Datawrapper, KI-Act

Datawrapper und KI-Act: Neue Transparenzpflichten für Grafiken ab August 2026

19.01.2026 - 07:35:12

Ab August 2026 müssen Unternehmen und Verlage KI-generierte oder -veränderte Inhalte wie Infografiken klar kennzeichnen. Die neuen Transparenzregeln betreffen auch Tools wie Datawrapper und erfordern Anpassungen.

Ab August 2026 müssen Verlage und Unternehmen KI-generierte oder -veränderte Inhalte klar kennzeichnen. Diese neue Pflicht des EU-KI-Gesetzes betrifft auch beliebte Visualisierungs-Tools wie Datawrapper und verändert grundlegend, wie interaktive Grafiken präsentiert werden.

Seit Montag, dem 19. Januar 2026, bereitet sich die digitale Medien- und Unternehmenslandschaft auf tiefgreifende Änderungen vor. Die entscheidenden Transparenzvorschriften des bereits 2024 in Kraft getretenen KI-Gesetzes werden am 2. August 2026 voll anwendbar. Das stellt jede Organisation vor neue Compliance-Herausforderungen, die Datenvisualisierungen veröffentlicht – insbesondere wenn dabei fortschrittliche Drittanbieter-Tools mit KI-Funktionen zum Einsatz kommen.

Kern der Neuregelung ist die Pflicht, KI-generierte oder wesentlich veränderte Inhalte klar als solche zu kennzeichnen. Tools wie Datawrapper sind zwar primär für nutzergesteuerte Diagramme bekannt. Doch die zunehmende Integration von KI für Datenanalyse, Chart-Vorschläge oder Inhaltsgenerierung bringt sie direkt in den Anwendungsbereich des Gesetzes. Verlage müssen daher genau prüfen und offenlegen, in welchem Umfang KI an der Erstellung ihrer Infografiken beteiligt war.

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Welche Grafiken sind betroffen?

Das KI-Gesetz folgt einem risikobasierten Ansatz. Die Transparenzpflichten gelten bereits für Systeme mit begrenztem Risiko. Eine zentrale Vorgabe: Natürliche Personen müssen informiert werden, wenn sie mit einem KI-System interagieren. Bei eingebetteten Infografiken bedeutet das: Wird ein Diagramm oder eine Karte von einer KI erzeugt oder dynamisch verändert, muss ein klarer Hinweis erfolgen.

Das Gesetz verlangt ausdrücklich die Kennzeichnung von KI-generierten Bildern, Videos, Audio- und Textinhalten, um Täuschung zu verhindern. Das betrifft nicht nur offensichtliche „Deepfakes“, sondern auch subtilere KI-Manipulationen in visuellen Inhalten. Für Verlage stellt sich die kritische Frage nach der Verantwortung für Tools von Drittanbietern. Sie müssen von Anbietern wie Datawrapper klären, ob deren Werkzeuge KI so einsetzen, dass eine Kennzeichnungspflicht ausgelöst wird. Die EU-Kommission wird voraussichtlich 2026 weitere Leitlinien zur praktischen Anwendung veröffentlichen. Ein erster Entwurf eines Verhaltenskodex für KI-Kennzeichnung wurde bereits im Dezember 2025 vorgelegt und soll bis Mitte des Jahres finalisiert werden.

Doppelbelastung: KI-Gesetz trifft auf DSGVO

Die neuen Vorgaben des KI-Gesetzes kommen nicht allein. Sie überlagern und verschärfen teilweise bestehende Pflichten aus der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Die Schnittstelle dieser beiden Rechtsrahmen schafft ein komplexes Umfeld für Compliance. Verarbeitet oder visualisiert eine Infografik personenbezogene Daten, gelten bereits die DSGVO-Prinzipien von Transparenz, Datenminimierung und Zweckbindung.

Das KI-Gesetz fügt eine weitere Dimension hinzu. Wird KI beispielsweise eingesetzt, um Personen innerhalb eines Datensatzes zu kategorisieren oder ein Profil zu erstellen, das dann visualisiert wird, greifen sowohl die DSGVO-Regeln zur automatisierten Entscheidungsfindung als auch die Transparenzvorgaben des KI-Gesetzes. Rechtsexperten raten Organisationen zu gründlichen Risikobewertungen. Ihre Data-Governance-Protokolle müssen die spezifischen Anforderungen beider Verordnungen berücksichtigen. Dazu gehört die Aktualisierung von Datenschutzerklärungen und klare, gestufte Hinweise für Nutzer darüber, wie ihre Daten verarbeitet und visualisiert werden – besonders wenn KI im Spiel ist.

Was müssen Unternehmen jetzt tun?

Die bevorstehende Umsetzung erfordert strategische Planung aller, die auf Datenvisualisierung für ihre Kommunikation setzen. Unternehmen müssen jetzt ihren Einsatz von Drittanbieter-Tools inventarisieren und mit den Anbietern klären, welche Rolle KI in deren Produkten spielt. Dieser Dialog ist entscheidend, um die notwendigen Informationen für die Offenlegungspflichten zu erhalten.

Für Nutzer von Plattformen wie Datawrapper bedeutet das einen Wandel: Es reicht nicht mehr, einfach eine fertige Grafik einzubetten. Website-Betreiber müssen Mechanismen implementieren, um KI-unterstützte Visualisierungen klar zu kennzeichnen. Das Spektrum reicht von einem einfachen, sichtbaren Text-Hinweis bis hin zu integrierten, maschinenlesbaren Wasserzeichen oder Labels, wie sie der kommende Verhaltenskodex vorsieht. Bei Nichteinhaltung drohen hohe Bußgelder – ein deutliches Signal an die Wirtschaft, sich auf diese neue regulatorische Realität einzustellen.

Die volle Anwendung der Transparenzregeln markiert einen Wendepunkt für digitale Inhalte. Die Vorschriften zielen darauf ab, durch Klarheit über den KI-Einsatz mehr Vertrauen zu schaffen und Nutzer zu befähigen. Für den Datenvisualisierungs-Sektor entsteht damit ein neuer Mindeststandard für Transparenz und Rechenschaftspflicht. Die Ära, in der man komplexe Daten-Grafiken bedenkenlos einbettete, ohne die Transparenz der zugrundeliegenden Technologie zu hinterfragen, geht zu Ende.

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