AWE Asia 2026: KI verlässt den Bildschirm und kommt auf die Nase
07.02.2026 - 01:01:12Künstliche Intelligenz wird tragbar: Auf der Fachmesse AWE Asia in Singapur zeichnete sich der Übergang von theoretischer Diskussion zu praktischer Infrastruktur ab. Die Kernbotschaft der Branchenführer war eindeutig: Die Zukunft der KI spielt sich nicht auf einem Bildschirm, sondern in der physischen Welt ab – vermittelt durch eine neue Generation intelligenter Brillen.
Vom 2. bis 4. Februar verwandelte sich die Singapore Expo in den Launchpad für „Contextual AI“. Diese Systeme verstehen Nutzerabsicht und Umgebung. Zusammen mit der dafür nötigen Hardware markiert diese Entwicklung den Wandel von Spielerei zur digitalen Kerninfrastruktur, wobei sich Asien als Zentrum für Spatial Computing positioniert.
Die neue These: KI braucht XR
„Künstliche Intelligenz kann ihr volles Potenzial ohne Extended Reality nicht entfalten.“ Mit dieser These eröffnete AWE-Mitgründer Ori Inbar die Konferenz. Seine Keynote argumentierte: Wenn Intelligenz den Bildschirm verlässt, muss räumliches Computing die Grundlage sein, die KI im menschlichen Kontext verankert.
Dieser Gedanke zog sich durch alle „Contextual AI“-Vorträge. Experten zeigten, wie sich große Sprachmodelle (LLMs) zu „Large World Models“ (LWMs) weiterentwickeln. Der Branchenvordenker Alvin W. Graylin sprach über „programmierbare Realität“ und „allgegenwärtige Intelligenz“. Seine Analyse: KI-gesteuerte XR-Systeme werden menschliche Wahrnehmung und Entscheidungsfindung zunehmend beeinflussen. Das mache Vertrauen und menschliche Handlungsfähigkeit zu zentralen Themen.
Passend zum Thema „Contextual AI“: Die EU hat mit der neuen KI-Verordnung klare Regeln für Entwickler, Anbieter und Anwender von KI-Systemen erlassen. Wer jetzt Produkte wie intelligente Brillen, übersetzende AR-Module oder Device‑Offloading-Architekturen plant, muss Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen und ausführliche Dokumentationsanforderungen beachten. Der kostenlose Umsetzungsleitfaden erklärt praxisnah, welche Schritte jetzt nötig sind, um Bußgelder zu vermeiden und Fristen einzuhalten. Kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen
Mark Billinghurst trieb den humanzentrierten Ansatz weiter. Sein Konzept des „Empathic XR“ beschreibt immersive Systeme, die Nutzerabsicht, Emotion und physiologischen Kontext erfassen können. Ein Abschied vom passiven Datenkonsum hin zu aktiver, bidirektionaler Interaktion, bei der die Hardware den Zustand des Nutzers „versteht“.
Hardware-Revolution: Snap und Samsung preschen vor
Die Software lieferte den Kontext, doch die Hardware steht als Auslieferungsmechanismus im Rampenlicht. Zwei Schwergewichte stahlen die Show: Snap Inc. und Samsung.
Atley Loughridge, Design Engineer bei Snap, skizzierte den Weg der Snap-AR-Technologie vom Prototyp zur Serienproduktion. Lens Studio werde zu einer KI-nativen Entwicklerplattform. Tragbare AR entwickle sich zur praktischen Computing-Schicht für den Alltag. Branchenberichte deuten an: Snap plant für später in 2026 eine neue Consumer-Version seiner Spectacles-Brille. Diese Next-Gen-Geräte sollen über eine eigene Firma, Specs Inc., vermarktet werden und „spatial tips“ (kontextuelle Informationen) sowie KI-Übersetzung bieten – ein Schritt weg von der simplen Kamerabrille hin zum vollintegrierten Spatial Computer.
Auch Samsung sorgte für Aufsehen. Nach einer kurzen Erwähnung im Q4-2025-Geschäftsbericht gab es auf der Messe Details zum Roadmap 2026. Seong Cho, Leiter der Mobile-Experience-Sparte, kündigte an, noch in diesem Jahr reichhaltige, multimodale KI-Erlebnisse über verschiedene Geräteklassen – inklusive AR-Brillen der nächsten Generation – liefern zu wollen. Analysten sehen Samsungs Markteintritt als Beschleuniger für Android-XR-Plattformen und ein robustes Ökosystem für Entwickler.
Infrastruktur & Unternehmen: Das 6G-Rechenkontinuum
Jenseits der Consumer-Gadgets stand die notwendige Infrastruktur im Fokus. Ericsson präsentierte seine Vision eines „6G AI Compute Continuum“. Diese Netzarchitektur soll den immensen Datenbedarf von immersiver AR bewältigen.
Laut Ericsson-Forschern ermöglicht dieses Kontinuum dynamisches Device Offloading. Schwere Rechenlasten werden von der Brille ins Netz verlagert. Dieser Schritt ist entscheidend, um Gewicht und Batterieverbrauch tragbarer Hardware zu reduzieren – bei gleichzeitig niedriger Latenz für realistische räumliche Überlagerungen.
Praktische Anwendungen demonstrierte Singapurs Home Team Science and Technology Agency (HTX). Die Behörde zeigte, wie sie AR-Headsets und biometrische Sensoren nutzt, um Echtzeitdaten in Hochstress-Trainingssimulationen zu analysieren. KI interpretiert physiologische Signale und Entscheidungsmuster. So entstehen adaptive Trainingsumgebungen, die die Leistung von Einsatzkräften verbessern – ein Paradebeispiel für Contextual AI im Dienste der öffentlichen Sicherheit.
Vom Spielzeug zum Werkzeug: Die Reifung des Marktes
Die Entwicklungen der Messe unterstreichen die Reifung des XR-Marktes. In früheren Jahren dominierten Grafik und Gaming. 2026 drehte sich alles um Nützlichkeit, Kontext und Integration. „Contextual AI“ bedeutet den Sprung vom simplen Sprachassistenten zum proaktiven Agenten, der sieht, was der Nutzer sieht.
Beobachter stellen fest: Die Grenze zwischen „Smart Glasses“ und „AR-Headsets“ verschwimmt. Optik wird besser, KI-Verarbeitung effizienter. Die Geräte werden kleiner, ihre Fähigkeiten größer. Das Leitmotiv „Alltagsnutzen“ zeigt: Hersteller zielen nicht mehr nur auf Early Adopters, sondern auf die breite Masse. Sie wollen konkrete, tägliche Probleme lösen – ob Echtzeit-Übersetzung, Navigation oder komplexe Arbeitsunterstützung.
Ausblick: Der Beweis steht 2026 an
Für den Rest des Jahres richten sich alle Blicke auf die angekündigten Produktlaunches. Die erwarteten Markteinführungen der Samsung-Brille und der neuen Snap Spectacles werden zum Lackmustest für die Verbraucherakzeptanz tragbarer KI.
Der in Singapur begonnene Dialog wird voraussichtlich auf der AWE USA im Juni in Long Beach fortgesetzt. Analysten prognostizieren, dass bis dahin konkretere Demonstrationen der „spatial tips“ und der „ambient intelligence“ zu sehen sein werden.
Die Erkenntnis der AWE Asia 2026 ist eindeutig: Die Ära isolierter KI-Chatbots endet. Die nächste Phase des Computing ist räumlich, kontextbezogen und wird im Gesicht getragen. Sie verspricht eine Zukunft, in der digitale Intelligenz nahtlos in den Stoff der physischen Welt eingewoben ist.
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