Arbeitsrecht: Führungskräfte brauchen dringend Nachhilfe
19.01.2026 - 03:32:12Deutsche Unternehmen müssen ihre Führungskräfte in diesem Jahr umfassend im Arbeitsrecht schulen. Neue Gesetze und Gerichtsurteile erhöhen das Haftungsrisiko für unzureichend qualifizierte Manager massiv.
Berlin. Wer heute ein Team führt, braucht mehr als nur Führungsqualitäten. Das neue Jahr bringt einen Tsunami an arbeitsrechtlichen Neuerungen, der HR-Abteilungen unter Druck setzt. Der Fokus verschiebt sich weg von Soft Skills hin zu fundiertem Rechtswissen als Kernkompetenz für Vorgesetzte. Experten warnen: Manager ohne aktuelle Qualifikation werden zum erheblichen Risiko für ihre Unternehmen.
EU-Gehaltstransparenz: Offenlegung wird Pflicht
Die größte Herausforderung ist die EU-Transparenzrichtlinie, die bis Juni 2026 in deutsches Recht umgesetzt werden muss. Sie zielt auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit ab und verpflichtet Arbeitgeber zu nie dagewesener Offenlegung. Künftig müssen Unternehmen ihre Gehaltsstrukturen offenlegen. Die Beweislast kehrt sich um: Sie müssen nachweisen, dass geschlechtsspezifische Gehaltslücken nicht diskriminierend sind.
Ergänzend tritt 2026 ein neues deutsches Gleichstellungsgesetz in Kraft. Es verpflichtet dazu, in allen Stellenanzeigen Gehaltsspannen anzugeben. Für Führungskräfte bedeutet das: Sie können schwierige Gehaltsgespräche nicht mehr umgehen. Sie müssen die firmeninterne Vergütungsphilosophie, rechtliche Kriterien und eine defensive Kommunikationsstrategie beherrschen. Andernfalls drohen Diskriminierungsklagen und massive Unzufriedenheit im Team.
Mitbestimmung: Matrix-Urteil stärkt Betriebsräfte
Eine weitere Komplexitätsebene schafft ein Grundsatzurteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom Mai 2025. Es betrifft Führungskräfte in Matrix-Organisationen. Das Gericht entschied: Manager, die Mitarbeiter an mehreren offiziellen Betriebsstätten führen, können in den Betriebsratswahlen aller dieser Standorte wahlberechtigt sein – nicht nur an ihrer Stammniederlassung.
Diese Entscheidung hat massive Auswirkungen auf die anstehenden Betriebsratswahlen 2026. Sie verankert Führungskräfte stärker im Mitbestimmungsrahmen aller ihrer Teams. Daher müssen sie im Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) für verschiedene Standorte geschult werden. Sie müssen ihre erweiterten Rechte und Pflichten kennen und lernen, mit mehreren Betriebsräten konstruktiv zusammenzuarbeiten. Die Personalabteilungen stehen vor der Aufgabe, betroffene Manager zu identifizieren und gezielt fortzubilden.
Passend zum Thema Mitbestimmung: Kennen Ihre Führungskräfte die Mitbestimmungsrechte nach BetrVG wirklich? Viele Manager sind bei Betriebsratswahlen und Standort‑Mitbestimmung unsicher – das führt zu Fehlern, Konflikten und unnötigen Rechtsrisiken. Der kostenlose Leitfaden zum Betriebsverfassungsgesetz erklärt §87, Mitbestimmungsrechte bei Arbeitszeit und Überwachung sowie praktische Checklisten für die Schulung mehrerer Standorte. Ideal für HR‑Teams, die jetzt rechtssicher handeln müssen. Jetzt kostenlosen Leitfaden zum BetrVG herunterladen
Digitalisierung: Mehr Freiheit, mehr Verantwortung
Während Großgesetze Schlagzeilen machen, stellt die fortschreitende Digitalisierung der HR-Prozesse Manager vor neue Herausforderungen. Das Vierte Bürokratieentlastungsgesetz, das 2025 in Kraft trat, erlaubt es, Arbeitsverträge und Zeugnisse in Textform oder elektronisch auszustellen – die physische Unterschrift entfällt meist.
Doch diese Erleichterung mindert die Verantwortung der Vorgesetzten nicht. Sie müssen im korrekten und rechtssicheren Umgang mit digitalen Dokumenten geschult sein. Dazu gehören Kenntnisse im Datenschutz (DSGVO) in einer digitalen HR-Umgebung und das Wissen, wann die Schriftform doch zwingend ist – etwa bei einem befristeten Vertrag. Als erste Ansprechpartner für Mitarbeiter sind Manager in der Compliance-Vorfront. Ihre Fehler können das Unternehmen Risiken wie Bußgeldern oder Streits über Vertragsgültigkeit aussetzen.
Qualifizierung als strategischer Imperativ
Die aktuelle Rechtslage erfordert einen strategischen Ansatz in der Führungskräfteentwicklung. Arbeitsrecht darf kein Nischenthema mehr für Personaler und Juristen sein. Es muss zum festen Bestandteil im Werkzeugkasten jedes Managers werden. Rechtsexperten betonen: Die Sensibilisierung für compliance-relevante Themen wie Mindestlohnanpassungen und Arbeitszeitregelungen ist für die frühzeitige Risikoerkennung entscheidend.
Rahmenwerke wie das Gesetz zur Stärkung von Aus- und Weiterbildung bieten Unternehmen finanzielle Anreize und Werkzeuge wie das „Qualifizierungsgeld“, um die Weiterbildung ihrer Belegschaft zu fördern. Vorausschauende Organisationen nutzen diese Programme, um umfassende Rechtsmodule für ihre Führungskräfte aufzubauen. Diese decken alles ab – von Antidiskriminierungsrecht bis zum korrekten Umgang mit Krankmeldung und Kündigungen.
Diese Investition dient nicht nur der Prozessvermeidung. Sie schafft ein faires, transparentes und rechtssicheres Arbeitsumfeld, das Vertrauen aufbaut und Talente bindet. Die Welle an arbeitsrechtlichen Änderungen 2026 ist kein Endpunkt, sondern spiegelt eine neue Realität in der Arbeitswelt wider. Der Rechtsrahmen wird sich weiter entwickeln, angetrieben durch neue Arbeitsmodelle, technologischen Fortschritt und ein wachsendes Augenmerk auf Arbeitnehmerrechte.
Für Personalabteilungen liegt die Aufgabe darin, eine Kultur des kontinuierlichen rechtlichen Lernens in ihren Führungsreihen zu verankern. Unternehmen, die diese Phase erfolgreich meistern, werden ihre Manager mit dem Wissen und dem Selbstvertrauen ausstatten, Teams nicht nur effektiv, sondern auch rechtskonform zu führen. Die Qualifikation in aktuellem Arbeitsrecht ist kein „Kann“, sondern ein strategischer Imperativ für nachhaltigen Erfolg und Risikomanagement am deutschen Standort.
PS: Betriebsratswahlen 2026 rücken näher – sind Ihre Manager vorbereitet? Das kostenlose E‑Book liefert einen klaren Fahrplan für Organisation, Rechte und Verhandlungsstrategien, inklusive Muster‑Betriebsvereinbarungen und praktischen Checklisten. So identifizieren und qualifizieren Personalabteilungen betroffene Führungskräfte schnell und rechtskonform. Jetzt Materialien sichern und Schulungen ohne großen Vorlauf planen. Kostenlosen BetrVG‑Guide & Muster jetzt sichern


