Apple, App-Store-Gebühr

Apple führt in der EU erfolgsabhängige App-Store-Gebühr ein

01.01.2026 - 11:12:12

Apple hat sein umstrittenes Geschäftsmodell in der Europäischen Union grundlegend reformiert. Ab heute ersetzt eine neue Core Technology Commission die gefürchtete Installationsgebühr. Diese Kehrtwende beendet einen einjährigen Machtkampf mit Brüssel.

Die als Core Technology Fee bekannte Pauschale von 50 Cent pro jährlicher Installation über einer Million ist ab sofort Geschichte. Sie war seit ihrer Einführung 2024 der größte Streitpunkt. Kritiker hatten moniert, dass sie vor allem Entwickler von kostenlosen Apps existenziell bedrohte, deren Downloads nicht mit Einnahmen einhergingen.

Die neue Core Technology Commission (CTC) setzt nun auf Erfolgsbeteiligung. Sie beträgt pauschal fünf Prozent auf den Verkaufspreis digitaler Güter und Dienstleistungen. Die Gebühr fällt innerhalb von zwölf Monaten nach der Installation an und gilt auch für Verkäufe über externe Webseiten. Damit reagiert Apple direkt auf Kritik der EU-Kommission im Rahmen des Digital Markets Act (DMA). Das Ziel: Apples Einnahmen sollen künftig am tatsächlichen Entwickler-Erfolg hängen, nicht mehr an der bloßen Verbreitung.

So funktioniert das neue Gebühren-Puzzle

Für EU-Entwickler, die alternative Geschäftsbedingungen nutzen, gilt ab sofort ein mehrschichtiges Gebührensystem. Es setzt sich aus drei Komponenten zusammen:

  1. Core Technology Commission (CTC): Die neue Pauschalgebühr von 5 Prozent auf digitale Verkäufe.
  2. Erstakquisitions-Gebühr: Zwei Prozent auf Verkäufe in den ersten sechs Monaten nach dem Download. Apple begründet diese mit dem Wert seiner Plattform für die Neukundengewinnung.
  3. Store-Service-Gebühr: Eine variable Gebühr für laufende Plattformdienste. Zur Wahl stehen „Tier 1“ (Basis) mit fünf Prozent für Hosting und Sicherheit oder „Tier 2“ (Vollumfang) mit 13 Prozent inklusive automatischer Updates und personalisierter Empfehlungen.

Unter diesem Modell kann die maximale Gesamtgebühr für Entwickler mit externen Zahlungslinks bei etwa 20 Prozent liegen. Das ist deutlich weniger als die traditionellen 30 Prozent, aber mehr, als sich radikale Kritiker erhofft hatten. Der größte Gewinner sind Entwickler komplett kostenloser Apps: Sie zahlen an Apple jetzt gar nichts mehr.

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Globaler Flickenteppich für Entwickler

Parallel zur EU-Reform hat Apple in Japan ein ähnliches Modell eingeführt. Auch dort gilt nun eine fünfprozentige Core Technology Commission für Apps außerhalb des offiziellen Stores. Dies deutet darauf hin, dass die CTC Apples global standardisierte Antwort auf regulatorischen Druck wird – und kein EU-Experiment.

Doch der rechtliche Druck bleibt hoch. In Großbritannien kämpft Apple gleichzeitig gegen eine Strafe in Höhe von 1,5 Milliarden Pfund wegen seiner historischen Provisionsmodelle. Das Ergebnis ist ein fragmentierter globaler Markt. Während in Europa und Japan die CTC gilt, behält Apple in den USA und anderen Regionen sein traditionelles Modell bei. Für internationale Entwickler bedeutet das erheblichen bürokratischen Aufwand.

Zwischen Erleichterung und neuer Kritik

Die Reaktionen aus der Branche sind verhalten optimistisch. Kleinere Entwickler atmen auf, da die Gefahr horrender Gebühren für viralen Erfolg gebannt ist. Große Entwickler und scharfe Kritiker hingegen sprechen weiter von „bösgläubiger Compliance“. Sie argumentieren, dass die stapelbaren Gebühren weiterhin Apples dominante Marktstellung und Einnahmen sichern sollen.

Die EU-Kommission wird die Einführung der CTC in den kommenden Wochen genau beobachten. Die entscheidende Frage lautet: Wird die effektive Gesamtgebühr von rund 20 Prozent Entwickler davon abhalten, das proprietäre Bezahlsystem von Apple zu verlassen? Falls diese Hürde als zu hoch für echten Wettbewerb eingestuft wird, droht noch 2026 weiterer regulatorischer Eingriff.

Für den Moment ist die akute Gefahr gebannt. EU-Entwickler stehen nun vor einer komplexen Rechnung: Lohnen sich die niedrigeren Gebühren, oder überwiegen der administrative Aufwand für die separate Abrechnung und der Verlust integrierter Store-Dienste? Die Antwort darauf wird die Zukunft des App-Marktes in Europa prägen.

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