Aprilia, Reality-Check

Aprilia RS 660 im Reality-Check: Ist dieses Bike der neue Sweet Spot zwischen Alltag und Adrenalinrausch?

01.01.2026 - 06:42:20

Zu weich zum echten Supersportler, zu hart für die Komfort-Fraktion: Viele Mittelkklasse-Bikes landen in der grauen Zone des „Ja, ganz okay“. Die Aprilia RS 660 verspricht etwas anderes – Leichtbau, Elektronik aus der Rennabteilung und alltagstaugliche Ergonomie. Hält sie das wirklich?

Wenn du nach jeder Ausfahrt denkst: „Eigentlich bräuchte ich zwei Motorräder…“

Du kennst das Dilemma: Das Herz will Rennstrecke, die Realität sagt Pendelstrecke. Du willst Kurven fressen, aber am Montag musst du mit dem gleichen Bike ins Büro, durch die Stadt, vielleicht sogar mit Sozia übers Land. Supersportler sind brutal, geil – und im Alltag oft die falsche Waffe. Naked-Bikes sind entspannt, aber dir fehlt das bisschen „Race-Feeling“, für das du überhaupt fährst.

Also suchst du nach dem unmöglichen Kompromiss: Leicht, emotional, scharf genug für die Hausstrecke – aber nicht so extrem, dass dir nach 40 Kilometern die Handgelenke brennen. Schnell, aber nicht völlig irre. Modern, aber nicht überladen. Kurz: ein Motorrad, das sich im Alltag nicht wie ein Fehler anfühlt, aber am Sonntag wie eine kleine Offenbarung.

Genau hier taucht ein Name immer wieder in Foren, auf Reddit, in YouTube-Reviews auf – fast wie ein Geheimtipp, der längst keiner mehr ist.

Die Lösung hat einen Namen: Aprilia RS 660

Die Aprilia RS 660 ist Aprilias Antwort auf die Frage: „Wie viel Supersport braucht der Alltag wirklich?“ Sie sieht aus wie ein verkleinerter Superbike-Ableger, wie eine kleine RSV4 für den vernünftigen Teil deines Lebens – und fährt sich laut vielen Testern exakt so, wie sich dieser Satz in deinem Kopf anfühlt.

Mit rund 100 PS aus einem 659-ccm-Reihentwin (streng genommen ein Parallel-Twin), einem Trockengewicht deutlich unter 190 Kilo und einer Elektronik, die sonst in der Liga über 200 PS zu Hause ist, positioniert sich die RS 660 exakt in der goldenen Mitte: leichter als viele Konkurrenten, stärker als typische „Einstiegsbikes“, aber längst nicht so kompromisslos wie ein vollblütiger Supersportler.

Das Ergebnis? Ein Motorrad, über das auf Reddit & Co. immer wieder dieselben Worte fallen: „leichtfüßig“, „vertrauenerweckend“, „fühlt sich sofort richtig an“. Und genau das ist der Punkt: Die RS 660 will nicht beeindrucken, sie will dich anstecken.

Warum gerade dieses Modell? Der Realitäts-Check

Bevor wir über Datenblätter sprechen, lass uns darüber reden, wie sich die Zahlen in deinem Alltag anfühlen. Denn 100 PS sind auf Papier nichts Spektakuläres – aber gepaart mit niedrigem Gewicht, moderner Geometrie und Elektronik kann das ganz schnell zur perfekten Mischung werden.

  • Leichtgewicht statt Leistungswahn: Während viele Hersteller im Mittelsegment auf dicke Zahlen und 4-Zylinder setzen, verfolgt die RS 660 den Leichtbau-Ansatz. Das spürst du beim Rangieren in der Garage genauso wie auf engen Landstraßen. Du brauchst weniger Kraft, weniger Mut – und kannst früher ans Gas.
  • Elektronik auf Oberklasse-Niveau: Traktionskontrolle, Kurven-ABS, verschiedene Fahrmodi, ein Quickshifter (je nach Version, oft serienmäßig) und ein konfigurierbares Display: Das sind Dinge, die wir vor wenigen Jahren noch mit 200-PS-Raketen verbunden haben. Hier sorgen sie vor allem für eins: Sicherheit und Gelassenheit, ohne den Spaß zu kastrieren.
  • Motor mit Charakter statt Drehzahlorgel: Der Zweizylinder liefert sein Drehmoment früher als viele Vierzylinder-Konkurrenten. Bedeutet: Du musst nicht permanent 12.000 Touren anlegen, um Spaß zu haben. Auf der Landstraße fährst du mehr „aus dem Handgelenk“, weniger aus dem Getriebedeckel.
  • Ergonomie: Sportlich, aber nicht masochistisch: Viele Nutzer loben die RS 660 dafür, dass sie sportlich sitzt, aber nicht bestraft. Die Stummel-Lenker sind höher als bei Hardcore-Supersportlern, die Knieposition ist engagiert, aber nicht verriegelt. Ideal, wenn du sowohl Feierabendrunde als auch Tagestour fahren willst.
  • Design mit großer Bühne im Kopf: Optisch spielt die RS 660 klar in der Liga der „großen“ Superbikes. Dreifach-LED-Front, aggressiver Blick, scharf geschnittenes Heck – du bekommst dieses Race-Bike-Gefühl, ohne gleich den TÜV-Prüfer oder deinen Rücken zu verschrecken.

