Accentro: Mehrheitseigner verliert Macht nach Kapitalerhöhung
29.01.2026 - 07:01:11Die Accentro Real Estate AG hat ihren größten Aktionär durch eine Kapitalmaßnahme entmachtet. Eine Stimmrechtsmitteilung zeigt: Der Anteil des Investors Natig Ganiyev sank von über 83 Prozent auf knapp drei Prozent.
Grund ist eine umfassende Kapitalerhöhung im Zuge der Sanierung des Immobilienunternehmens. Die sogenannte Verwässerung trat bereits Ende Oktober 2025 in Kraft. Die offizielle Meldung erfolgte nun über die BaFin.
Was die Zahlen sagen
- Alter Stimmrechtsanteil: 83,10 %
- Neuer Stimmrechtsanteil: 2,92 %
- Grund: Verwässerung durch Kapitalerhöhung
Ganiyev hält seine verbliebenen Anteile über eine Kette von Beteiligungsgesellschaften. Die Meldung durch die Finanzaufsicht im Wege der Selbstvornahme deutet auf verspätete Offenlegung hin.
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Sanierung als Ursache für den Machtverlust
Der extreme Rückgang ist eine direkte Folge des Restrukturierungsplans von Accentro. Solche Verfahren sehen häufig einen Kapitalschnitt vor, um Verluste auszubügeln.
Anschließend folgt eine Kapitalerhöhung. Dabei tauschen oft Gläubiger, die auf Forderungen verzichten, diese in neue Aktien – ein „Debt-to-Equity-Swap“. Die alten Aktionäre, die nicht einsteigen, werden dabei stark verwässert. Genau dieser Mechanismus hat Ganiyev seine Mehrheit gekostet.
Vorgeschichte: Fehler und finanzieller Druck
Die Notwendigkeit der Rettungsaktion war absehbar. Die BaFin hatte zuvor Fehler in den Jahresabschlüssen für 2021 und 2022 beanstandet. Demnach waren Forderungen aus einem früheren Unternehmenskauf millionenfach zu hoch bewertet.
Hinzu kamen Stundungen von Zinszahlungen und personelle Wechsel in der Führungsetage. Der Sanierungsweg war für das Unternehmen der einzige Ausweg.
Was bedeutet das für die Zukunft von Accentro?
Die Kontrolle liegt nun voraussichtlich bei einem Kreis ehemaliger Gläubiger, die zu neuen Aktionären wurden. Diese werden die Strategie künftig mitbestimmen.
Steht nun eine konservativere Ausrichtung auf Stabilität bevor? Marktbeobachter erwarten in den kommenden Wochen weitere Stimmrechtsmitteilungen, die das neue Kräfteverhältnis klären.
Die zentrale Frage bleibt: Kann sich das sanierte Unternehmen im angespannten Wohnimmobilienmarkt behaupten?
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