Arbeitszeit-Debatte

Arbeitszeit-Debatte: Politik fordert mehr, HR setzt auf KI

13.01.2026 - 12:30:12

Die Bundesregierung will mit flexibleren Arbeitszeiten gegen den Fachkräftemangel kämpfen. Doch Personalchefs warnen vor einem Rückfall in überholte Leistungsmythen – und setzen stattdessen auf KI und Gesundheit.

Die Diskussion erreichte diese Woche einen neuen Höhepunkt. Nach Plänen der Bundesregierung soll das Arbeitszeitgesetz gelockert werden. Ein Rahmen von bis zu 48 Stunden pro Woche könnte zum neuen Standard werden. Diese Initiative von Kanzler Friedrich Merz passt zur „Agenda 2.0“ von CSU-Chef Markus Söder, der explizit längere Wochenarbeitszeiten forderte.

Für Personalverantwortliche ist dieser politische Vorstoß ein Paradox. „Wir erleben eine politische Rückkehr zum ‚Input-Mythos‘ – dem Glauben, dass mehr Stunden automatisch mehr Output bedeuten“, analysieren Branchenkenner. Dieser Fokus auf reine Anwesenheit widerspricht den Strategien vieler Unternehmen im DACH-Raum für 2026. Sie setzen auf Effizienz, Gesundheit und technologische Unterstützung statt auf längere Schichten.

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Gesundheit versus Mehrbelastung

Der Ruf nach längeren Arbeitszeiten kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Belastbarkeit der Belegschaften steht bereits auf dem Prüfstand. Die digitale Transformation hat die Arbeitsdichte massiv erhöht. Der primäre Stressfaktor 2026 ist oft nicht die Dauer der Arbeit, sondern die Zersplitterung der Aufmerksamkeit und der Druck der „Always-on“-Kultur.

Die „Last Call Health-Studie 2026“, eine große Befragung von IT-Experten, unterstreicht: Psychische Gesundheit bleibt der kritische Engpass für Produktivität. Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass eine Erhöhung der Arbeitslast ohne Entlastung der strukturellen Belastungen zu einer Welle von „Quiet Quitting“ oder langfristigen Krankschreibungen führen könnte. Jeder theoretische Produktivitätsgewinn durch längere Stunden würde so zunichtegemacht. Personalabteilungen wird geraten, sich auf „Qualität der Arbeit“ statt auf „Quantität der Stunden“ zu konzentrieren.

KI als Produktivitätshebel

Statt den Arbeitstag zu verlängern, setzen fortschrittliche HR-Strategien im Januar 2026 auf die „KI-Dividende“. Die Integration von KI-Agenten in Kernprozesse ist der effektivste Hebel für mehr Produktivität. Durch die Automatisierung routinemäßiger Aufgaben können Unternehmen Output-Steigerungen erzielen, die das Potenzial einer zusätzlichen menschlichen Arbeitsstunde pro Woche bei weitem übertreffen.

Die Diskrepanz ist offensichtlich: Während die politische Debatte sich auf mechanische Arbeitszeit konzentriert, hat sich die wirtschaftliche Realität hin zu einer „Skills-based Organization“ verschoben. In diesem Modell wird Erfolg durch die Verfügbarkeit spezifischer Kompetenzen und den effektiven Einsatz automatisierter Tools definiert – nicht durch den Stempel auf einer Stechuhr.

Neudefinition von Erfolg: Output statt Input

Um den aktuell in der Politik kursierenden „Leistungsmythen“ etwas entgegenzusetzen, definieren HR-Verantwortliche die Erfolgsmetriken für 2026 neu. Die Strategie: Weg von „Zeit und Anwesenheit“, hin zu „Wirkung und Ergebnis“. Dies erfordert eine robuste Performance-Management-Kultur, die Ergebnisse objektiv messen kann – unabhängig von der dafür aufgewendeten Zeit.

Zu den Schlüsselelementen dieser Neudefinition gehören:
* Result-Only Work Environments (ROWE): Bewertung von Mitarbeitern ausschließlich anhand gelieferter Projektergebnisse.
* Asynchrone Produktivität: Wertschätzung von Arbeit, die außerhalb standardisierter Zeitfenster erledigt wird – im Widerspruch zum starren 48-Stunden-Block.
* Resilienz-Metriken: Die Gesundheit von Teams und Fluktuationsraten werden zu zentralen Leistungskennzahlen für den Führungserfolg. So wird sichergestellt, dass kurzfristiger Output nicht auf Kosten der langfristigen Leistungsfähigkeit der Belegschaft geht.

Ausblick: Zerrissen zwischen Politik und Praxis

Die kommenden Wochen werden voraussichtlich ein heftiges Tauziehen zwischen den Gesetzesvorhaben der neuen Regierung und der operativen Realität deutscher Unternehmen bringen. Während die „48-Stunden-Woche“ eine makroökonomische Lösung für den Arbeitskräftemangel bieten soll, werden einzelne Unternehmen wahrscheinlich weiterhin Strategien des „Mehr desselben“ ablehnen.

Experten prognostizieren: Die erfolgreichsten Organisationen 2026 werden jene sein, die ihre Belegschaft vor dem Druck, einfach „länger“ zu arbeiten, schützen. Stattdessen investieren sie in „schlaueres“ Arbeiten durch KI und flexible, gesundheitsbewusste Beschäftigungsmodelle. Während die Health-Studie 2026 ihre Datenerhebung bis zum 31. Januar fortsetzt, wartet die Branche auf weitere empirische Belege. Sie könnten die Waage zugunsten einer modernen, output-orientierten Arbeitskultur neigen.

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