Amazon, Experiment

Amazon beendet Experiment mit Handflächen-Scanner

02.02.2026 - 00:01:12

Amazon stellt den Handscan-Dienst Amazon One ein und schließt seine Go- und Fresh-Filialen in den USA. Der Tech-Konzern konzentriert sich nach dem gescheiterten Experiment nun auf Whole Foods und Lizenzgeschäfte.

Amazon zieht sich aus dem Geschäft mit biometrischen Bezahlungen zurück und schließt alle eigenen Supermärkte in den USA. Der Tech-Riese beendet damit eine teure Experimentierphase im stationären Handel.

Strategische Kehrtwende im Einzelhandel

Amazon stellt seinen biometrischen Bezahldienst Amazon One ein und schließt alle 72 Amazon Go und Amazon Fresh Filialen in den USA. Die Handflächen-Scanner verschwinden bis Juni 2026 aus allen Geschäften, die meisten Supermärkte schließen bereits heute. Die Begründung: zu geringe Kundenakzeptanz.

Diese Entscheidung markiert das Ende eines Jahrzehnts voller Experimente im stationären Handel. Nachdem Amazon bereits seine Buchhandlungen, 4-star- und Pop-up-Stores sowie die Modegeschäfte Amazon Style geschlossen hat, bleibt nun nur noch Whole Foods Market als physische Präsenz im US-Lebensmittelhandel übrig. Die Übernahme der Bio-Supermarktkette 2017 erweist sich rückblickend als nachhaltigster Schritt.

Technologie ohne Massenakzeptanz

Das 2020 eingeführte Amazon One-System galt als revolutionär: Kunden konnten mit einem Handscan bezahlen, nachdem sie ihre Kreditkarte mit ihrem palmaren Venenmuster verknüpft hatten. Die Technologie war zunächst in Amazon Go Stores in Seattle im Einsatz und expandierte später zu Whole Foods und Partnern wie Panera Bread.

Anzeige

Passend zum Thema Datenschutz bei Biometrie-Projekten — biometrische Handvenenmuster gelten als besonders schützenswerte personenbezogene Daten. Viele solcher Projekte benötigen eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA), um Risiken zu bewerten und rechtssicher zu dokumentieren. Das kostenlose E-Book liefert praxisnahe Muster-Vorlagen in Word und Excel, Checklisten und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erstellung einer rechtskonformen DSFA. Kostenlosen DSFA-Leitfaden mit Vorlagen herunterladen

Doch trotz technischer Funktionalität blieb der Durchbruch aus. Selbst in stark frequentierten Whole Foods-Märkten nutzten nur wenige Kunden die Handscan-Option. Die Hürde der Registrierung und mögliche Datenschutzbedenken bei biometrischen Daten bremsten die Adoption. Amazon betont, alle gespeicherten Kundendaten nach Service-Ende sicher zu löschen.

Markt noch nicht bereit für Biometrie

Das Scheitern von Amazon One zeigt eine grundlegende Wahrheit der Digitalisierung: Technologische Möglichkeiten garantieren noch keinen Markterfolg. Während kontaktlose Zahlungen und digitale Geldbörsen boomen, scheint die dedicated Biometrie eine zu hohe Einstiegshürde zu haben.

Interessanterweise setzen andere Player wie J.P. Morgan und Südkoreas Toss weiter auf biometrische Bezahlsysteme. Amazons Erfahrung wirkt jedoch als Warnung: Der Wert für den Kunden muss über den Neuigkeitsfaktor hinausgehen. Das Scheitern war kein technologisches, sondern ein wirtschaftliches Problem gepaart mit Gewohnheiten der Verbraucher.

Fokus auf bewährte Stärken

Amazon konzentriert seine Lebensmittelstrategie nun ganz auf Whole Foods. Geplant sind über 100 neue Standorte in den kommenden Jahren sowie die Expansion des kleineren „Daily Shop“-Formats. Einige geschlossene Amazon Fresh Filialen könnten zu Whole Foods umgebaut werden.

Die entwickelten Technologien werden jedoch weiter genutzt: Das kassierlose „Just Walk Out“-System, Herzstück der Amazon Go Stores, wird als Lizenzdienst für Dritthändler angeboten und ist bereits in Hunderten Stadien und Flughäfen im Einsatz. Die Marke Amazon Fresh bleibt als Online-Lieferservice erhalten.

Die Rückkehr zu bewährten Geschäftsmodellen zeigt: Amazons Stärken liegen im digitalen Handel und der etablierten Whole Foods-Marke. Das teure Experiment, den stationären Handel neu zu erfinden, hat wertvolle Erkenntnisse gebracht – aber auch klare Grenzen aufgezeigt.

Anzeige

PS: Droht Ihrem Projekt ein Bußgeld wegen fehlender DSFA? Bei Verstößen können bis zu 2% des Jahresumsatzes an Bußgeldern fällig werden — besonders bei Verarbeitung sensibler Biometriedaten. Dieses kostenlose E-Book bietet sofort nutzbare Vorlagen, Checklisten und Umsetzungsschritte, mit denen Datenschutzbeauftragte und Projektverantwortliche eine rechtssichere DSFA erstellen. Jetzt kostenlosen DSFA-Download sichern

@ boerse-global.de