Anthropic-Chef, KI-Sturm

Anthropic-Chef warnt vor KI-Sturm auf den Arbeitsmarkt

06.02.2026 - 05:34:12

Der CEO von Anthropic prognostiziert, dass Künstliche Intelligenz binnen fünf Jahren die Hälfte der Einsteigerjobs in Wissensberufen ersetzen könnte. Die Transformation stellt Wirtschaft und Gesellschaft vor immense Herausforderungen.

KI könnte binnen fünf Jahren die Hälfte aller Einsteiger-Jobs in Büroberufen verdrängen. Diese drastische Prognose stammt von Dario Amodei, CEO des KI-Sicherheitsunternehmens Anthropic. Seine Warnung vor einer „ungewöhnlich schmerzhaften“ Transformation trifft auf eine bereits abkühlende US-Konjunktur – und stellt Europa vor die gleiche Herausforderung.

Eine neue Klasse der Automatisierung

Was unterscheidet die aktuelle KI-Revolution von früheren Technologiesprüngen? Laut Amodei ist es die Geschwindigkeit und die breiten kognitiven Fähigkeiten der Systeme. Während mechanisierte Landwirtschaft einst spezifische Sektoren traf, wirkt moderne KI wie ein „genereller Arbeitsersatz für Menschen“. Sie erfasst gleichzeitig zahlreiche Wissensberufe – von Jura über Finanzen bis zur Unternehmensberatung.

Die traditionellen Fluchtwege für verdrängte Arbeitskräfte könnten damit wegbrechen. Betroffene hätten kaum Zeit, sich für unberührte Rollen umschulen zu lassen. Die Folge: eine dauerhafte Unterschicht von Arbeitslosen oder Geringverdienern. Die Gesellschaft stehe vor einem Anpassungsdruck, für den historische Industrielle Revolutionen Generationen Zeit hatten.

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Wirtschaftsdaten und Marktzitter

Aktuelle Konjunkturdaten untermauern die Sorgen. In den USA sanken die offenen Stellen auf den niedrigsten Stand seit September 2020. Allein im Januar kündigten US-Arbeitgeber über 108.000 Entlassungen im Technologiesektor an – der höchste Wert für einen Januar seit 2009.

Auch die Finanzmärkte reagieren nervös. Die Ankündigung eines neuen KI-gestützten „Digital-Colleague“-Tools von Anthropic löste einen deutlichen Ausverkauf bei Software-Aktien aus. Anleger fürchten, dass solche KI-nativen Tools traditionelle Unternehmenssoftware ersetzen und ganze Geschäftsmodelle obsolet machen könnten.

Jobs werden umgestaltet, nicht sofort ersetzt

Die unmittelbare Realität ist laut einer neuen Studie von Anthropic selbst noch differenzierter. Der Bericht „Economic Primitives“ zeigt: KI ersetzt derzeit nicht massenhaft Arbeitsplätze, sondern verändert die Art der Arbeit. Generative KI wird vor allem als Assistent für komplexe Aufgaben eingesetzt und steigert so die Produktivität.

Diese Produktivitätsgewinne sind jedoch ungleich verteilt. Den größten „Geschwindigkeitsschub“ erfahren Rollen, die bereits ein hohes Maß an Humankapital erfordern. Für Unternehmen bedeutet das: Der unmittelbare Nutzen liegt in der Integration der Technologie und der Weiterbildung der Belegschaft, nicht in radikalen Personalabbau.

Eine „zivilisatorische Herausforderung“

Der Kontrast zwischen KI als heutigem Assistenten und ihrem Potenzial als Jobkiller der Zukunft beschreibt ein fundamentales Dilemma. Amodei spricht von einer „zivilisatorischen“ Frage. In seinem Essay „The Adolescence of Technology“ warnt er: Die Menschheit erhalte „fast unvorstellbare Macht“, ohne über ausgereifte Systeme zu ihrer Steuerung zu verfügen.

Der wirtschaftliche Anreiz, KI voranzutreiben, sei so gewaltig, dass es der Gesellschaft schwerfallen werde, Grenzen zu setzen. Die Transition könnte einerseits immensen Wohlstand und Lösungen für Probleme wie Krankheiten schaffen. Andererseits drohe sie, die Ungleichheit zu vertiefen, wenn ein großer Teil der Bevölkerung keinen Weg zur wirtschaftlichen Teilhabe mehr finde.

Der Weg nach vorn

Die Debatte dreht sich nun um das Management dieses Übergangs. Gefordert werden proaktive Maßnahmen: Unternehmen sollten KI eher für Innovation nutzen – also mit gleicher Personalstärke mehr leisten – und nicht primär für Kosteneinsparungen durch Stellenabbau. Anthropic erwägt eigenen Angaben zufolge sogar Kompensationsmechanismen für verdrängte Arbeitskräfte.

Die zentrale Forderung lautet: Die Öffentlichkeit muss wachgerüttelt werden. Das bedeutet für den Einzelnen, Karrierewege zu überdenken, die besonders automatisierungsanfällig sind. Für die Gesellschaft geht es darum, robuste regulatorische Rahmenbedingungen und internationale Koordination aufzubauen. Die Herausforderung ist gewaltig, aber die Zeit zum Handeln ist jetzt.

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