Arbeitszeit-Debatte: Flexibilität gegen Schutz
06.02.2026 - 08:15:12Die Bundesregierung will den starren Acht-Stunden-Tag abschaffen – doch gleichzeitig verschärfen Behörden die Kontrollen zur Arbeitszeiterfassung. Ein Widerspruch, der Unternehmen in die Zange nimmt.
Regierungspläne für Wochenarbeitszeit heizen Streit an
Ende Januar brachte die Koalition mit ihrer Nationalen Tourismusstrategie den Stein ins Rollen. Sie kündigte an, noch 2026 das Arbeitszeitgesetz zu reformieren. Der Plan: Weg von der täglichen Höchstgrenze von acht Stunden, hin zu einer flexiblen wöchentlichen Obergrenze. Regierungsvertreter preisen dies als Befreiungsschlag für den Mittelstand und als Antwort auf den Wunsch vieler Beschäftigter nach mehr Selbstbestimmung. Die starren täglichen Vorgaben seien ein Bürokratie-Hindernis und nicht mehr zeitgemäß. Ziel ist eine Angleichung an den europäischen Standard von durchschnittlich 48 Stunden pro Woche.
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Doch während die Politik über mehr Freiheit diskutiert, schreibt eine andere Realität die Regeln.
Zeiterfassungspflicht: Gesetzeslücke mit teuren Folgen
Denn die Pflicht zur lückenlosen Arbeitszeiterfassung ist längst beschlossene Sache – nur nicht im Bundestag. Schon 2019 entschied der Europäische Gerichtshof, dass EU-weit Systeme zur Messung der Arbeitszeit nötig sind. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) bestätigte dies für Deutschland 2022. Ein konkreteres Gesetz dazu liegt jedoch seit einem Referentenentwurf aus dem Jahr 2023 in der Schublade.
Diese Gesetzeslücke ist kein Freibrief. Im Gegenteil: Die Aufsichtsbehörden der Länder gehen in die Offensive. Sie kontrollieren die Einhaltung der richterlich auferlegten Pflicht und verhängen bei Verstößen Bußgelder. Erste Verwaltungsgerichte bestätigten Anfang Februar die Rechtmäßigkeit dieser Sanktionen. Für Unternehmen bedeutet das: Sie müssen sofort handeln, auch ohne fertiges Gesetz. Die Rechtsdurchsetzung findet nicht im Parlament, sondern direkt vor Ort statt.
Unvereinbare Gegensätze: Vertrauen gegen Kontrolle
Die Debatte offenbart einen grundsätzlichen Konflikt. Auf der einen Seite steht das Modell der Vertrauensarbeitszeit, das in vielen Wissensberufen zum Standard wurde und für Agilität und moderne Unternehmenskultur steht. Auf der anderen Seite die Urteile von EuGH und BAG, die den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer in den Vordergrund stellen. Für die Gerichte ist die lückenlose Dokumentation das einzige wirksame Mittel gegen Überlastung und unbezahlte Mehrarbeit.
Kann die Politik einen Kompromiss finden, der beides unter einen Hut bringt? Die geplante Wochenarbeitszeit erhöht zwar die tägliche Flexibilität, löst aber nicht das Kernproblem: Wie wird die Gesamtzahl der Stunden verlässlich erfasst, ohne jedes Vertrauensverhältnis zu zerstören?
Heißes arbeitsrechtliches Jahr steht bevor
Die Fronten sind verhärtet. Gewerkschaften warnen vor der Entgrenzung der Arbeit, Arbeitgeberverbände feiern die Flexibilisierung als überfälligen Schritt für den Standort Deutschland. 2026 wird zum Schicksalsjahr für das deutsche Arbeitszeitrecht.
Die Regierung will ihre Reform noch in diesem Jahr durchbringen. Das wird unweigerlich die Frage nach der praktischen Umsetzung der Zeiterfassung in einem flexiblen System aufwerfen. Für Unternehmen bleibt die Lage angespannt: Sie müssen die aktuelle Pflicht umsetzen, während die Politik eine völlig neue Richtung signalisiert. Der Spagat zwischen moderner Flexibilität und wirksamem Arbeitnehmerschutz ist noch lange nicht geschafft.
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