Auf dem Papier klingt das alles logisch. Aber was heißt das konkret für dein Leben als Fahrer? Ganz einfach: Du musst dich weniger entscheiden. Weniger „Entweder Rennstrecke oder Alltag“. Mehr „Warum nicht beides?“.

Auf einen Blick: Die Fakten

Die genauen Werte können je nach Baujahr und Variante leicht variieren – prüfe also vor dem Kauf immer die aktuellste Herstellerangabe auf der offiziellen Website. Die folgenden Punkte fassen die aus Testberichten und Herstellerdaten abgeleiteten Kernfakten zusammen:

Merkmal Dein Nutzen
ca. 659 ccm Zweizylinder mit rund 100 PS Ausreichend Leistung für echte Dynamik, ohne dich permanent zu überfordern – perfekt für Landstraße und gelegentlichen Trackday.
Geringes Gewicht im Vergleich zur Klasse Leichtes Handling, einfaches Rangieren und ein sehr intuitives Fahrgefühl – ideal, wenn du kein Bodybuilder bist oder viel Stadt fährst.
Moderne Elektronik (Fahrmodi, Traktionskontrolle, Kurven-ABS) Mehr Sicherheit auf nasser Fahrbahn, in Schräglage und bei Notbremsungen – ohne dir das Gefühl zu nehmen, selbst zu fahren.
Quickshifter/Blipper (modellabhängig serienmäßig) Schnelle, ruckarme Gangwechsel ohne Kupplung – fühlt sich nach Rennstrecke an, spart im Alltag Aufmerksamkeit.
Sportliche, aber alltagstaugliche Sitzposition Genug Druck auf dem Vorderrad für präzises Einlenken, ohne dass dir nach 30 Minuten Handgelenke und Nacken wehtun.
Markantes, aerodynamisches Design Du fällst auf – nicht nur an der Eisdiele, sondern auch im Rückspiegel anderer Verkehrsteilnehmer. Sichtbarkeit ist Sicherheit.
Aprilia-typisches Chassis-Setup Sehr hohe Kurvenstabilität und Feedback – ein Bike, das dir Vertrauen gibt, auch wenn du deine Komfortzone verlässt.

Das sagen Nutzer und Experten

Wer sich durch YouTube-Reviews, Magazine und Reddit-Threads zur Aprilia RS 660 klickt, stößt immer wieder auf ähnliche Punkte. Die Grundstimmung ist: „Endlich ein Bike, das nicht nur fürs Datenblatt gebaut wurde.“

Was wird besonders geliebt?

  • Handling: Viele Fahrer betonen, wie leicht und präzise die RS 660 einlenkt. Begriffe wie „Fahrradgefühl“ und „super vertrauenerweckend“ fallen auffallend oft.
  • Motor-Charakter: Der Zweizylinder wird als lebendig, drehfreudig, aber nicht nervig beschrieben. Besonders positiv: das nutzbare Drehmoment im mittleren Bereich – perfekt für kurvige Landstraßen.
  • Elektronik-Paket: Im Vergleich zu einigen Wettbewerbern im Mittelsegment wirkt die Ausstattung bei der RS 660 oft eine Klasse höher. Viele Fahrer fühlen sich dadurch sicherer und gleichzeitig „moderner“ unterwegs.
  • Design & Emotion: Fast alle Reviews erwähnen, wie „erwachsen“ und hochwertig das Bike wirkt. Es fühlt sich an, als würdest du ein großes Superbike fahren – nur eben in der Druckstufe „realistisch“.

Wo gibt es Kritik?

