Betriebsräte 2026: Neue Macht im Kampf gegen Diskriminierung
24.01.2026 - 04:11:12Arbeitnehmervertreter erhalten durch EU-Recht und KI-Einsatz erweiterte Werkzeuge für mehr Gleichbehandlung. Das zeigt eine aktuelle DGB-Konferenz.
Die Rolle des Betriebsrats als Wächter gegen Diskriminierung wird 2026 neu definiert. Eine hochkarätige Vielfaltskonferenz des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Berlin unterstrich diese Woche die Dringlichkeit. Treiber sind eine bevorstehende EU-Lohntransparenzrichtlinie und der rasante Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in Personalprozessen. Für Betriebsräte eröffnen sich dadurch sowohl neue Pflichten als auch schärfere Mitbestimmungsrechte.
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Gesetzliche Pflichten als starkes Fundament
Die Basis der Betriebsratsarbeit ist klar: § 75 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) verpflichtet sie, jede Benachteiligung aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung zu verhindern. Zusätzlich muss der Betriebsrat laut § 80 BetrVG die Einhaltung aller Arbeitnehmerschutzgesetze überwachen – dazu zählt explizit das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Diese gesetzliche Verankerung gibt den Räten das Recht, von der Prävention bis zur Intervention aktiv zu werden.
Zwei Megatrends verändern die Praxis
2026 bringt zwei entscheidende Neuerungen, die diese Überwachungsaufgaben konkretisieren:
1. EU-Entgelttransparenz: Bis Mitte des Jahres muss Deutschland die EU-Richtlinie umsetzen. Sie zwingt Unternehmen zu mehr Gehaltstransparenz und stärkt die Auskunftsrechte der Beschäftigten. Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom Herbst 2025 erleichtert zudem Klagen bei Entgeltdiskriminierung. Betriebsräte werden so zu zentralen Kontrolleuren für Lohngerechtigkeit.
2. KI im Recruiting: Der Einsatz algorithmischer Systeme bei Einstellungen oder Leistungsbewertungen birgt neue Risiken. Intransparente KI kann das AGG verletzen und Bewerber diskriminieren. Hier können Betriebsräte ihr Mitbestimmungsrecht geltend machen, um faire und nachvollziehbare Verfahren durchzusetzen.
DGB drängt auf umfassende AGG-Reform
Auf ihrer Konferenz am 22. und 23. Januar bündelten die Gewerkschaften die Forderungen nach einer Modernisierung des AGG. Im Fokus steht, den Schutz für alle Beschäftigten zu verbessern und die Rechtsdurchsetzung zu erleichtern. Ein weiteres Thema: Wie reagiert man darauf, dass einige Konzerne – vor allem aus der Tech-Branche – ihre Diversity-Programme aktuell wieder zurückfahren?
Wahljahr gibt Thema zusätzlichen Schub
Die Debatte erhält zusätzlichen Schwung durch die anstehenden Betriebsratswahlen zwischen März und Mai 2026. Sie bieten die Chance, das Thema Gleichbehandlung in den Betrieben noch stärker zu verankern. Für die kommenden Monate sind konkrete Gesetzesvorhaben der Bundesregierung zur Lohntransparenz zu erwarten. Die Betriebsräte der Zukunft müssen sich daher frühzeitig mit den neuen Regelungen vertraut machen, um ihre gestärkte Position voll auszuschöpfen.


