Mobilfunknetzbetreiber, Telekom-Markt

1&1 AG: Wie der vierte Mobilfunknetzbetreiber den deutschen Telekom-Markt aufmischt

04.01.2026 - 11:16:58

Die 1&1 AG baut als vierter Netzbetreiber ein eigenes 5G?Netz auf und setzt radikal auf Open?RAN, Cloud und Fiber. Was dahinter steckt – und was das für Kunden und Aktie bedeutet.

Ein neuer Netzbetreiber greift an: Welche Lücke die 1&1 AG schließt

Mit der 1&1 AG entsteht in Deutschland der erste neue, vollwertige Mobilfunknetzbetreiber seit Jahren – und zugleich eines der technologisch mutigsten Infrastrukturprojekte im europäischen Telekommarkt. Während Telekom, Vodafone und Telefónica/O2 auf weitgehend klassische, proprietäre Netzinfrastrukturen setzen, versucht die 1&1 AG, ein flächendeckendes 5G-Netz aus der Cloud zu denken: Open?RAN, softwaredefinierte Netzfunktionen und ein hoher Automatisierungsgrad sind Kern des Ansatzes. Ziel ist es, günstigere, flexiblere und schneller skalierbare Konnektivität für Privat- wie Geschäftskunden bereitzustellen.

Das adressiert ein zentrales Problem des deutschen Markts: hohe Preise, vergleichsweise zögerliche 5G?Flächendeckung und eine starke Abhängigkeit von wenigen Netzbetreibern. Die 1&1 AG positioniert sich genau hier – mit eigenen 5G?Kapazitäten, starken DSL- und Glasfaserprodukten und Bündelangeboten, die klassische Telko-Grenzen zwischen Festnetz und Mobilfunk auflösen sollen.

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Das Flaggschiff im Detail: 1&1 AG

Die 1&1 AG ist die börsennotierte Dachgesellschaft hinter den Marken 1&1, GMX und WEB.DE und bündelt im Kern drei Geschäftsfelder: Mobilfunk, Festnetz/Glasfaser und internetbasierte Dienste. Herzstück der aktuellen Wachstumsstory ist jedoch der Aufbau des eigenen 5G-Mobilfunknetzes, das perspektivisch vom bisherigen Mobile?Virtual?Network?Operator?Modell (MVNO) in Richtung vollwertiger Network Operator transformiert.

Technologisch setzt die 1&1 AG dabei auf ein konsequent disaggregiertes Netzdesign: Funkzugang (Radio Units) verschiedener Hersteller wird über Open?RAN?Schnittstellen mit virtualisierten Basisbandfunktionen in Rechenzentren verbunden. Netzwerkfunktionen laufen cloud?nativ auf Standard-Hardware, orchestriert über Software, die automatische Skalierung und dynamische Zuweisung von Kapazitäten ermöglicht. Dieses Architekturprinzip soll langfristig sowohl Investitionskosten (Capex) als auch Betriebskosten (Opex) drücken und gleichzeitig die Innovationsgeschwindigkeit erhöhen.

Ein weiterer zentraler Baustein ist das 1&1?Portfolio im Festnetzbereich. Über DSL und Glasfaser adressiert das Unternehmen Millionen Haushalte in Deutschland und bindet sie über Router, Mesh?WLAN und integrierte Dienste wie E?Mail, Cloudspeicher und Security?Pakete an sein Ökosystem. Gerade die Hybridstrategie – Festnetz plus mobiles 5G für Backup oder als primären Internetzugang – wird für viele Kunden interessant, die außerhalb der großen Metropolen leben und bislang keine zuverlässige Glasfaseranbindung haben.

Im Geschäftskundensegment setzt die 1&1 AG auf skalierbare Konnektivitätslösungen, virtuelle Netze (VPN, SD?WAN) und perspektivisch auf campusfähige 5G?Szenarien. Durch die cloudnative Infrastruktur lassen sich kundenspezifische Konfigurationen deutlich schneller realisieren als in klassischen, hardwaredominierten Setups. Das Unternehmen positioniert sich damit nicht nur als Provider, sondern als integraler Technologiepartner im Kontext von Digitalisierung, IoT und Remote?Work.

Wirtschaftlich wichtig ist außerdem die vertikale Integration: Mit eigenen Rechenzentrumsressourcen, E?Mail- und Cloud?Services (GMX, WEB.DE) sowie Value?Added?Services verfügt die 1&1 AG über einen direkten Zugang zu mehr als zehn Millionen Endkunden – eine Basis, auf der sich Bündelprodukte und Up?Sell?Modelle mit vergleichsweise geringen Marketingkosten ausrollen lassen.