  • Zuverlässigkeitsdiskussionen: In manchen Foren werden einzelne Fälle von Kinderkrankheiten früher Baujahre (Elektronik, Motorthemen) erwähnt. Insgesamt sind das aber Einzelfälle; die Tendenz in neueren Jahrgängen geht klar Richtung ausgereifter.
  • Preisniveau: Die RS 660 liegt preislich meist etwas über klassischem „Einsteigergerät“. Viele Nutzer sagen allerdings im gleichen Atemzug: „…aber das Bike fährt sich auch deutlich hochwertiger.“
  • Langstreckenkomfort: Einige Fahrer berichten, dass sehr lange Autobahn-Etappen nicht ihre Lieblingsdisziplin sind. Aber: Du kaufst dir hier ein sportliches Bike – kein Sofa auf zwei Rädern.

Unterm Strich ist der Tenor klar: Wenn du genau diesen Sweet Spot zwischen sportlich und alltagstauglich suchst, überstrahlen Fahrgefühl und Emotion kleine Schwächen deutlich.

Alternativen vs. Aprilia RS 660

Natürlich ist die RS 660 nicht alleine im Segment. In der Mittelklasse tummeln sich Bikes wie Yamaha R7, Kawasaki Ninja 650 oder auch sportliche Naked-Bikes wie KTM 790 Duke oder Yamaha MT-09 (wenn du bereit bist, auf Verkleidung zu verzichten).

Im Vergleich zu klassischen Alternativen punktet die RS 660 vor allem hier:

  • Elektronik: Im direkten Vergleich zu vielen Mitbewerbern wirkt das Assistenzpaket der RS 660 moderner und umfangreicher. Gerade das Kurven-ABS und die fein einstellbare Traktionskontrolle heben sie in Tests immer wieder nach vorne.
  • Gewicht & Chassis: Das Fahrwerk und die Gewichtsverteilung werden in Experten-Reviews häufig als „nahe an echten Supersportlern“ beschrieben, aber mit mehr Alltagstoleranz. Viele Konkurrenten sind entweder weicher oder träger abgestimmt.
  • Design & Image: Während eine Ninja 650 oft als „vernünftig“ durchgeht, spielt die RS 660 optisch klar in der Traumgarage-Liga. Der emotionale Faktor ist hier einfach höher.
  • Motor-Charakter: Gegenüber manchen Vierzylindern bietet der Zweizylinder der Aprilia früher nutzbares Drehmoment – das fühlt sich auf der Landstraße frischer und weniger gestresst an.

Ja, du zahlst für die RS 660 tendenziell etwas mehr als für die klassisch „vernünftigen“ Mittelklasse-Sportler. Aber du bekommst dafür ein Paket, das näher an den großen Superbikes ist – ohne deren Kompromisse. Angesichts der Ausstattung und des Fahrgefühls ist die Preis-Leistungs-Bilanz im enthusiastischen Segment sehr stark.

Und noch ein Detail für alle, die auch gern hinter die Marke schauen: Die Aprilia RS 660 stammt aus dem Universum von Piaggio & C. SpA (ISIN: DE000PIAG239), also derselben Unternehmensgruppe, zu der auch Marken wie Moto Guzzi und Vespa gehören. Das heißt: Erfahrung, Infrastruktur und ein Hersteller, der das Spiel auf zwei Rädern seit Jahrzehnten kennt.

Fazit: Lohnt sich der Kauf?

Wenn du ein Motorrad suchst, das nur eine Sache kann – zum Beispiel maximal schnell sein oder maximal komfortabel – dann gibt es passendere Spezialisten. Aber wenn du ehrlich zu dir bist und sagst: „Ich will mich nicht entscheiden müssen“, dann wird die Aprilia RS 660 plötzlich extrem interessant.

Sie ist schnell genug, um dich auf der Hausstrecke ernsthaft zu fordern. Leicht genug, um sich nie wie Arbeit anzufühlen. Modern genug, um dich mit Assistenzsystemen im Hintergrund zu begleiten – ohne dir den Spaß zu nehmen. Und emotional genug, dass du sie beim Parken noch einmal anschaust, während du weggehst.

Genau darum wirst du überall dieses wiederkehrende Motiv finden: Fahrer, die sagen, sie hätten mit der RS 660 wieder neu entdeckt, wie sich Motorradfahren anfühlen kann, wenn alles zusammenpasst – Hirn, Herz und Hände.

Also: Suchst du wirklich nur das nächste Motorrad – oder suchst du das Bike, mit dem du dich wieder wie am ersten Tag auf zwei Rädern fühlst?

@ ad-hoc-news.de