DAV-Vielfaltstag, Anwaltschaft

DAV-Vielfaltstag: Anwaltschaft setzt auf Diversität als Erfolgsfaktor

29.01.2026 - 02:27:12

Der Deutsche Anwaltverein verankert Diversität und Inklusion als verbindliche Compliance-Pflicht und strategischen Vorteil für Anwaltskanzleien, weg von reiner Symbolpolitik.

Der Deutsche Anwaltverein macht Vielfalt zur strategischen Notwendigkeit für Kanzleien. Auf seinem zweiten Vielfaltstag in Berlin treibt der Berufsverband die Debatte über Herkunft, Identität und Inklusion voran. Was gestern noch als ethisches Ziel galt, ist heute ein harter Wirtschafts- und Compliance-Faktor.

Vom Netzwerk zur verbindlichen Norm

Ein Schwerpunkt liegt auf der Sichtbarkeit und strukturellen Verankerung queerer Anwältinnen und Anwälte. Nach einer Videobotschaft von Sophie Koch, der Bundesbeauftragten für die Akzeptanz sexueller Vielfalt, kommt erstmals das informelle Netzwerk der queeren Anwaltschaft live zusammen. Die Diskussion zielt nicht mehr auf lockeren Austausch, sondern auf verbindliche Standards für ein inklusives Arbeitsumfeld. Ein klarer Schritt weg von Symbolpolitik hin zu verbindlicher Praxis.

Kontroverse Quoten und soziale Herkunft

Kann eine Quote Chancengerechtigkeit schaffen? Diese kontroverse Frage steht im Zentrum eines interaktiven Round Tables, eingeleitet von Verena Haisch, Vizepräsidentin des Deutschen Juristinnenbundes. An vier Thementischen wird die Komplexität von Diversität konkret:
* Migrationsbiografie mit RA Chrysanthi Fouloglidou.
* Ost/West-Perspektiven mit RA Uta Hesse.
* Soziale Herkunft mit RA Sina Barenkau.
* Antidiskriminierung mit Belma Bekos von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Die Teilnahme der Bundesstelle unterstreicht: Faire Personalprozesse sind keine Kür, sondern eine zentrale Compliance-Pflicht für jede moderne Kanzlei.

Inklusion als umfassende Kulturfrage

Der dritte Block weitet den Blick auf die Inklusion von Menschen mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen oder Neurodivergenz. Es geht nicht nur um gesetzliche Mindestanforderungen oder rampenfreie Zugänge. Gefordert wird eine Kultur, die unterschiedliche Bedürfnisse proaktiv berücksichtigt und Arbeitsabläufe entsprechend anpasst. Für Kanzleien ist das eine strategische Investition in Talentbindung und -gewinnung.

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Diversität wird zum Wettbewerbsvorteil

Der Vielfaltstag findet in einem größeren Trend statt. Initiativen wie der Deutsche Diversity-Tag am 19. Mai fördern eine vorurteilsfreie Arbeitskultur. Für Anwaltskanzleien ist das Thema doppelt relevant: Eine diverse Belegschaft bringt nicht nur bessere Lösungen durch verschiedene Perspektiven. Sie spiegelt auch die vielfältige Mandantschaft wider. Große Unternehmen achten zunehmend auf die Diversitätsstandards ihrer externen Berater. Eine inklusive Kanzleikultur wird so zum entscheidenden Wettbewerbsargument und Teil der Mandanten-Compliance.

Die Ergebnisse des Tages sollen in konkrete Handlungsempfehlungen münden. Die Richtung ist klar: Diversitätsziele werden fester Bestandteil der Unternehmensstrategie – weit über Symbolik hinaus.

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