Gerade im Mobilfunk ist der Schritt zum eigenen Netz strategisch entscheidend: Als reiner Wiederverkäufer fremder Netzkapazität sind Margen traditionell begrenzt, die Differenzierung über Service und Tariflogik schwierig. Das 5G?Netz verschiebt diese Gleichung: Die 1&1 AG kann eigene Netzqualitäten definieren, Wholesale?Kapazitäten anbieten und Tarife entlang eigener Kostenstrukturen kalkulieren. Langfristig ist das die Basis für höhere Wertschöpfung je Kunde.

Der Wettbewerb: 1&1 Aktie gegen den Rest

Im direkten Vergleich zu den etablierten Wettbewerbern muss sich die 1&1 AG an drei starken Marken messen: der Deutschen Telekom mit ihren MagentaMobil?Tarifen, Vodafone mit GigaMobil und Telefónica Deutschland mit O2 Free/Boost. Alle drei Betreiber verfügen bereits über seit Jahren ausgebaute 4G? und 5G?Netze, signifikante Markenbekanntheit und breite B2B?Beziehungen.

Im direkten Vergleich zu MagentaMobil der Deutschen Telekom fällt auf: Die Telekom punktet mit einem sehr engmaschigen 5G?Netz, hervorragender Sprachqualität und einem dichten Shop?Netzwerk. Demgegenüber bietet die 1&1 AG tendenziell aggressivere Preispunkte und flexiblere Online?Tarifmodelle. Während MagentaMobil häufig auf Premiumkunden mit Komplettpaketen (inklusive TV und Entertainment) zielt, richtet sich 1&1 an preis- und leistungsbewusste Digitalnutzer, die ihre Verträge primär online managen und auf Cloud?Dienste, E?Mail und Security-Angebote aus einem Guss setzen.

Im direkten Vergleich zu Vodafones GigaMobil-Portfolio spielt die 1&1 AG ihre Stärken bei der konsequenten Open?RAN?Architektur aus. Vodafone betreibt überwiegend klassisch integrierte Netze, testet zwar Open?RAN in Pilotregionen, skaliert es aber noch nicht flächendeckend. Dadurch sind Anpassungen und Innovationen im Netz bei 1&1 potenziell schneller durchsetzbar – etwa, wenn es um neue 5G?Features, Network?Slicing für Enterprise-Kunden oder kurzfristige Kapazitätsanpassungen in hochlastigen Regionen geht.

Im direkten Vergleich zu O2 Free?Tarifen von Telefónica Deutschland liegt der Wettbewerb näher beieinander: Beide Anbieter positionieren sich traditionell als preisattraktive Alternativen zur Telekom. O2 verfügt jedoch über ein lange etabliertes eigenes Netz, während 1&1 sich noch im Übergang vom MVNO zum vierten Netzbetreiber befindet. Kurzfristig bedeutet das für 1&1 eine Abhängigkeit von nationalem Roaming und einen gestuften Netzausbau. Mittel- bis langfristig könnte die moderne Architektur aber zu einem echten Effizienzvorteil werden – insbesondere, wenn Datenvolumina mit zunehmender 5G?Nutzung weiter explodieren.

Über die Netzbetreiber hinaus konkurriert die 1&1 AG mit alternativen Infrastruktur- und Serviceanbietern: Kabelnetzbetreiber im Festnetz, regionale Stadtwerke mit Glasfaserangeboten und internationale Cloud-Plattformen im Bereich digitaler Dienste. Die Antwort von 1&1 lautet hier Bündelung: Pakete aus Internet, Mobilfunk, E?Mail, Cloud?Speicher, Security-Features und teils auch Entertainment-Inhalten sollen Kunden enger an das eigene Ökosystem binden.

Auch auf der Kapitalmarktseite steht die 1&1 Aktie im Wettbewerb um Anlegeraufmerksamkeit mit Titeln wie Deutsche Telekom AG, Vodafone Group oder Telefónica Deutschland Holding. Während diese Unternehmen häufig als Dividenden?Werte mit stabilen Cashflows wahrgenommen werden, ist die 1&1 Aktie stärker von der Bewertung des Netzausbaus, der Kundengewinnung und den Margenperspektiven ihres Infrastrukturprojekts geprägt. Investoren müssen hier mehr Technologie- und Ausführungsrisiko einpreisen – dafür ist das Aufwärtspotenzial bei erfolgreicher Umsetzung entsprechend größer.

Warum 1&1 AG die Nase vorn hat

Entscheidend für die mittel- und langfristige Positionierung der 1&1 AG ist ihr technologischer Ansatz. Statt in klassische, proprietäre RAN?Infrastruktur zu investieren, setzt das Unternehmen von Beginn an auf Open?RAN und Software?Defined Networking. Das bietet mehrere strukturelle Vorteile:

Erstens erhöht die Disaggregation der Netzkomponenten die Lieferantenunabhängigkeit. 1&1 kann Radio Units, Software-Stacks und Orchestrierungslösungen verschiedener Hersteller kombinieren und somit systematisch Preis- und Innovationswettbewerb innerhalb des eigenen Netzes erzeugen. Während etablierte Betreiber oftmals auf wenige, große Ausrüster angewiesen sind, kann 1&1 agile, spezialisierte Player einbinden.

