu Wachstum und Margen reflektieren.

In der Summe lässt sich sagen: Die Mehrheit der Analysten bleibt optimistisch, sieht aber ein klar asymmetrisches Chance-Risiko-Profil. Nach oben ist aus Sicht der Experten noch Spielraum vorhanden, sofern Delivery Hero seine Profitabilitätsziele bestätigt und die Verschuldung Schritt für Schritt reduziert. Gleichzeitig verweisen sie darauf, dass schon kleinere Rückschläge bei der Umsetzung, regulatorische Überraschungen in einzelnen Märkten oder eine nachhaltige Konjunkturabkühlung den Bewertungshebel rasch in die andere Richtung ausschlagen lassen könnten. Entsprechend sind die Berichte oft mit deutlichen Risikohinweisen versehen.

Ausblick und Strategie

Für die kommenden Monate rückt bei Delivery Hero vor allem die Frage in den Vordergrund, ob das Unternehmen den schmalen Grat zwischen weiterem Wachstum und klarem Fokus auf Profitabilität meistern kann. Die strategische Stoßrichtung ist klar: Margenverbesserung hat Vorrang vor maximalem Umsatzwachstum. Das bedeutet weniger aggressives Marketing, eine konsequente Optimierung der Logistikkette, ein enger Blick auf die Partnerökonomie – also Restaurants und Händler – sowie ein selektiver Umgang mit Expansionsprojekten.

Ein zentrales Element der Strategie bleibt die Portfolioarchitektur. Delivery Hero hat über Jahre hinweg ein weit verzweigtes Netz an Beteiligungen und Plattformen aufgebaut, das nun schrittweise gestrafft wird. Verkäufe von Randaktivitäten und strategische Partnerschaften können zusätzliche Liquidität freisetzen und den bilanziellen Druck verringern. Für Investoren entscheidend: Ob diese Maßnahmen zu attraktiven Preisen gelingen und wie stark die verbleibenden Kernmärkte dann tatsächlich wachsen. Misslingt der Spagat, drohen Wertberichtigungen und eine Neubewertung des gesamten Geschäftsmodells. Gelingt er, könnte die Aktie nach Meinung vieler Marktbeobachter in eine neue Bewertungsphase eintreten, in der freie Cashflows weit stärker ins Zentrum rücken als reines Umsatzwachstum.

Makroökonomisch bleibt das Umfeld zweischneidig. Einerseits profitieren Lieferplattformen grundsätzlich von veränderten Konsumgewohnheiten: Online-Bestellungen von Lebensmitteln, Restaurantessen und Convenience-Produkten haben sich längst etabliert. Andererseits drückt die anhaltende Kosteninflation auf die Margen sowohl bei den Plattformen als auch bei den Partnern. Höhere Lohnkosten im Liefersegment, steigende Energie- und Fahrzeugkosten sowie zunehmende regulatorische Anforderungen in manchen Ländern (Stichwort Scheinselbstständigkeit, Lieferfahrermindestlöhne) begrenzen die operative Flexibilität. Je nachdem, wie konsequent Delivery Hero Kosteneffizienz und Preissetzungsmacht ausspielen kann, wird sich dieses Spannungsfeld im Zahlenwerk widerspiegeln.

Für die Aktie selbst bedeutet dies, dass hohe Schwankungen wahrscheinlich bleiben. Kurzfristig dürften die nächsten Quartalszahlen und mögliche Ankündigungen zu weiteren Portfoliotransaktionen oder Schuldenmaßnahmen die wichtigsten Kurstreiber sein. Entscheidend wird, ob das Management dem Kapitalmarkt glaubhaft vermitteln kann, dass der Weg hin zu nachhaltig positiven Nettoergebnissen und robusten freien Cashflows nicht nur auf dem Papier, sondern bereits im operativen Alltag sichtbar ist.

Strategisch orientierte Anleger, die den Titel im Depot haben oder einen Einstieg erwägen, sollten daher mehrere Ebenen im Blick behalten:

  • Bilanz und Finanzierung: Wie entwickeln sich Verschuldungsgrad und Zinslast, und in welchem Tempo gelingt eine mögliche Entschuldung durch operative Cashflows oder Desinvestitionen?
  • Profitabilität der Kernmärkte: Sind die wesentlichen Regionen klar im Plus, und tragen sie den Konzern, oder werden Gewinne in einzelnen Märkten durch Verluste anderswo aufgezehrt?
  • Regulatorisches Umfeld: Verschärfen sich arbeitsrechtliche und regulatorische Vorgaben – etwa bei Fahrer-Beschäftigungsverhältnissen – und welche Auswirkungen hat das auf Kostenstruktur und Flexibilität?
  • Wettbewerb und Konsolidierung: Inwiefern gelingt es Delivery Hero, sich gegen starke Wettbewerber zu behaupten oder von einer möglichen weiteren Konsolidierung im Markt zu profitieren?

Eine vorsichtige, aber engagierte Strategie könnte darin bestehen, Positionen in Schwächephasen aufzubauen oder aufzustocken – vorausgesetzt, die Investmentthese stützt sich auf ein fundiertes Verständnis von Geschäftsmodell, Bilanzqualität und Risikofaktoren. Kurzfristig orientierte Trader wiederum werden die Aktie weiterhin als Spielwiese für Nachrichten- und Momentum-getriebene Strategien nutzen.

Insgesamt steht Delivery Hero an einem Scheideweg, den der Markt genau beobachtet: Gelingt der Übergang von der Wachstumsstory zur Cashflow-Story glaubhaft und zügig, könnte sich das Bewertungsniveau deutlich nach oben verschieben. Bleiben Fortschritte hinter den hohen Erwartungen zurück, droht eine anhaltende Seitwärtsphase oder gar eine Neubewertung nach unten. Die kommenden Monate werden daher entscheidend dafür sein, ob die jüngste Ein-Jahres-Performance als Auftakt einer nachhaltigen Erholungsbewegung oder als Zwischenerfolg in einem weiterhin riskanten Investmentkapitel in die Unternehmensgeschichte eingeht.

@ ad-hoc-news.de