Amazon, Missbrauchsbilder

Amazon entdeckt Missbrauchsbilder in KI-Trainingsdaten

01.02.2026 - 01:23:11

Amazon meldete über eine Million Funde illegaler Inhalte in externen KI-Datensätzen, was systemische Sicherheitslücken in der gesamten KI-Branche offenbart.

Amazon steht im Zentrum eines Datenskandals, der die gesamte KI-Branche erschüttert. Der Konzern bestätigte die Entdeckung von Kinderpornografie in externen Datensätzen für seine KI-Systeme. Die Funde werfen grundlegende Fragen zur Sicherheit globaler KI-Entwicklung auf.

KI-Boom mit toxischer Datengrundlage

Der Tech-Riese meldete die Funde an die US-amerikanische National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC). Damit rückt ein systemisches Problem ins Blickfeld: Die unüberschaubaren Datenmengen, mit denen KI-Modelle trainiert werden, sind häufig verunreinigt. Amazon betont, das Material sei entfernt worden, bevor es in produktiven KI-Modellen landete. Doch der Vorfall zeigt eine kritische Schwachstelle auf.

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Alarmierend ist das Ausmaß: Amazon war laut Berichten für den „überwiegenden Teil“ von mehr als einer Million KI-bezogener Meldungen an die NCMEC im Jahr 2025 verantwortlich. Diese Zahlen verdeutlichen die Dimension des Problems und positionieren Amazon im Zentrum einer wachsenden Krise um illegale Inhalte in KI-Grundlagentechnologien.

„Nicht verwertbare“ Meldungen behindern Strafverfolgung

Ein zentraler Kritikpunkt von Kinderschutz-Organisationen ist die Qualität der Amazon-Meldungen. Die NCMEC bezeichnete sie größtenteils als „nicht verwertbar“. Der Grund: Amazon konnte keine entscheidenden Quellinformationen liefern, die auf den Ursprung des Materials schließen lassen. Ohne diese Daten können Strafverfolgungsbehörden kaum Ermittlungen einleiten, Täter identifizieren oder Opfer retten.

Die NEMEC-Direktorin Fallon McNulty sprach von einem „Ausreißer“ im Vergleich zu anderen Tech-Firmen, die üblicherweise verwertbare Daten liefern. Amazon verteidigt sich: Die Natur der Datensammlung von Drittanbietern mache genaue Herkunftsnachweise unmöglich. Der Konzern hatte die NCMEC bereits 2024 über diese Einschränkung informiert.

Systemrisiko für die gesamte KI-Industrie

Der Fall ist kein Einzelfall, sondern offenbart ein systemisches Risiko für die gesamte KI-Branche. Viele Modelle werden mit riesigen, aus dem Internet gesammelten Datensätzen trainiert – eine Praxis, die illegale Inhalte zwangsläufig einschleusen kann. Die Annahme, kommerzielle KI-Modelle basierten auf „sauberen“ Daten, ist damit hinfällig.

Bereits eine Studie der Stanford Internet Observatory von 2023 hatte tausende verdächtige Bilder im weit verbreiteten LAION-Datensatz entdeckt. Dieser wurde unter anderem für Bild-KI-Modelle wie Stable Diffusion genutzt. Die jüngsten Enthüllungen erhöhen den Druck auf die Industrie, wirksamere Scan-Technologien und Transparenzstandards für Datenherkunft zu entwickeln.

Explodierende Fallzahlen und unklare Gegenmaßnahmen

Die Verbreitung von KI hat zu einem dramatischen Anstieg entdeckter Missbrauchsbilder geführt. Die NCMEC verzeichnete einen Anstieg von nur 4.700 Meldungen im Jahr 2023 auf über eine Million im Jahr 2025. Dies zeigt verbesserte Detektionsfähigkeiten, aber auch das alarmierende Ausmaß des Grundproblems.

Als Reaktion haben große KI-Unternehmen, darunter Amazon, schärfere Kinderschutz-Maßnahmen versprochen. Amazon betont den Einsatz von Scan-Technologien und seine Mitgliedschaft in der Tech Coalition. Doch die Wirksamkeit dieser Schutzvorkehrungen steht nach den jüngsten Enthüllungen auf dem Prüfstand.

Die Untersuchungen bei Amazon laufen. Der Vorfall markiert jedoch einen Wendepunkt, der verschärfte Regulierung und branchenweite Standards für Datenbeschaffung und -prüfung nach sich ziehen dürfte. Die Herausforderung für die Tech-Branche lautet: Wie baut man leistungsstarke KI-Systeme, ohne die schädlichsten Inhalte des digitalen Raums unwissentlich zu übernehmen und zu perpetuieren?

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