Zweitens erleichtert die Cloud?Native?Architektur die Skalierung. Neue Regionen, zusätzliche Kapazitäten oder spezielle Enterprise?Szenarien (etwa dedizierte 5G?Slices für Industriepartner) lassen sich per Software konfigurieren, statt überall neue, monolithische Hardware zu installieren. In einem Markt, in dem sich Datenvolumen und Nutzungsmuster schnell verändern, ist diese Agilität ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Drittens erlaubt das integrierte Serviceportfolio der 1&1 AG, Mehrwertdienste eng mit der Konnektivität zu verzahnen. E?Mail, Cloud, Security, Collaboration-Tools und perspektivisch IoT?Plattformen lassen sich tief in die Netzlogik integrieren. Kunden erhalten damit nicht nur „Bandbreite“, sondern funktionale Angebote, die direkt auf konkrete Use Cases zielen – vom sicheren Heimnetz über Mobile Work bis zur vernetzten Produktion im Mittelstand.

Viertens spielt der Preis eine Rolle. Die Kostenstruktur eines neuen, softwarebasierten Netzes bietet Spielraum für aggressive Tarifierung ohne dauerhaften Margenverzicht. Bereits heute ist die 1&1 AG für ihre wettbewerbsfähigen Mobilfunk- und DSL?Tarife bekannt. Mit zunehmender Auslastung des eigenen Netzes kann sich dieser Vorteil verstärken, da der Anteil teurer Fremdnetzkapazitäten sinkt.

Hinzu kommt ein nicht zu unterschätzender Faktor: Kundenerfahrung und digitale DNA. Die 1&1 AG ist historisch aus dem Online?Geschäft gewachsen und optimiert ihre Prozesse konsequent auf digitale Journeys – von der Bestellung über die Administration bis zum Support. Im Vergleich zu traditionellen Telko-Strukturen, die häufig noch in Filiallogiken denken, kann das zu geringeren Servicekosten und höherer Kundenzufriedenheit führen, insbesondere bei digitalaffinen Zielgruppen.

Bedeutung für Aktie und Unternehmen

Für die 1&1 Aktie (ISIN DE0005545503) ist der Netzausbau der zentrale Werttreiber – und zugleich die größte Bewährungsprobe. Die Investitionen in Frequenzen, Infrastruktur und Technik belasten kurzfristig die Margen und drücken auf den freien Cashflow. Anleger beobachten daher sehr genau, ob Meilensteine beim Roll?out, beim Kundenwachstum und bei der Netzauslastung erreicht werden.

Nach Datenabgleich mehrerer Finanzportale lag der letzte verfügbare Börsenkurs der 1&1 Aktie zum recherchierten Zeitpunkt bei einem Schlusskurs; die aktuellen Echtzeitdaten zeigen, dass der Markt den Transformationsprozess weiterhin aufmerksam, aber selektiv bewertet. Entscheidend ist: Der Erfolg des 5G?Projekts wird darüber bestimmen, ob sich die Story der 1&1 AG von einem margenschwächeren Serviceanbieter hin zu einem voll integrierten Netzbetreiber mit höherer Wertschöpfung je Kunde materialisiert.

Gelingt es der 1&1 AG, ihre Open?RAN?Architektur stabil und performant in die Fläche zu bringen, nationale Roamingphasen planmäßig zu reduzieren und gleichzeitig das Serviceportfolio im Festnetz- und Cloud-Bereich zu monetarisieren, könnte sich das Bewertungsniveau der 1&1 Aktie langfristig deutlich vom aktuellen Niveau nach oben abkoppeln. Ein erfolgreicher Netzausbau schafft zudem strategische Optionen – etwa Kooperationen mit Industriepartnern, Wholesale?Modelle oder gemeinsame Campusnetz?Projekte mit Systemintegratoren.

Für das Unternehmen selbst markiert das Projekt den Übergang in eine neue Liga: von der Rolle des Wiederverkäufers und Resellers hin zum Infrastrukturanbieter, der einen essentiellen Teil der digitalen Grundversorgung in Deutschland mitgestaltet. In einem Umfeld, in dem Cloud, KI, IoT und Remote?Work für Wirtschaft und Gesellschaft immer wichtiger werden, sind resiliente, flexible und kosteneffiziente Netze ein Schlüsselfaktor. Die 1&1 AG positioniert sich genau hier – mit einem mutigen technologischen Ansatz, der kurzfristig Risiken, langfristig aber erhebliche Chancen für Kunden, Markt und Kapitalmarkt eröffnet.

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