BaFin macht G7-Cyberkrisenplan zur Pflicht für Banken
02.01.2026 - 17:55:12Die Finanzaufsicht priorisiert neue internationale Kooperationsprotokolle gegen Cyberangriffe. Deutsche Banken müssen ihre Krisenpläne nun an diesen globalen Leitfaden anpassen.
Die Finanzaufsicht BaFin stellt den neuen G7-Rahmen für Cyberkrisen zur Chefsache für 2026 – und setzt damit den Ton für das neue Regulierungsjahr. Deutsche Institute müssen globale Kooperationsprotokolle nun in ihre Widerstandsfähigkeit integrieren.
Vom Meilenstein zur Prüfungsrealität
In ihrem heute veröffentlichten „BaFin Kompakt“-Update stuft die Aufsichtsbehörde die erst kürzlich vereinbarten „G7 Fundamental Elements of Collective Cyber Incident Response and Recovery“ (G7 FE-CCIRR) ausdrücklich als „Meilenstein für Cybersicherheit“ ein. Das unter deutsch-französischer Führung entwickelte Dokument ist der erste umfassende internationale Leitfaden für die koordinierte Abwehr grenzüberschreitender Großangriffe auf die Finanzbranche.
Die klare Priorisierung durch BaFin bedeutet: Bei künftigen Prüfungen werden Aufseher besonders bei international aktiven Instituten auf die Einhaltung dieser G7-Prinzipien achten. Der Rahmen basiert auf drei Säulen: klare Führungsstrukturen vorbereiten, konkrete Protokolle im Krisenfall anwenden und diese Mechanismen in regelmäßigen Übungen schärfen.
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Deutschland übernimmt globale Führungsrolle
Die herausgehobene Stellung des Dokuments unterstreicht den wachsenden deutschen Einfluss auf die weltweite Finanzsicherheitspolitik. Die zuständige G7 Cyber Expert Group (CEG) wurde erstmals von der BaFin mitgeleitet – ein Novum für die deutsche Behörde.
„Die CEG ist die einzige G7-Arbeitsgruppe mit direkter BaFin-Beteiligung“, betont Jens Obermöller, der das Projekt für die deutsche Seite führte. Der erfolgreiche Abschluss gilt als bedeutender Beitrag zur Cyber-Resilienz des globalen Finanzsektors. Branchenbeobachter schließen daraus: BaFin wird die Standards auch national streng auslegen und von Banken und Versicherern robuste Kooperationspläne fordern, die über normale Notfallkonzepte hinausgehen.
Doppelbelastung oder sinnvolle Ergänzung?
Für Compliance-Verantwortliche stellt sich die Gretchenfrage: Wie lassen sich die neuen G7-Vorgaben mit der seit Januar 2025 voll geltenden EU-Verordnung DORA (Digital Operational Resilience Act) harmonisieren?
BaFin gibt Entwarnung – und betont den komplementären Charakter. Während DORA die Widerstandsfähigkeit und Meldewege einzelner Institute in der EU regelt, adressiert der G7-Rahmen die „Makro-Ebene“. Es geht also darum, wie Aufsichtsbehörden und systemrelevante Institute kooperieren, wenn ein Cyberangriff das gesamte Finanzsystem bedroht. Beide Regelwerke ergänzen sich somit.
Paradigmenwechsel: Vom Einzelkämpfer zum Teamplayer
Die heutige Bekanntmachung markiert einen strategischen Wendepunkt: weg von der individuellen Abwehr einzelner Banken, hin zur kollektiven Reaktion der gesamten Branche.
„Der Fokus hat sich verschoben“, heißt es im regulatorischen Kontext. „Es geht nicht mehr nur darum, Angriffe auf einzelne Häuser zu verhindern, sondern sicherzustellen, dass das System selbst einen erfolgreichen Einbruch übersteht.“ Mit dem G7-Rahmen fördert BaFin ein Protokoll, bei dem Wettbewerber in der Krise effektiv zu Kooperationspartnern werden müssen, um einen Dominoeffekt zu verhindern.
Diese Entwicklung kommt zu einer Zeit, in der die Bedrohungslage sich weiter zuspitzt. Berichte aus dem späten Jahr 2025 verzeichneten einen Anstieg staatlich geförderter Cyberaktivitäten gegen kritische Infrastrukturen. Durch die G7-Protokolle soll sichergestellt werden, dass die Kommunikationskanäle auch bei kompromittierten IT-Systemen offen bleiben.
Was kommt 2026 auf die Institute zu?
Für das laufende Jahr müssen sich Finanzinstitute auf eine intensivierte Aufsicht in Sachen Krisenmanagement einstellen.
- Verpflichtende Übungen: Es wird erwartet, dass BaFin G7-Koordinationsszenarien in künftige TIBER-DE-Übungen integriert.
- Strategische Ziele: Der Mehrjahresplan der Behörde für 2026-2029 zielt explizit darauf ab, die operative Widerstandsfähigkeit zu erhöhen und Werkzeuge zur Begrenzung systemischer Krisenauswirkungen zu verfeinern.
- Grenzüberschreitende Tests: Der Rahmen ermutigt zu gemeinsamen Übungen verschiedener Jurisdiktionen. Deutsche Institute mit Tochtergesellschaften in den USA, Großbritannien oder Japan könnten noch in diesem Jahr zu solchen Simulationen herangezogen werden.
Compliance-Abteilungen sollten ihre Notfallpläne daher umgehend an den G7-Prinzipien spiegeln. Es geht künftig nicht mehr nur darum, einen Vorfall zu melden, sondern aktiv an einer koordinierten, branchenweiten Erholung mitzuwirken.
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