Boston, Dynamics

Boston Dynamics Atlas startet erste Fabrik-Einsätze bei Hyundai

29.01.2026 - 22:45:12

Der humanoide Roboter Atlas von Boston Dynamics beginnt seinen ersten industriellen Einsatz in einem Hyundai-Werk in Georgia. Das Pilotprojekt markiert einen Meilenstein für die Robotik und sammelt Daten für den geplanten Massenrollout.

Der humanoide Roboter Atlas von Boston Dynamics hat seinen ersten Produktionseinsatz im Hyundai-Werk in Georgia begonnen. Damit vollzieht sich der Wandel vom YouTube-Star zum industriellen Werker – ein Meilenstein für die Robotik.

Der Startschuss fiel nur Wochen nach der Vorstellung der Serienversion auf der CES 2026. Hyundai nutzt sein 7,6 Milliarden Euro teures „Metaplant America“ als Testgelände für die Zukunft der Automatisierung. Das Werk setzt bereits über 1.000 klassische Industrieroboter ein. Die Einführung der humanoiden Atlas-Modelle markiert den Beginn einer mehrjährigen Strategie, die auf Hyundais Mehrheitsbeteiligung an Boston Dynamics seit 2021 zurückgeht.

Vom Parkour-Video zum Teile-Sortierer

In der ersten Phase arbeitet eine Gruppe Atlas-Roboter in einem abgetrennten Bereich der Fabrik in Georgia. Ihre Aufgabe: Sie sortieren Dachgepäckträger und bereiten Bauteile für die Montagelinie vor. Es ist das erste Mal, dass ein so fortgeschrittener, zweibeiniger Roboter reale Arbeit in einer Industrieumgebung außerhalb eines Labors verrichtet.

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Das Pilotprogramm sammelt Millionen Stunden an Produktionsdaten. Diese dienen dem Training der Roboter-KI, die auf Technologie von Nvidia und Google DeepMind basiert. Anders als starr programmierte Industrieroboter soll Atlas aus Erfahrung lernen und sich an neue Situationen anpassen – etwa einen verrutschten Teilebehälter. Ziel ist der Nachweis von Sicherheit und Praxistauglichkeit.

Der leise, elektrische Kollege

Der neue Atlas ist ein völlig anderes Modell als die hydraulischen Forschungsprototypen, die durch spektakuläre Parkour-Videos berühmt wurden. Die Serienversion ist vollelektrisch, leiser und energieeffizienter. Bei einer Größe von 1,90 Metern und einem Gewicht von 90 Kilogramm besitzt er 56 Freiheitsgrade und übertrifft damit menschliche Bewegungsmöglichkeiten.

Für den Industrie-Einsatz konstruiert, kann Atlas Lasten bis 50 Kilogramm heben. Eine Schlüsselfunktion ist der autonome Batteriewechsel. Nach etwa vier Stunden Betrieb sucht der Roboter selbstständig eine Ladestation auf, tauscht in drei Minuten seine Akkus und kehrt zur Arbeit zurück. So ist ein nahezu durchgängiger 24/7-Betrieb mit minimalem menschlichem Eingriff möglich.

Hyundais Masterplan: 30.000 Roboter pro Jahr

Der Test in Georgia ist nur der erste Schritt. Hyundai plant den Aufbau einer Massenproduktion für 30.000 Atlas-Einheiten pro Jahr bis 2028. Nach der Pilotphase soll ab 2028 der großflächigere Rollout beginnen, zunächst in Logistik und Teilebereitstellung.

Bis 2030 sollen die Roboter dann komplexere Aufgaben an der Montagelinie übernehmen – Seite an Seite mit menschlichen Mitarbeitern. Dieser gestaffelte Ansatz ermöglicht es Hyundai, die eigenen Fabriken als riesige Testumgebung zu nutzen. Das langfristige Ziel ist eine „Datenfabrik“, die das Training und den Einsatz Zehntausender Atlas-Roboter in den weltweiten Werken beschleunigt.

Gewerkschaften warnen vor „Beschäftigungsschock“

Mit dem Einsatz in einem großen US-Automobilwerk positioniert sich Hyundai an der Spitze eines weltweiten Rennens um humanoide Fabrikroboter. Branchenbeobachter sehen darin einen entscheidenden Praxistest für die Wirtschaftlichkeit dieser Technologie.

Doch die Entwicklung stößt auch auf Widerstand. Die Hyundai-Gewerkschaft in Südkorea äußerte nach der CES-Vorstellung scharfen Protest. Sie fordert eine formale Vereinbarung zwischen Management und Belegschaft und warnt vor einem massiven „Beschäftigungsschock“ und einem „Arbeitsplatz-Krieg“ zwischen Mensch und Maschine. Hyundai betont, die Roboter sollen monotone, repetitive und gefährliche Aufgaben übernehmen und so Menschen ergänzen, nicht ersetzen.

Ein Experiment, das die Industrie verändern könnte

Die kommenden Monate im Metaplant werden zeigen, wie leistungsfähig, zuverlässig und wirtschaftlich die Atlas-Roboter sind. Ein Erfolg würde den Weg für die Expansion ab 2028 ebnen. Die in Georgia gesammelten Daten werden nicht nur Atlas verbessern, sondern auch das Design zukünftiger „Smart Factories“ prägen.

Die gesamte Industrie blickt auf dieses Experiment. Es geht um mehr als einen Technologietest. Es geht um die Zukunft der Fabrikarbeit, um Effizienz und die Neudefinition der Fließbandarbeit. Die Lektionen aus dem Hyundai-Werk in Georgia werden die industrielle Automatisierung für Jahrzehnte beeinflussen.

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